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Letzte Aktualisierung: Samstag, 28. Juli 2007 
   


Leserbrief des Gemeindeblattes zur Strukturreform:

Liebe Gemeinde, liebe Leser,

als nicht mehr Kirchensteuer zahlender, aber noch gläubiger Mitbürger wende ich mich heute an Sie, ein Projekt, eine Initiative von Gemeindegliedern und nicht kirchlich gebundenen Mitbürgern in abgesprochener gemeinsamer Aktion zu unterstützen, die langfristig sichert, dass die Personalstellen (Pfarrer, Kantor, Diakon und sonstige Mitarbeiter) als volle Personalstellen erhalten bzw. wieder hergestellt werden können. Alle Mitbürger, gleich, ob religiös gebunden oder nicht, nutzen die bereits vorhandenen und angebotenen Einrichtungen und Veranstaltungen der Kirchgemeinde ganz selbstverständlich. Die wenigsten Nichtgemeindemitglieder aber wissen, welche Kosten damit verbunden und nötig sind. Wenn diese nicht durch Zufall oder durch Presseveröffentlichungen erfahren, dass die Evangelische Landeskirche – auch bei gutem Willen – wegen des ständigen Rückgangs der Kirchensteuer zahlenden Christen und der sich ständig verringernden staatlichen und planbaren kirchlichen Zuwendungen nicht ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung hat, um wenigstens die Mitarbeiter der Kirchgemeinden als Vollarbeitsstellen bezahlen zu können, wissen sie von dem Desaster nichts bzw. nehmen es nur am Rande zur Kenntnis.

Sie ahnen aber meist nicht einmal, wie wichtig gerade die kirchlichen Gemeindeeinrichtungen für sie ganz persönlich werden können. Sehr richtig bemerkte Herr Selunka in seinem letzten Beitrag im Kirchgemeindeblatt, dass die säkularisierte Gesellschaft nicht zwangsläufig Religionslosigkeit nach sich zieht, sondern dass es mehr und mehr Menschen gibt, die nach einem Halt, einer Sinngebung, nach einer Kraft (Gott) für ihr Leben suchen, die sie selbst so stärkt, dass sie den täglichen Anfechtungen und Verführungen widerstehen können.

Jetzt sind wir, die Christen und die Nichtchristen, und unsere Ideen und unsere Aktivität gefordert, um aus dem Dilemma herauszukommen. Wer, wenn nicht wir, die einfachen, ehrlichen Bürger an der Basis, können noch etwas mit Gottes Hilfe bewirken?

Den meisten ehrlichen Mitbürgern geht es wie mir: Sie fühlen sich als „Nummer“ oder Erfüllungsgehilfen der Bürokratie und derer, die über sie mächtig sind! Diese erfolgsgetrimmte Gesellschaft fördert aber keinesfalls das Wohlergehen ihrer Mitglieder, sondern versucht sie, wie aus der Bibel hinreichend bekannt (Tanz ums goldene Kalb), durch ständige Konsumangebote, Machtmißbrauch und Manipulation so zu beeinflussen, dass sie ihr eigenes Gewissen, das tief in ihnen verwurzelt ist, überdecken oder betäuben. (Aussage in Goethes Faust im Prolog: „Ein guter Mensch in seinem Drange ist sich des rechten Weges wohl bewusst“). Die Folge ist Verführbarkeit, Verdrängung des schlechten Gewissens und letztlich Konflikte, das Empfinden innerer Leere und Ausweglosigkeit bis hin zur Krankheit oder dem Suizid!

Wem aber kann man in dieser Gesellschaft noch trauen? Wer ist wirklich bereit, sich seinem Nächsten unbefangen und ohne Misstrauen mit seinen Sorgen und Problemen anzuvertrauen? Wer in dieser Gesellschaft findet sich noch bereit, wirklich zuzuhören und ehrlich Hilfe und wirksamen Rat anzubieten?

Ich meine aus eigener trüber Erfahrung, dass dies nur noch die Mitglieder der Kirchgemeinden, die Pastoren, Mitarbeiter der kirchlichen Einrichtungen sowie die ehrenamtlichen Selbsthilfegruppen sind.

Ich bin der Überzeugung, dass wir als Gemeindemitglieder den Mitmenschen am besten helfen, wenn wir mit ihnen das Gespräch suchen, ihnen erläutern, welche Kraft und innere Stärke eine funktionierende Kirchgemeinde jedem persönlich vermitteln kann. Wenn wir ebenso ehrlich ihnen unsere finanzielle Situation erläutern und die daraus folgenden Konsequenzen, können wir sie, dessen bin ich gewiss, zur Mitarbeit gewinnen, ohne dass sie vordergründig annehmen müssen, als „zahlendes Kirchenmitglied“ vereinnahmt zu werden. Wenn es uns aber gelingt, dass sie selbst die Erfahrung von Gottes Hilfe und Allmacht spüren, so werden wir, so bin ich überzeugt, auch echte Mitstreiter und Christen gewinnen. Diese werden ihren Glauben verinnerlichen, danach leben und mit ihrem Engagement das Leben in der Gemeinde bereichern.

