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Wegen der Länge des Textes empfielt es sich, diesen zum Lesen auszudrucken. Der folgende Text ist als Heftchen in der Reihe "Kleine Kunstführer durch Kirchen, Schlösser, und Sammlungen im mitteleuropäischen Kulturraum" des Verlags SCHNELL & STEINER GMBH REGENSBURG als Kunstführer Nr.2170: "Die Kirche zu Dresden Loschwitz", 1994, erschienen. Er wurde von Eberhard Münzner geschrieben. Der Text gliedert sich in die folgenden Abschnitte: |
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| DIE KIRCHE ZU DRESDEN-LOSCHWITZ
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| Die Gründung der Parochie
und der Neubau der Kirche Die von Sorben gegründeten ehemaligen Weinbaudörfer Loschwitz und Wachwitz – heute Stadtteile von Dresden – liegen 5 bis 8 km östlich der Stadt am durch die Lausitzer Verwerfung entstandenen Elbhang an den Mündungsgebieten von Bächen. Mit mehreren benachbarten Dörfern gehörten sie zum Kirchspiel der Frauenkirchgemeinde Dresden. Von der Mitte des 17. Jh. an wird diese liebliche Weinbergslandschaft von Dresdner Bürgern, kurfürstlichen Hofangestellten und Künstlern vorerst als Sommeraufenthalt, später als ständiger Wohnsitz entdeckt. Einige bekannte Persönlichkeiten seien hier stellvertretend für viele genannt. der Hofkomponist Heinrich Schütz, der Hofjuwelier Dinglinger, die Familie Körner, bei denen Friedrich Schiller zu längeren Gastaufenthalten verweilte, die Familie von Kügelgen, Ludwig Richter und sein Schülerkreis und auf Wachwitzer Flur ab 1824 der Sommersitz der Sächsischen Königsfamilie. Um 1700 wurde die Zugehörigkeit der eingemeindeten Dörfer zum Pfarrbezirk der Dresdner Frauenkirchgemeinde unerträglich: Durch Anwachsen der Einwohnerzahl in Dresden und den Dörfern war die alte, bereits sehr baufällige, mittelalterliche Dresdner Frauenkirche zu klein geworden. Die Gottesdienstbesucher dieser Gemeinden konnten in ihr den Gottesdienst nur durch Schallöffnungen von dem ihnen zugewiesenen Platz auf dem Kirchenboden verfolgen. Der Weg zu den Gottesdiensten war beschwerlich und weit. Da Dresden Festungsstadt war, konnte der Seelsorger die Ortschaften nur während der Toröffnungszeiten besuchen. Deshalb beantragten die Gemeinden erneut 1702, aus der Frauenkirche ausgepfarrt zu werden. Zunächst erwirkten sie nur, daß ab 1702 der Lehrer im Schulhaus einen Lesegottesdienst an allen Sonn- und Feiertagen durchführte. Erst nach weiterem Drängen gab Kurfürst August der Starke 1704 dem Ansinnen der Gemeinden statt. In diesem Zusammenhang berief der Rat der Stadt Dresden als Patronatsherr der Vorder- oder Ratsgemeinden von Loschwitz am 25. 9. 1704 Magister Arnold als ersten Pfarrer der neugegründeten Gemeinde. Außer den Dörfern Loschwitz und Wachwitz gehörte noch der an |
der Bautzner Chaussee gelegene
Gasthof "Zum weißen Hirsch" mit den dazugehörigen Anwesen zum
Kirchspiel. Verbunden mit der Auspfarrgenehmigung war auch die Bewilligung
