Für mich als Pfarrer der Gemeinde ist es nun das letzte Mal, ein Resümee über die äußere Lage unserer Gemeinde zu formulieren. Dabei gehen meine Gedanken auch etwas weiter zurück.
21 Jahre nach der friedlichen Revolution können wir auf die zurückliegenden Jahre nur mit größter Dankbarkeit blicken. Die äußeren Verhältnisse unserer Gemeinde sind gefestigt und verdanken sich einer inneren Festigkeit, die aus dem Glauben und der Zuversicht unserer Gemeindeglieder kommt. So ist vor und über allem der Dank an Gott gerichtet, der uns mit seinem Heiligen Geist den Glauben und die Hoffnung erhalten hat und weiter erhalten möge für alle Zeit.
Wenn wir die äußeren Verhältnisse betrachten, so standen wir 1990 vor einer schwierigen Situation als Erbe der DDR-Zeit: Der Bauzustand des Pfarramtes, Pillnitzer Landstr. 8, war ruinös, das Pfarrhaus, Pillnitzer Landstr. 9, war ebenfalls in einem schlechten Zustand, das Kirchgemeindehaus, Grundstraße 36, war und ist ein dauerhaftes Objekt von Dachsanierungen und Reparaturmaßnahmen aller Art, weitere Gebäude waren alle in einem verschlissenen Zustand.
Und: Wir begannen mit dem Wiederaufbau der Kirche.
Diese im Rückblick übermächtig erscheinende Baulast und Bauaufgabe hat aber so viele Menschen unserer Gemeinde und auch außerhalb beflügelt, mitzumachen, zu spenden, sich Gedanken zu machen über die jeweils besten Lösungen und einfach voller Hoffnung und Energie alles zu begleiten, dass wir jetzt staunend sehen: alle unsere zentralen Gemeindegebäude, allen voran die Kirche, sind in einem sehr guten Zustand, bieten vielen Gruppen und Kreisen gute Möglichkeiten für die Gemeindearbeit. Einzig das Kirchgemeindehaus bleibt noch eine große Aufgabe der Sanierung für die Zukunft.
Wir konnten angesichts großer Kreditaufnahmen für gewaltige Baumaßnahmen und entsprechenden Tilgungslasten nur langsam zu einer Konsolidierung des Haushaltes gelangen, sind aber jetzt um so dankbarer, dass durch den Verkauf eines gemeindeigenen Wohnhauses, das für die Gemeindearbeit keine Funktion mehr besaß (im Unterschied zu den DDR-Zeiten, da Wohnraum für kirchliche Mitarbeiter von großer Bedeutung war) und durch die große Bereitschaft der Gemeinde zur finanziellen Mitverantwortung eine solide Basis entstanden ist, auf deren Grundlage wir die entscheidenden Aufgaben der Verkündigung zuverlässig gestalten können.
Dazu gehört ganz zentral, dass wir den Zusammenlegungen von Gemeinden und allen mit ihnen verbundenen Kürzungen erfolgreich begegnen konnten: Die Kürzung der Pfarrstelle auf 75 % wurde durch Spenden und Erträge der 2004 gegründeten Stiftung bald wieder zu einer vollen Pfarrstelle ausgeglichen. Die Kantorenstelle konnten wir trotz großen Spardruckes mit 70% erhalten, um die reiche kirchenmusikalische Arbeit nicht zu gefährden. In der Kinderarbeit blieben drastische Kürzungen aus.
Bedeutsam ist auch, dass wir mit unserer Kanzlei ein wichtiges Organisations- und Kommunikationszentrum erhalten konnten, in dem viele Fäden der Gemeindearbeit zusammenlaufen. Viele Gemeinden mussten hier besonders Einschränkungen auf sich nehmen, da durch die Einrichtung von zentralen Kassenstellen und - damit verbunden - geringeren Zuweisungen überall Mitarbeiter eingespart wurden. Wir gehören als einzige Dresdner Gemeinde zu denen, die bisher erfolgreich Widerstand leisten konnten. Es lag und es liegt uns am Herzen, auch weiterhin alle Verwaltungsvorgänge weiterhin mit einem menschlichen Gesicht und vertrauten Ansprechpartner zu gewährleisten.
Dank eines großen ehrenamtlichen Engagements werden viele Aufgaben und Dienste in der Gemeinde realisiert.
Es bleibt für uns das große Anliegen, die Selbständigkeit unserer Gemeinde für die Zukunft zu erhalten. Die rege Beteiligung so vieler Menschen am Gemeindeleben und auch die hohe Bereitschaft, durch finanzielle Beiträge die gemeindliche Arbeit zu unterstützen und in der Stiftung eine feste Säule der Sicherung der Verkündigungsarbeit zu entwickeln, sind ein ermutigendes Zeugnis für den starken inneren Zusammenhalt und die daraus erwachsende Kraft, zukünftige Herausforderungen, wie die erneute Evaluierung (Bewertung) der kirchlichen Verhältnisse im Jahre 2013, zu bestehen.