Es wäre sehr schön, wenn Sie mein Anliegen verstehen und sich bereit finden würden, als Gemeindemitglieder gemeinsam mit nicht religiös gebundenen Mitbürgern nach Wegen und Lösungen zu suchen, das Stiftungsvermögen  möglichst rasch so aufzufüllen, dass unabhängig von den finanziellen Zwängen der Landeskirche die vollen Personalstellen der Mitarbeiter der Kirchgemeinde erhalten bzw. wieder hergestellt werden können.

In gemeinsamen Zusammenkünften, für die Termine noch festgelegt werden müssen, könnten mit allen Beteiligten Ideen und Vorschläge gesammelt werden, wie unser Vorhaben am besten zu unterstützen sei.

Wer sich also beteiligen und mitarbeiten möchte, melde sich bei mir oder bei Herrn Selunka oder in der Kanzlei oder suche schriftlich Kontakt oder auch per e-mail
selunka@loschwitzer-kirche.de.

Ich grüße Sie alle herzlich und wünsche Ihnen Gottes Segen für all Ihr tägliches Tun!

Ihr Hans-Georg Seidler, Pillnitzer Landstraße 88, Tel.: 2686576


Rüstzeit für Menschen in der zweiten Lebenshälfte im Tagungs- und Erholungsheim der Brüdergemeine in Herrnhut vom 14. bis 19. September 2004

Schon seit Jahren fahren Senioren aus Loschwitz zu einer Rüstzeit nach Herrnhut. So auch in diesem Jahr. Bei herrlichem, warmem Herbstwetter starteten wir frohgestimmt in zwei Fahrzeugen von Dresden aus in die schöne Oberlausitz. Wohlbehalten erreichten wir unser Ziel und wurden vom Heimleiter, Herrn Matjeka, begrüßt. Wir konnten an einer liebevoll gedeckten Kaffeetafel Platz nehmen und uns stärken. Als Tischkarte bekam jeder von Herrn Pfarrer Selunka eine Ansichtskarte mit einem wundervollen irischen Segenswunsch zugeteilt, die von ihm zu jeder Mahlzeit anders angeordnet wurde, so dass man immer zu neuen Nachbarn kam.  

Ein erster Spaziergang führte uns etwas später über den Gottesacker hinauf zum „Altan“. Eine prachtvolle Aussicht über die uns schon bekannten schönen Lausitzer Berge bis hin zum Iser- und Riesengebirge belohnte den Aufstieg. Wir waren uns alle einig: das Lausitzer Bergland ist immer wieder schön. Wie schon so oft bewahrheitete sich wieder einmal das Sprichwort „Warum in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah !“.

Am Abend beschloss stets eine Andacht mit abwechselnd in zwei Gruppen gelesenen Psalmen den Tag.

Zum Beginn des nächsten Tages trafen wir uns wie immer zunächst zur Andacht, wieder mit dem Lesen von Psalmen. Der Vormittag war unserer Bibelarbeit vorbehalten, die diesmal die Erzväter Abraham, Isaak und Jakob im Alten Testament zum Inhalt hatte, über die im 1. Buch Mose, Kap. 12 ff. berichtet wird. Wir beschäftigten uns sehr intensiv mit diesen Bibelabschnitten und konnten viel Interessantes über den Glauben und das Leben des alten Gottesvolkes erfahren. Herr Pfarrer Selunka las dazu auch entsprechende Abschnitte aus dem Buch „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann vor.

Nach Mittagessen und Mittagsruhe führte uns nachmittags immer ein Ausflug in die nähere Umgebung.

Am ersten Nachmittag führte uns der Weg in das tschechische Nachbarland in die Industriestadt Rumburk zu einer kleinen evangelischen Gemeinde, deren Pfarrer Simonovsky´ unsere Gemeinde zusammen mit seiner deutschen Frau zum letzten Elbhangfest besucht und im festlichen Gottesdienst gepredigt hatte. Die schöne kleine evangelischer Barockkirche wurde leider im Frühjahr ein Raub der Flammen. Wir standen erschüttert in der teilweise rauchgeschwärzten Kirche, in die uns die junge Pfarrerin zunächst führte. Die jungen Pfarrersleute wollen jedoch nicht aufgeben. So konnte der Turm schon wieder hergestellt und das Richtfest gefeiert werden. Im Oktober soll das Dach gedeckt sein. Es ist jedoch noch viel zu tun! Viele Spenden sind nötig! Uns hat dieser Besuch sehr nachdenklich gestimmt.

Am nächsten Tag besichtigten wir in Ebersbach die „Alte Mangel“, ein wunderschönes großes Umgebindehaus. Seine Bauart und das aus der Umgebung zusammengetragene alte Inventar wurde uns liebevoll von einer Museumsmitarbeiterin erklärt. Wir freuten uns darüber, dass dieses Gebäude nicht, wie erst vorgesehen, abgerissen, sondern sehr gut restauriert wurde. So ist es der Nachwelt erhalten und interessierten Besuchern zugänglich. Der Ausflug endete mit dem Kaffeetrinken in der originellen Gaststätte „Blockhaus zum Waldfrieden“, das uns Herr Selunka sen. empfohlen hatte, der bei den Ausflügen mit dabei war. Dabei kam es zu dem spontanen Beschluss, am Sonntag hier mit einer gutsächsischen Mahlzeit unsere Rüstzeit zu beschließen. In frohem Kreis feierten wir dann noch einen „runden“ Geburtstag einer unserer Teilnehmerinnen. Es war ein schöner Ausklang dieses Tages.