zum Kirchbau. Mit dem Bau der Kirche beauftragte der Patronatsherr seinen
Ratsmaurermeister Johann Christian Fehre , und den Ratszimmermeister
George Bähr. Die Einwohner von Loschwitz wollten die Kirche inmitten des Ortes errichten. Der Rat der Stadt Dresden jedoch war wegen der Enge des Platzes und der damit verbundenen Feuer- und Hochwassergefahr dagegen. Außerdem hätte der Bauplatz käuflich erworben werden müssen. Er ließ deshalb die Kirche im ratseigenen Materni-Weinberg am östlichen Dorfrand an der nach Pillnitz führenden Straße in hochwassersicherer Lage erbauen. Mit der Platzwahl war auch bewußt an die Allegorie des Matthäusevangeliums gedacht worden, in dem die christliche Kirche mit einem Weinberg verglichen wird. Mit dem Kirchenbau sollte aus dem irdischen ein geistlicher Weinberg geschaffen werden. In diesem Sinne wurde auch das theologische Gottesdienstverständnis in die Gestaltung einer evangelischen Kirche einbezogen. Wie bereits Luther in seiner Weihepredigt am 5. 10. 1544 für den ersten evangelischen Kirchenraum der Schloßkirche Torgau gültig formulierte, sind die Hauptpunkte des evangelischen Gottesdienstes der in Predigt, Abendmahl und Taufe die Gemeinde ansprechende Herr und die im Gebet und Lobgesang antwortende Gemeinde. Die Ende des 17. Jh. konzipierte Zentralbauidee mit ihrer Vereinigung von Kanzelaltar und Orgel wurde diesem Grundsatz weitestgehend gerecht; Außerdem wurde durch die Kanzelanordnung erreicht, daß der Prediger von jedem Platz gehört bzw., gesehen werden und er selbst die gesamte Gemeinde überblicken konnte. Diesen Zentralbautypus zeichnen auch die großen, mit hellen Scheiben ausgestatteten Fenster aus. Dadurch wurden lichtdurchflutete Räume geschaffen und den Kirchgängern die Möglichkeit gegeben, den Gottesdienst durch Nachschlagen von Bibel und Gesangbuch besser verfolgen zu können. |
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Darstellung des Bauablaufes Die bauvorbereitenden Maßnahmen begannen bereits im Frühjahr 1705 mit dem Zurichten der Steine, nachdem die Einwohner die aus den pirnaischen Steinbrüchen 1704 angelieferten Sandsteine den Winter über vom Elbufer zum Bauplatz schafften. Das Bauholz wurde aus den kurfürstlichen und böhmischen Wäldern beschafft. Die Mauer- und Dachziegel kamen aus der Ratsziegelscheune Dresden, zur Baustelle transportiert wurden sie von Einwohnern "... aus Liebe umsunst ... ". Im Mai wurde der Platz zur neuen Kirche umgangen, dabei drei Choräle gesungen, die Weinpfähle gezogen, die Weinstöcke ausgehackt und der Grund ausgehoben. Am 29. 6. 1705 konnte die feierliche, von Kreuzchor und Trompeten begleitete Grundsteinlegung durch den Konsistorialpräsidenten Graf von Schönberg vorgenommen werden. Der Bau kam 1706 durch Einwirkungen des Nordischen Krieges für kurze Zeit ins Stocken. Der Loschwitzer Pfarrer und zwei Kirchenväter erwirkten beim Schwedenkönig Karl XII. einen Regreß. Dieser versprach und hielt es: "Man solle ruhig fortbauen, es werde kein Span bei diesem Gebäude beschädigt werden."