Teil 2

Einer Kirchgemeinde im Nachbarort Ruppersdorf galt unser nächster Besuch. Dort wirkt seit dem Frühjahr Pfarrerin Laudeley, die in Loschwitz Vikarin war. Nach freundlicher Begrüßung besichtigten wir die schöne Dorfkirche, deren Entstehung und  Ausstattung uns von der Pfarrerin sehr engagiert erklärt wurde. Auch mit dem Gemeindeleben in den von ihr betreuten zwei Gemeinden wurden wir bekannt gemacht. Nach einem Rundgang über den sehr gepflegten Friedhof wurden wir zum Kaffeetrinken ins Pfarrhaus eingeladen, wo uns eine geradezu üppige schön gedeckte Tafel erwartete. Wir ließen es uns schmecken und amüsierten uns über Mundartgedichte, die von einem Gemeindeglied vorgetragen wurden. Frohgestimmt fuhren wir zurück nach Herrnhut. Wir gingen noch einmal hinauf zum „Altan“, um den Sonnenuntergang zu genießen. Am Abend erfreuten wir uns an einem Diavortrag, der uns die Schöpfung „im Kleinen“ zeigte.

Am Sonnabend ging es auf eine originelle und unterhaltsame Weise nach Prag.

Pünktlich 7.00 Uhr setzte sich von Zittau aus ein etwas ungewöhnlicher Triebwagenzug in Bewegung, der einer privaten Sächsisch – Böhmischen Eisenbahngesellschaft gehört. Diese hat die Wagen, sogenannte Schienenbusse aus den 60erJahren, bundesweit erworben und liebevoll restauriert. Uns begeisterten besonders die verstellbaren Rückenlehnen. Wer wollte, konnte so stets in Fahrtrichtung sitzen. Die Fahrt ging zunächst auf einer kurvenreichen romantischen Strecke durch Wälder, Felder und Dörfer durch den böhmischen Teil des Lausitzer Berglandes und am Südrand der Böhmischen Schweiz entlang nach Tetschen. Dort überquerten wir die Elbe und brausten an Elbe und Moldau entlang mit Tempo 90 nach Prag, das wir 10.45 Uhr erreichten und das uns mit prachtvollem Sonnenschein empfing.

Wir verabredeten einen Treffpunkt für den Nachmittag und machten uns dann in kleinen Gruppen auf den Weg in die Stadt. Wie schön ist Prag geworden!  Wir bummelten durch die Altstadt, gingen dann auf der Karlsbrücke (großes Gedränge!) hinüber zur Kleinseite. Beim Mittagsaufenthalt genossen wir den Blick auf die Moldau mit ihrem regen Schiffsverkehr.

Krönender Abschluß unseres Prag-Rundganges war der Besuch des  Waldsteingartens: eine Oase mitten in der Großstadt! Wir spazierten durch diese wunderbare Anlage und genossen die Stille. Dann hieß es jedoch Abschied nehmen, denn wir mussten pünktlich zurück sein. Entlang der Moldau, über den Wenzelsplatz führte der Weg zum Bahnhof, wo wir uns wieder alle trafen, um die Heimfahrt anzutreten. Etwas müde, aber sehr glücklich und zufrieden langten wir am späten Abend in Herrnhut an.

Sonntag, unser letzter Tag! Wir packten unsere Koffer und beluden schon die Autos. Nach dem Frühstück gingen wir zur Kirche, um mit den Herrnhutern am Gottesdienst zum Diakoniefest der Brüdergemeine teilzunehmen. Die kirchliche Feier wurde recht gut kirchenmusikalisch umrahmt.

Nach einem kleinen Spaziergang versammelten wir uns noch einmal im Tagungsraum zu einer kleinen Andacht. Dankbar hielten wir Rückschau auf die vergangenen Tage, die uns viel Interessantes und Nachdenkenswertes geboten hatten.

Dann hieß es Abschied nehmen. Wir verabschiedeten uns herzlich vom Heimleiter und versprachen wiederzukommen. Im „Blockhaus“ ließen wir uns dann die sehr gut zubereiteten Rouladen schmecken. Nach einem herzlichen Abschied von „Vater“ Selunka fuhren wir zurück nach Dresden. 

Ursula Kühnert

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Konfirmandenrüstzeit in Berlin vom 19.05. – 23.05.2004
(ein persönlicher Bericht)

Nach dem Eintrudeln der letzten Konfirmanden, letzten hektischen Besorgungen und erneutem Durchzählen der Gruppe vom aufgeregten Pfarrer, rannte unsere kleine Gemeinschaft von 18 Personen gehetzt auf Bahnsteig 5 und stürmte die noch freien Plätze des eben eingefahrenen Zuges. Doch gerade als wir uns häuslich eingerichtet hatten, hieß es auch schon wieder umsteigen. Aber auch im nächsten Zug fanden wir kaum Zeit uns nieder zu lassen, erst im dritten Zug zog Ruhe ein. Und wir dösten zwei Stunden bei Musik oder Kartenspiel vor uns hin.
Ostbahnhof: letzter Aufruf zum Aussteigen. Schon beginnt der Pfarrer seine Schützlinge zu zählen, als er sechs seiner Konfirmanden hinter der getönten Scheibe des Zuges entdeckt, die verzweifelt versuchen, aus dem Waggon zu entkommen. Zu spät hatten die sechs bemerkt, dass der Zug schon am Bahnsteig ihres Zieles gehalten hatte. Und als sie sich dann in die Reihe der Aussteigenden einzuordnen versuchten, verhackten sich Carolines und Klaras Koffer. Das Problem wurde auch nicht durch Juliane verringert, die zwischen den Koffern ihrer Freundinnen stand und ihre Tasche nicht aus dem Konflikt ziehen konnte. Arian, Tillmann und Jakob W. waren keine große Hilfe, stattdessen schoben sie die Mädchen panisch von hinten an. Tatenlos musste der Pfarrer mit ansehen, wie sich die sechs hysterisch versuchten durch den engen Gang des Wagens zu quetschen. Endlich hatten  Caroline und Klara ihr „kleines“ Problem lösen können, und sie hechteten mit ihrer allerletzten Kraft aus dem Zug, welcher nur Augenblicke später seine Ausgänge verschloss. Erleichtert atmete der aufgewühlte Pfarrer auf und lotste die Gruppe anschließend zum S-Bahnhof. Von dort aus gelangte sie zwischenfallslos nach Frohnau, wo sie mit offenen Armen in der Teestube empfangen wurden. Nachdem sich alle in ihren Schlafräumen ausgebreitet hatten, versuchten die zehn Mädchen in einem zugigen Zimmer für ihre Isomatten Platz zu schaffen, wo hingegen die Jungen sich soviel wie möglich Matratzen des Hauses unter den Nagel zu reißen begannen, damit sie es auch kuschelig genug hätten. Um 20 Uhr begann planmäßig das Grillen mit Jugendlichen aus Frohnau. Danach beschäftigte sich jeder auf die von ihm bevorzugte Weise wie Tischfussball, Volleyball, Billard oder Fußball.
Um den Tag ausklingen zu lassen, versammelten wir uns noch inmal und sangen von Lisa mitgebrachte Lieder. Danach fielen alle erschöpft in ihre „Betten“. Die Nacht verlief - zumindest für einige Mädchen, die nur einen leichten Schlaf hatten - mehr oder weniger unangenehm, denn die Unstimmigkeiten, ob das Fenster nun offen oder geschlossen sein sollte, beschäftigten sie die ganze Nacht, da das Fenster offen stand und sie zeitweilig von heftigen Kälteanfällen überfallen wurden.
Wegen eines nächtlichen Handyweckers war der Schlaf der Mädchen sowieso bis zum zeitigen Frühstück um 8.30 Uhr gestört, und so tauchten sie alle mit tiefen Augenringen am Frühstückstisch auf. Nach dem Essen machten wir uns alle gemeinsam auf den Weg, um den Himmelfahrtsgottesdienst auf eine etwas andere Art zu erleben.
Zum Mittag zauberten uns Willi und Edvard Spaghetti mit extra scharfer Soße, für die sich Edvard besonders begeisterte. Als wir unsere Mittagspause mit verschiedenen Aktivitäten verbracht hatten, benutzten wir die Bahn und unsere Füße, um nach Oranienburg zu gelangen und dort das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen zu besichtigen. Wir glaubten viel über Judenverfolgung und Vernichtung zu wissen, aber die Gedenkstätte eröffnete uns ganz neue, erschütternde Bilder.
Zuhause angekommen haben wir zu Abend gegessen und uns danach angeregt über die bedrängenden Eindrücke des vorangegangenen Nachmittags ausgetauscht. Zum Abschluss des Tages schauten wir uns den Film „Die letzte Stufe“ über Dietrich Bonhoeffer an.
Der geplante nächtliche Besuch von den Mädchen bei den Jungen wurde leider durch den auf der Lauer liegenden Pfarrer vereitelt.
Am Freitag verließen wir unsere ruhige Wohngegend und fuhren in das Zentrum Berlins.
Wir spazierten entlang der ehemaligen Mauer, vorbei am früheren Reichsluftfahrtministerium, der Reichskanzlei und dem Gestapogefängnis.

Nach kurzem Anstehen an der Menschenschlange für die Eintrittskarten zum Jüdischen Museum, gestattete uns Herr Selunka, in Dreiergruppen das Museum allein zu erkunden. Erneut sammelten wir traurige Eindrücke. Wir werden nie das Gefühl von beängstigender Stille und lastender Einengung in dem ca. 20 m2 großen und sich endlos in den Himmel erstreckenden Raum vergessen oder das hilflose Empfinden während man über die Eisenmasken lief und glaubte, die Gesichter würden um Hilfe schreien. In dem Garten mit den symmetrisch angeordneten Betonsäulen, über denen sich ein Dach aus Pflanzen ausbreitete, hatte man aufgrund der leichten Neigung des Bodens permanent das Gefühl, das Gleichgewicht zu verlieren.