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Die Bauarbeiten konnten bald fortgeführt werden, so daß die Kirche vor ihrer endgültigen Fertigstellung am 3. August 1708, dem Namenstage Augusts des Starken durch den Superintendenten Dr. Schrader geweiht werden konnte. Aus diesem Anlaß waren schon, wie zuvor bei der Grundsteinlegung, Medaillen aus Silber geprägt worden. Mit der Vollendung der Außenanlagen wurden die Bauarbeiten 1710 abgeschlossen. Der Königsteiner Uhrmacher Goldauer ergänzte das am l. 8. 1708 geweihte Geläut der Kirche mit einer Schlaguhr, die aber erst 1862 ihr erstes Zifferblatt auf der Turmwestseite erhielt. Infolge Geldmangels konnte die Kirche nicht sofort mit einer Orgel ausgestattet werden. Erst am 21. 10. 1733 erfolgte die Weihe der von Johann Christoph Leibner unter Verwendung von 11 Stimmen der alten Frauenkirchorgel geschaffenen Orgel. |
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Beschreibung der barocken Kirche Beginnend mit der Loschwitzer Kirche entwickelte George Bähr wie kaum ein anderer diesen barocken Kirchentypus, bis er ihn mit dem Bau der Dresdner Frauenkirche, der größten barocken evangelischen Kirche, krönte und vollendete. Auf Grund des geringen Platzes im ehemaligen Loschwitzer Weinbergsgelände und in Verbindung mit der Zentralraumidee wählten die Baumeister ein oblonges Achteck als Grundriß der Kirche. Das Bauwerk erhebt sich ca. 2,5 m über dem Straßenniveau, südöstlich gerichtet. Im Verhältnis zu anderen zeitgenössischen Dorfkirchen ist der Bau in einer aufwendigeren Formsprache gestaltet. Die Sandsteinmauern werden durch große Stichbogenfenster durchbrochen, die durch die profilierten Überdachungen mit Schlußstein und geputzten Faschen hervorgehoben sind. Die Ecken des Gebäudes besetzen gequaderte Lisenen aus Ortsteinen, die in das Hauptgesims in einem Akanthusblattschmuck auslaufen. Abgeschlossen wird das Mauerwerk durch ein kräftig profiliertes Hauptgesims, das mit Putzstukkaturen geziert ist, Besonders hervorgehoben ist die südliche Straßenfassade durch die Gestaltung des aus Sandstein bestehenden Hauptportales. Es ist umrahmt mit ionischen Pilastern und einer geschweiften Verdachung. In dem Feld zwischen dem Schlußstein des Portales mit der Aufschrift "DEO REDDITUM" (Gott übergeben) und der Verschweifung befinden sich zwei Kartuschen mit einer Krone darüber. Wie zwei beim Wiederaufbau in der Achse des Portalpilasters gefundene zugemauerte Nischen zeigen, war vermutlich ursprünglich daran gedacht, die Portalverdachung mit Figuren zu ergänzen. Dafür hatte man die Wandfläche oberhalb des Portales mit einer aufgemalten Sonnenuhr geschmückt, deren Band sich um das Mittelfenster schlingt. Mit der dem Elbstrom zugewandten Schauseite fügte sich die Kirche in das Konzept Augusts des Starken ein, der den Elblauf zwischen den Schlössern Pillnitz und Übigau zu einem ähnlichen Erlebnisbereich machen wollte, wie es der Canale Grande in Venedig ist. Diese Wirkung wurde auch noch durch die gewählte Abfärbung unterstrichen: die mit Besenstipputz strukturierten Wandflächen in altrosa, Lisenen, Traufkehle und Sandsteingewände in weiß. Leider wurde diese städtebauliche Wirkung im Elbraum von den Architekten der Gründerzeit vor allem beim Bau der gegenüberliegenden Schulen nicht beachtet. Auf das Mauerwerk setzte Bähr ein steiles, ziegelgedecktes Mansarddach mit einem reichgegliederten, schieferverkleideten turmartigen Dachreiter. Dieser wurde erstmals mit der für die Bährschen Bauten typischen welschen Haube gekrönt. Betreten wurde der Kirchenraum meist durch das dem Altar gegenüberliegende kleinere und bescheidenere Westportal, dessen Schlußstein die Inschrift "Proximo datum" (Dem Nächsten übergeben) trägt. Das Innere war zentralartig in einfachen, einer Dorfkirche entsprechenden Formen konzipiert. Einziger Schmuck war der mächtige Sandstein-Kanzelaltar. Dieser Typus wurde hier erstmals in der Dresdner Gegend aufgestellt. Der Innenraum wurde in den Ecken durch Pilaster gegliedert, die im Hauptgesims mit Volutenkapitellen endeten, über denen sich das den Raum abschließende und mit Stuckprofilen geschmückte Spiegelgewölbe erhob. In dessen Mitte befand sich, umgeben von einem Stuckrahmen, ein Deckengemälde vom Dresdner Maler Johann Schiernitz, das den Lobpreis Gottes darstellte. In der Mitte des Schiffes standen zu beiden Seiten des Mittelganges Kirchenbänke, die sogenannten "Weiberstühle". Um diese herum zogen sich entlang der Umfassungsmauer unterhalb der Emporen zwei Reihen leicht amphitheatrisch angeordnete Bänke, die für die Weinbergsbesitzer und deren Ehefrauen vorgesehen waren. Von dem in der Mitte vorschwingenden Altarvorplatz zogen sich an den Wänden zwei hölzerne Emporen entlang, die ais Sitzplatz für die Männer dienten. Gegenüber der Kanzel war auf der 1. Empore die Patronatsloge angeordnet. Über ihr war die 2. Empore als Orgel- und Sängerempore ausgebildet worden. Bis 1888 befand sich hinter der Orgel der Aufgang zum Dachboden. Die weiß gehaltenen Emporen waren bescheiden profiliert und die Brüstungen mit einer leichten Marmorierung bemalt.
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Die Orgelemporenbrüstung trug die Inschrift: "Sanctus, Sanctus, Sanctus dominus deus Zebaoth". Über dem mächtigen, reich gegliederten Altarunterbau erhob sich die Kanzel, die von einer mehrfachen Pilaster- und Säulenanordnung umrahmt wurde. Den Aufbau schloß ein gesprengter Giebel ab, zwischen dem ein von Palmwedeln getragenes flammendes Herz stand, das mit dem Tetragramm beschriftet war. Der Altar war sparsam mit figürlicher Plastik geschmückt. Am Kanzelkorb befand sich ein Relief, das Schweißtuch der Veronika darstellend, über der Kanzelöffnung eine die Schwingen ausbreitende Taube und auf dem abschließenden Fries Engelsköpfchen, Seitlich von den Pilastern waren bereits Figurenkonsolen vorhanden, die aber erst ab 1899 genutzt wurden. Der gesamte Altar bestand aus Sandstein, lediglich die Pilaster und Säulen des Mittelteiles waren aus Stuckmarmor und der Kanzelkorb aus Holz gefertigt. Vor dem Altar stand der aus Lindenholz geschnitzte und farbig gefaßte Taufstein. Engel trugen einen Korb mit der Taufschüssel, die von einem mit kronenartig gestalteten Blumengirlanden geschmückten Deckel abgedeckt war. Rechts und links hinter dem Altar waren zwei Sandsteintafeln eingelassen, die mit ihren Inschriften auf den Bau und die Einweihung der Kirche Bezug nehmen. Linke Tafel: "Unter den kundgewordenen, fast im ganzen Europa geschehenen Verwüstungen und Zerstörungen geistlicher und weltlicher Gebäude im Jahre 1703 bitten den durchlauchtigsten und mächtigsten Fürsten Friedrich August, König von Polen, des heiligen römischen Reiches Kurfürsten von Sachsen, die Bewohner des Dorfes Loschwitz und Wachwitz um ein Gotteshaus und bequemeren Gottesdienst, als sie bisher in der benachbarten volkreichen Stadt Dresden hatten. Endlich hat der Rat dieser Stadt gebeten und erlangt, daß dasselbe von ihm gegeben und errichtet werde, eingedenk, daß die bisher in diesen Landen gestattete (...?) der Kirche und des öffentlichen Wesens Gott allein verdankt werde. Am 29. Juni 1705 wurde der Grundstein in festlicher Weise gelegt." Rechte Tafel: "Als das Werk eifrig betrieben wurde, hörte man, daß der König von Schweden mit einem bedrohlichen Heere in das Kurfürstentum Sachsen eingebrochen, und die Elbe, welche von hier an damals viele Untiefen hatte, überschreite. In der Mitte des Monats September 1706 erschien er. Den erschreckten Einwohnern und Handwerkern, die um Sicherheit baten, versprach und gewährte dieselbe der König, der ihren Bitte gegenüber nicht hart war, Soweit es daher unter den Nöten und Bedrängnissen eines ganzen Jahres anging, wurde das Werk fortgesetzt und so weit vollendet, daß es am Tage des Augustes (am 3. August) des Jahres 1708 gottesdienstlich und feierlich eingeweiht werden konnte, Zur Zeit der Vollendung des Werkes waren zu Dresden in den Senat gewählt ..." - es folgen die Namen. Äußerlich wurde der Kirchenbau durch die nördlich angebauten ebenerdigen Betstübchen, die durch Fenster mit dem Kirchenraum verbunden waren, und die südöstlich angefügte Sakristei ergänzt, Die eingeschossige Sakristei ist von einem