Unser Mittag- und Abendessen konnten wir uns selber kaufen, jedem wurden insgesamt 8 € zur Verfügung gestellt. Auf mehrfachen Wunsch, das IMAX Kino zu besuchen, kaufte uns Herr Selunka Karten für „Ocean Wonderland“.

Eine etwas einschläfernde (nervige) Schildkröte begleitete uns auf einer Reise durch den Ocean, bei der wir statt mit Taucherbrillen mit 3-D Brillen ausgestattet worden waren.

Und wieder neigte sich ein Tag dem Ende zu. Obwohl wir die Hoffnung auf warmes Wasser längst aufgegeben hatten und selbst unsere Haare unter bewegungslähmend kaltem Wasser wuschen, gewährte uns die Kindergartenleiterin, das Bad der Kleinkinder zu benutzen, wo wir begeistert auf warmes Wasser, kniehohe Waschbecken und winzige Toiletten stießen.

Am nächsten Morgen lachten wir gemeinsam über den nächtlichen Versuch der Jungen, die Mädchen zu besuchen, der jedoch neuerlich scheiterte, denn auch diesmal täuschte Pfarrer Selunka nur Müdigkeit vor. Nach dem Frühstück, Gebeten und Liedern machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof Zoo, um dort für uns unvorstellbaren Abgründen wie Drogen, Rausch und Kriminalität zu begegnen. Vor allen Dingen sprang uns eine Suchanzeige ins Auge, auf der nach einem vorbestraften, grimmig aussehendem Mann gefahndet wurde, welcher aus der Psychiatrie ausgebrochen war und bewaffnet durch Berlin streifte. Mit einem etwas mulmigen Gefühl verließen wir den Bahnhof und liefen die kurze Strecke zur Gedächtniskirche.

Zuerst wirkte der äußere Bau der neuen Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche auf uns abstoßend aufgrund seiner niederdrückenden, groben Bauweise. Doch als wir das Innere der Kirche betraten, waren wir doch über die freundliche Atmosphäre, die uns umfing, überrascht.

Pfarrer Selunka eröffnete uns dann noch einen kurzen Einblick in das hektische Leben der oberen Schichten im KaDeWe.

Danach hatten wir Freizeit, was für die Mädchen übersetzt bedeutete: SHOPPEN!

Paula fand ihre lang erwünschte Tasche unter der Begleitung von Anna –Maria und Ruth.

Luise, Laura und Almut besuchten doch nicht, wie vorerst geplant, den Zoo, sondern beglückten sich stattdessen mit Süßigkeiten. Und Caroline, Dorothee, Juliane und Klara machten alle H&M`s in Berlin unsicher, was schließlich dazu führte, dass sie sich in einem – für Dresdnerische Verhältnisse -riesigen H&M verloren. In ihrer Verzweiflung wussten Juliane und Klara dann keinen Ausweg mehr und ließen Dorothee und Caroline über die „Damenwäschekasse“ ausrufen.

Derweilen hatten sich Willi und Edvard mit wiederaufladbaren Feuerzeugen beschäftigt, Tillmann, Arian, Jakob W. und Jakob H. den Film „Troja“ im Kino besucht und Lisa wurde vom Pfarrer in die verschiedensten Messerarten und Weinsorten eingeweiht.

Am Abend, nach unserer Diskussion, schlugen wir uns die Bäuche beim nahe gelegenen Mexikaner voll und ließen den letzten Tag gemütlich ausklingen.

Der Tag der Abreise war gekommen und wir bedauerten alle das von uns ins Herz geschlossene Frohnau verlassen zu müssen, vor allen Dingen, weil wir als Gruppe zusammen gewachsen waren und uns alle sehr gut verstanden hatten. Wir waren aber dankbar, eine so schöne Fahrt miterlebt zu haben.

Bericht von Caroline B. &  Klara B.

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Ausfahrt für die Helferschaft im Ehrenamt im Juni 2004

Traditionsgemäß trafen wir uns am 17. Juni auf der Fidelio-F.-Finke-Str. und pünktlich 13.00 Uhr starteten wir zur Fahrt ins Blaue.
Der Bus war sehr gut gefüllt. Das Wetter war uns hold. Die Fahrt ging gen „Westen“ durch die Stadt zur Autobahn A4, Richtung Chemnitz. Natürlich wurde schon eifrig spekuliert, wohin es wohl dieses Mal gehen würde. An der Anschlussstelle Hainichen verließen wir die A4  und fuhren über Mittweida (dort gibt es schon lange die angesehene Fachschule – jetzt Fachhochschule – für Elektrotechnik) zum Kaffeetrinken in die Gaststätte „Zur alten Tischlerei“ nach Beerwalde. Kaffee und Kuchen schmeckte allen sehr gut.
Dann ging es weiter, und aufmerksame Reisegäste hatten natürlich die Hinweisschilder „Burg Kriebstein“ gesehen. Die Burg liegt auf einem Felsen über dem Zschopautal. Dort befindet sich die bekannte Talsperre. In der Burg, die wir über einen sehr gut begehbaren Waldweg erreichten, wurden wir schon von einer Aufsichtsdame erwartet, die uns durch die Burg führte und auch etliches über das Schicksal der Burg erzählte. Der letzte Besitzer war aus dem Hause Arnim. Während des Krieges wurden Wertsachen im Umfang von 9,5 lfm in einem Kamin versteckt, der zugemauert wurde. Erst 1986 wurde bei Restaurierungsarbeiten der Schatz wiederentdeckt und ist nun zu besichtigen. Auf gleichem Weg ging es zurück zum Bus. Die Fahrt brachte uns nach Rossau, wo wir unter Leitung von Pfarrer i.R. Müller die schöne alte Dorfkirche besichtigten. Sie gehört zum Kulturerbe und wird von der Stiftung Denkmalpflege unterstützt. Dadurch ist sie in einem sehr guten Zustand. In der Kirche hielt Pfr. Selunka eine kurze Andacht, Pfr.i.R. Müller spielte auf der Orgel, und wir sangen. Das gehört ja unbedingt alles dazu.
Zum Abendbrot fuhren wir anschließend nach Hainichen, dem Geburtsort des Dichters Christian Fürchtegott Gellert, dem in einem Park ein Museum eingerichtet wurde. In diesem Park gibt es auch eine Gaststätte, und in dieser wurde zu Abend gegessen. Erst dort hatten wir etwas Regen. Das tat aber unserer guten Stimmung keinen Abbruch. Auch das Abendbrot war gut.  Gestärkt bestiegen wir den Bus und bedankten uns bei unserem sehr umsichtigen Fahrer entsprechend, der uns auf geradem Weg Richtung Loschwitz fuhr.
Es war erneut eine sehr gelungene Blaufahrt, und alle dankten sehr herzlich Herrn Kühnert und seiner Frau, der in gewohnt akribischer Art alles vorbereitet hatte.

Eva Stute, Juni 2004

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Familien-Rüstzeit im März 2004 auf der Friedensburg in Rathen:
„Wir fassen, wir fassen, wir fassen uns ein Herz ...“‚

"Wir fassen, wir fassen, wir fassen uns ein Herz ..." – das taten am letzten Februarwochenende 36 Menschen und reisten zur Friedensburg in Rathen. Und sie sangen dieses Lied erst ganz leise und dann immer lauter und mutiger zu Beginn des gemeinsamen Abendbrots, mit dem sie ihre Familienrüstzeit eröffneten.
Zum Kennenlernen versuchten sie unter anderem, sich dem Alter nach in einer langen Schlange zu ordnen und das gelang ihnen ganz erstaunlich schnell. Sie stellten dabei fest, dass die jüngste Teilnehmerin, Lia, ein Jahr alt und der Älteste unter ihnen 56 war.
Die Erwachsenen bemerkten dann am späteren Abend, wie ein altes Wollknäuel, das man einander zuwirft, zutage förderte, dass sich hier die unterschiedlichsten Menschen mit den verschiedensten Fähigkeiten zusammengefunden hatten: es gab unter uns ein frisch verheiratetes Paar, eine Großmutter, eine Mutter von erwachsenen Mädchen, frische Trennungserfahrungen, aber auch lang andauernde Liebe, die in Kindern ihren schönsten Ausdruck gefunden hat. Wir arbeiten werktags als Biologin, Restauratorin, Metallurg, Anlageberater, Hausfrau, Kinderkrankenschwester, Softwareberater und in vielen anderen Bereichen. Und wir lieben ganz unterschiedliche Dinge: Kamelien, Wein, Wanderungen, Singen oder z. B. die Katze Momo. Es wurde spät an diesem ersten Abend und wir waren müde, aber auch neugierig auf die Arbeit an unserem Thema: "Kinder brauchen Rituale".
Der Sonnabendmorgen begann mit der Losung und einem Lied, das den Kleinen unter uns aus der Krabbelgruppe gut bekannt ist. Das bringen wir schon mit als Erfahrung zum Thema: Wenn unseren Kindern ein Lied gefällt, dann hören wir nicht nur einmal ein energisches: "Noch mal!"
Rituale sind uns wichtig und die meisten von uns versuchen, mit ihren Kindern z. B. das Kirchenjahr ganz bewusst zu leben. Darüber bestand in unserer Gruppe große Einigkeit. Während die Erwachsenen also eher in den Erfahrungsaustausch über die Formen traten, gestaltete Ingrid Wiemer für die Kinder ein eigenes Programm. Stolz zeigte mir meine kleine Tochter Fabiola zum Mittag den Gebetswürfel, den sie gebastelt hat.
Bei strahlendem Sonnenschein erklommen wir am Nachmittag die Rauensteine. Es war wunderschön zu erleben, wie sich die Kinder vertrauensvoll und selbstverständlich mal diesem, mal jenem Erwachsenen anschlossen bzw. eigene Gruppen bildeten. Und stolz waren wir, als wir es alle, ob zwei Jahre oder älter, geschafft hatten.
Das schönste Ritual des Spieleabends ist ein weltliches: die "Rakete". Man erzählt sich – und auch das gehört wohl zu Ritualen: die Spekulationen und Rätsel um ihre Herkunft - dass dieses Spektakel ein Vermächtnis des Großvaters unseres Pfarrers sei. Wer sie mit Aufsteigen lassen hat, die "Rakete", der wünscht sich bei nächster Gelegenheit auch: "Noch mal!" Fabiola liebt und beherrscht sie schon, das hat sie unlängst beim Mittagessen bewiesen.
Der Sonntagsgottesdienst wurde in einem der Tagungsräume gefeiert. Die ungezwungene, aber hochkonzentrierte Aufmerksamkeit unserer Kinder, die auf dem Fußboden sitzend, die Geschichte der zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus mit Hilfe von Figuren aus Velourspapier ausbreiten, ist ein Fest. Lebendiges Ritual und das Gefühl von großer Dankbarkeit.
Beim Mittagessen unser Lied vom Freitagabend Fortissimo. Die meisten von uns fühlen, dass sie "im Segen" gehen und haben wieder neue Lust, davon abzugeben. Vielleicht gelingt uns das auch: im Besuchsdienst für neue Gemeindeglieder oder einem neuen Hauskreis.