Kreuzgratgewölbe überspannt. Sie ist von Außen zugänglich und besitzt Durchgänge zum Kirchenschiff und zum Kanzelaufgang. In ihr hing ein noch erhaltenes Gemälde des Gekreuzigten nach van Dyck aus der 2. Hälfte des 18. Jh. Im Inneren der Kirche sind am Altarplatz, im Seiten- und Mittelgangbereich Grüfte angeordnet. Die Gruftstellen waren mit Inschriftplatten aus Bronze bezeichnet, die der Reichsmetallspende des 2. Weltkrieges zum Opfer fielen. Mit dem Anlegen eines Kirchhofes um die fertiggestellte Kirche besaß die Gemeinde erstmals auch eine eigene Begräbnisstätte. Bis dahin mußte man den vor den Toren der Residenzstadt liegenden Johannisfriedhof benutzen. Viele bemerkenswerte Grabmale sind auch heute noch dort zu bewundern. Da dieser Friedhof zu klein wurde und nicht erweitert werden konnte, legte die Gemeinde östlich des Dorfes an der Pillnitzer Landstraße um 1800 einen neuen an. |
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Die Kirchenerneuerung 1898/99 und die Erhaltung bis zur Zerstörung am 13. Februar 1945 Ende des 19. Jh. bedurften der gesamte Kircheninnenraum und z.T. das Kirchenäußere einer gründlichen Renovierung. Da die innere Gestaltung aus der Erbauungszeit mit ihrem dörflichen Flair nicht mehr dem Zeitgeschmack der Gründerjahre entsprach, entschloß man sich, das Innere - mit Ausnahme des Altars - völlig neu zu gestalten. Das gesamte originale Interieur einschließlich der baufälligen Orgel wurde entfernt und durch eine dem prunkvollen Villenstil der Umgebung angepaßte neue Ausstattung ersetzt, die aber die Grundanlage der zwei Emporen beibehielt. Olivgrüne Töne und reiche Vergoldungen bestimmten nun den Charakter der Innendekoration. Um eine größere Orgel der Firma Jehmlich einbauen zu können, wurde der innenliegende Aufgang zum Dach und Turm durch ein separates, östlich außen angebautes Treppenhaus ersetzt. Die Stukkaturen der Decke wurden durch Akanthusblätter und -ranken, Quasten, zusätzliche Rahmungen, Vergoldungen und geflügelte Engelsköpfchen ergänzt, der Altar mit den Statuen der Apostel Petrus und Paulus ausgestattet und die Hebräische Inschrift in Flammenherzen gegen das Christusmonogramm ausgetauscht, der Altartisch und -vorplatz mit Marmor verkleidet bzw. ausgelegt. Alle Fenster erneuerte man durch Bleiverglasungen, die seitlichen Altarfenster nach den Zeichnungen des ortsansässigen Malers Georg Schwenk mit biblischen Szenen - Christus in Getsemane und der barmherzige Samariter - gestaltet, die übrigen mit Ornamentik und Kirchensymbolen geschmückt. Bereits 1863 hatte man Schwankungen des Turmes in Längsrichtung bis zu 2 Zoll beim Läuten festgestellt. |
Wie Untersuchungen ergaben, lagen die Hauptbalken in Längsrichtung nicht auf der Umfassungsmauer auf, und dadurch konnten die auf diese vom Turm übertragenen Kräfte nicht wirksam abgetragen werden. Da die damals vorgenommenen Stabilisierungsversuche mit Bändern und Zugstangen nur geringe Wirkung zeigten, sollte der Einbau von zwei stählernen Gitterböcken und die Verlängerung der Hauptträger mit Hilfe von U-Eisen bis auf den Mauerkranz Abhilfe schaffen. Die nördlichen Betstübchen wurden abgebrochen und die Öffnungen zum Kirchenschiff zugesetzt. Turmverkleidung, Dach und Außenhaut sind entsprechend dem Originalbestand erneuert bzw. repariert worden. Die vorher nur aufgemalte Sonnenuhr an der Südseite wurde in ähnlicher Form durch eine aufwendig gestaltete Putzauftragungsarbeit ersetzt. Abweichend vom Originalzustand färbte man die Außenfassade in abgestuften Grautönen ab. Am 12. 3. 1899 fand die Wiederweihe der erneuerten Kirche statt. Bis auf eine weitere Turmreparatur 1928 und die Ergänzung der Orgel durch ein auf dem Dachboden über ihr angeordnetes Celestaregister blieb die Kirche in unveränderter Form bs zu ihrer Zerstörung im 2. Luftangriff auf Dresden am 13. 2. 1945 erhalten. Durch Bombentreffer brannte die Kirche bis auf ihre Umfassungsmauern aus. Glücklicherweise hat in einem unbeschädigt gebliebenen Tresorraum das Kirchengerät, das teilweise aus der Entstehungszeit der Kirche stammt, den Brand unversehrt überstanden. Bemerkenswert ist hier ein Bronzeleuchterpaar von 1709. |
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Wiederaufbau 1945 bis 1994 Noch im August 1945 beräumte man die Kirchenruine vorn Schutt, um im folgenden Jahr nach einem Gutachten von Prof. Beyer die Oberseite des verbliebenen Mauerwerks gegen eindringende Feuchtigkeit durch einen Betonestrich zu schützen. Von 1951 an bemühte sich die Gemeinde vergebens, die Kirche wiederaufzubauen. Es lagen diverse Projekte vor, sie im wesentlichen in der Renovierungsfassung von 1899 wiedererstehen zu lassen. Aus den verschiedensten Gründen scheiterten aber alle Bemühungen. Um das Gemeindeleben aber trotzdem wieder mit dem Klang von Glocken begleiten zu können, bemühte sich die Gemeinde um ein neues Geläut. Die Junge Gemeinde bereitete dafür die Kirchenruine in einem zweijährigen Arbeitseinsatz für die Aufstellung des neuen Glockenstuhles vor. Dabei baute sie die noch relativ gut erhaltene Sakristei als ersten funktionsfähigen Raum der Kirche aus. Am 2. November 1969 fand die Weihe des Geläutes unter großer Anteilnahme der Gemeinde statt. Laut Bezirkstagsbeschluß vom 31. Mai 1978 wurde die Kirche und der sie umgebende Friedhof in die Bezirks-Denkmalliste eingestuft und unter Denkmalschutz gestellt. An den ruinösen Umfassungsmauern zeigten sich im Laufe der Jahrzehnte Verwitterungsschichten, die dringend behoben werden mußten. Ab 1984 nahm die Gemeinde daher erneut Anlauf zum Wiederaufbau ihrer Kirche. Sie soll in mehreren Bauabschnitten wiederhergestellt werden. Im ersten Bauabschnitt wird die Kirche in ihrer äußeren Hülle einschließlich des Spiegelgewölbes und der Wandgliederung im Inneren rekonstruiert. Die vom Landesamt für Denkmalpflege bestätigte Zielstellung sieht vor, daß das Äußere der Kirche der Bährschen Fassung entsprechen soll. Die Umfassungsmauern repräsentieren weitestgehend (außer der 1898 erneuerten Sonnenuhr) noch den originalen Zustand. Mit Hilfe eines erhalten gebliebenen Aufmaßes der TU Dresden aus dem Jahre 1931, das den Dachquerschnitt und eine Gaube darstellt, konnte die originalgetreue Kontur des Daches und des Turmes rekonstruiert werden. Da keine weiteren Detailaufmaßzeichnungen vorhanden sind, mußten in einem aufwendigen Prozeß die fehlenden Unterlagen für die verschiedenen Profile, Stukkaturen, Putzstrukturen, Fenster, Portale, Turmbekrönung u.