Friederike Schaible, März 2004

 


Fahrradtour in Polen 2003

Also, Polen ist ein Land, wo jeder einmal hinfahren sollte. Wir jedenfalls sind voller guter Erfahrungen von unserer Fahrradtour durch den südlichen Teil unseres Nachbarlandes zurückgekehrt. Aber am besten beginne ich von vorn.
Der Treffpunkt für alle, die mitfahren wollen, ist – wie jedes Jahr – die Loschwitzer Kirche. Ein Gruppenfoto und eine Andacht, bei der wir den Reisesegen von unserem Pfarrer erhalten, sind längst Tradition. Ebenso selbstverständlich ist es, dass wir zum Neustädter Bahnhof mit vollem Gepäck fahren, was diesmal bei Rückenwind und strahlendem Sonnenschein eine wahre Freude war.
Von dort trug uns ein moderner Zug nach Legnica (Liegnitz). Nun wurde es ernst, denn hier schwangen wir uns auf die Räder, neugierig, was uns erwarten würde.
Unsere ersten Etappen führten uns über Orte mit großen Bauerngütern, leider oft renovierungsbedürftig, zu den berühmten Friedenskirchen in Jawor (Jauer) und Swidnica (Schweidnitz). Sie entstammen der Epoche nach dem 30-jährigen Krieg, als die damals großen protestantische Gemeinden dieser schlesischen Gegend den Bau eigener Gotteshäuser anstrebten. Von den Habsburger Herrschern wurde es ihnen nur unter bestimmten Bedingungen gestattet: Nur Holz und Lehm waren als Baustoffe erlaubt, sie mussten mindestens einen Kanonenschuss weit von der Stadtmitte entfernt sein, sie durften nicht wie eine Kirche aussehen und darum auch keinen Glockenturm besitzen. Trotz dieser Einschränkungen entstanden mächtige Kirchen und wer sie nicht gesehen hat, kann sich kein Bild vom Ausmaß dieser riesigen Gotteshäuser machen, die zwischen 6.000 und 7.500 Besucher fassen. Und doch waren sie zu klein, denn es kamen damals weitaus mehr Menschen zu den Gottesdiensten, als die Kirchen Platz bieten konnten, so dass deren mehrere gehalten werden mussten.
Heute sind die evangelischen Gemeinden in Schlesien relativ klein. Trotz ihres großen Engagements sind sie nur Dank der Hilfe u.a. der gesamten evangelischen Kirche in Polen und der der Bundesrepublik in der Lage, die gut durchgeführten Restaurierungsarbeiten zu finanzieren. Die beiden Friedenskirchen in Jawor und Swidnica wurden im Jahr 2001 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.
Schon am zweiten Tag unserer Reise waren wir in der deutsch-polnischen Jugendbegegnungsstätte Krzyzowa (Kreisau) zu einer Führung angemeldet. Hier im ehemaligen und nun gemeinsam von Polen und Deutschland unterhaltenen Landsitz der Familie v.Moltke erlebten wir, wie engagiert die Erinnerung an die Menschen des Widerstandes gegen Hitler wach gehalten wird. Der "Kreisauer Kreis" um Helmuth James Graf von Moltke und Peter Yorck Graf von Wartenberg hatte hier sein geistiges Zentrum und wir sind tief beeindruckt von der Zivilcourage und dem Mut dieser Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten, von denen einige ihr Leben dafür lassen mussten. Ein wohlüberlegter Ort, der geeignet ist, nachhaltig zur Versöhnung, vor allem zwischen unseren beiden Völkern beizutragen.
Der nächste Tag führte uns schon nach Wroclaw (Breslau), wo wir Gäste der evangelischen Gemeinde waren. Wir zelteten auf dem Gelände des Pfarrhauses und genossen es wieder einmal, auf Stühlen sitzend essen zu können. Die Altstadt von Wroclaw ist vor allem im Sommer ein idyllischer Anziehungspunkt für viele Touristen aus aller Welt. Besonders am Abend kann man gar nicht genug von dieser herrlichen Atmosphäre der Straßencafés und kulturellen Einlagen der Straßenkünstler inmitten der geschickt beleuchteten altehrwürdigen Häuser bekommen.