ä. an Hand von Befunduntersuchungen, historischen Fotos und Studienzeichnungen von Anfang des 19. Jh., durch die Beschreibungen des Bautagebuches von 1710 und mit Hilfe von vergleichenden Architekturstudien an zeitgenössischen Barockbauten gewonnen werden, damit die Rekonstruktion weitestgehend dem Originalzustand entspricht. Durch Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege konnten Rückschlüsse auf die originale Farbgebung gewonnen werden: Traufgesims, Eckleisten, Fenster- und Türgewände weiß, die Besenstipputzflächen altrosa. Nachdem zum 1. Elbhangfest am 29. Juni 1991 der symbolische Grundstein zum Wiederaufbau gelegt wurde, begann die Bautätigkeit. Die Standfestigkeitsprüfung ergab, daß dank der Sicherungsmaßnahmen von 1946 das Mauerwerk noch voll tragfähig ist. |
Da aber infolge von Spannungen während des Brandes das Mauerwerk über den Fenstern gerissen war, wurde als zusätzliche Sicherheit in der Wandmitte zwischen Hauptsims und Fenstersturz ein stählerner Spannring eingezogen. Daran schloß sich die Renovierung des Traufgesimses an. Wesentliche Teile der Simssteine konnten wiederverwendet werden. Nur die besonders geschädigten Stücke mußten komplett erneuert werden. Gemeinsam mit dem auf ihnen liegenden Ringanker aus Brettschichtholz wurden sie zur Erhöhung der Sicherheit mit dem Mauerwerk vernadelt. Die Fenstergewände waren durch den Brand so geschädigt, daß sie komplett ge gen neue ausgetauscht werden mußten. Durch den Brand wies die Innenmauerfläche schalenartige Abplatzungen von stellenweise bis zu 25 cm Tiefe auf. Durch Ausmauern mit Ziegeln wurde das Mauerwerk wieder auf seine ursprüngliche Wandstärke gebracht. Wie aus alten Bauakten ersichtlich ist, wies das Bährsche Dachtragwerk grundsätzliche statische Fehler auf, die zu laufenden Schäden führten und die trotz mehrfacher Reparatur nie gänzlich behoben werden konnten. Um diese Unzulänglichkeiten auszuschalten und die enorm wirkenden Massen- und Windkräfte sicher auf das Mauerwerk abzuleiten, wurde ein neuartiges kostengünstiges Dachtragwerk konzipiert, das komplett aus Brettschichtholz besteht. Mit dem Aufsetzen der Turmhaube mit Richtkrone am 3. Oktober 1992 wurde dessen Montage beendet. Danach konnten alle Dachklempnerarbeiten durchgeführt, das Dach eingedeckt und der Turm mit Schiefer verkleidet werden. Mit dem Aufsetzen der Turmkugel und der Wetterfahne zum Elbhangfest im Juni 1993 wurde der Aufbau des Daches abgeschlossen. Mit der Putzerneuerung Außen und innen, mit der Restaurierung der Portalgewände, der Montage des Spiegelgewölbes, dem Einbau der Fenster und Portalflügel wurde mit der am 2. Oktober 1994 erfolgten Wiederweihe der Kirche der 1. Bauabschnitt beendet. Für den 2. Bauabschnitt, den Innenraum, gibt es erste konzeptionelle Überlegungen, bei denen folgende Eckpunkte feststehen:
Eberhard Münzner |
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