Am sich anschließenden Sonntag feierten wir in der kleinen, vom Krieg nicht zerstörten evangelischen Stadtkirche von Breslau einen Gottesdienst mit der zum Teil noch deutschsprachigen Gemeinde. Pfarrer Hertel aus Bad Kreuznach vertrat Pfarrer Fober aus Wroclaw, da dieser auch in zahlreichen Gemeinden der Umgebung predigt – so beispielsweise in Swidnica (Schweidnitz), Walbrzych (Waldenburg) u.a. Anschließend mussten wir uns beeilen, um den Zug nach Tomaszów Mazowiecki zu erreichen, da wir dort von unserer Partnergemeinde erwartet wurden. Für einige war es ein willkommenes Wiedersehen mit Familie Pawlas und der Gemeinde. Mit schmackhaften Gerichten der polnischen Küche wie Borschtsch und Piroggen wurden wir aufs Herzlichste empfangen. Und damit die kommenden Tage nicht ungenutzt verstreichen würden, hielt Pfarrer Pawlas auch schon einen Plan mit Unternehmungen bereit.
Ab dem folgenden Tag wurden wir von Janek, einem jungen Mann aus der Tomaszower Gemeinde und dessen Freund Radek bis ans Ziel unserer Reise nach Kraków (Krakau) begleitet. Zuerst unternahmen wir – selbstverständlich per Rad – einen Stadtbummel zu allen sehenswerten Orten der Stadt, wie Ostrowski-Villa (benannt nach dem Stadtgründer Graf Ostrowski) und Kosciuszki-Denkmal, aber auch zu einer außergewöhnlichen Bunkeranlage der deutschen Wehrmacht aus dem 2.Weltkrieg vor den Toren der Stadt. Nachmittags besichtigten wir ein Bisongehege und erfrischten uns bei einem Bad in einem nahegelegenen See. Am Abend folgten wir der Einladung der Gemeinde zu einem geselligen Zusammensein, bei dem es bei köstlichen Grillspezialitäten viel zu erzählen gab. Frau Pawlas kam kaum zum Essen, weil wir so viel über das Land und dessen Geschichte wissen wollten und sie uns keine Antwort schuldig blieb.
Der nächste Tag führte uns per Zug nach Lódz (Lodsch). Wieder war es Frau Pawlas, die uns führte, alles erklären konnte und ständig um unser Wohl besorgt war. Lódz ist eine Stadt der Textilindustrie und des Films, was dem Besucher auf Schritt und Tritt gewahr wird. Man spürt, wie hier alles getan wird, um die Attraktivität dieser Stadt zu erhöhen. Es werden Fassaden saniert, Museen ausgebaut, Straßencafés sprießen aus dem Boden und der Straßenverkehr im Zentrum wird konsequent beruhigt. Florierende Textilfabriken prägten einst das Treiben in der Stadt und Leute wie der Übersetzer und Schriftsteller Karl Dedecius oder der Pianist Artur Rubinstein verbrachten hier ihre Jugend. Doch auch in Lódz erfahren wir, wie schrecklich das Hitlerregime den hier lebenden Menschen zusetzte.
Am Tag darauf hieß es schon wieder Abschied nehmen. Wir trafen uns zu einer Andacht in deutsch-polnischer Sprache mit einem Teil der Gemeinde in der großen Kirche. Pfarrer Selunka nutzte die Gelegenheit, die für die Tomaszower Gemeinde bestimmte Kollekte der Loschwitzer Gemeinde zu übergeben. Nach ein paar gemeinsamen Fotos vor der Kirche radelten wir direkt zum Bahnhof. Von hier fuhren wir mit dem Zug nach Czestochowa (Tschenstochau).
Und wenn man einmal in Czestochowa ist, sollte man nicht versäumen, den Jasna-Góra-Hügel aufzusuchen, denn dort findet man die berühmteste Wallfahrtskirche Polens. Ihre Ikone, die "Schwarze Madonna" zieht Gläubige, unzählige Pilger aus aller Welt, vor allem aber aus ganz Polen an.
Als wir unsere Tour fortsetzten, mussten wir neben einer belebten Ausfallstraße ein ganzes Stück auf schlechtem Weg fahren. Doch war das die Ausnahme, denn unsere Navigatoren Pfarrer Selunka und Matthias Kotzsch wählten sonst sehr schöne Strecken für uns aus, meist auf den immer gut asphaltierten Nebenstraßen.
Wir folgten nun der so genannten "Adlerhorstroute", einer Strecke in einer Gegend mit stark zerklüfteten Kalksteinfelsen. Die zahlreiche Burgen auf den Felsen schauen wie Adlerhorste ins Land und gaben der Route ihren Namen. Unterwegs nutzten wir oft die Gelegenheit, an den vielen, immer geöffneten Lebensmittelläden anzuhalten, um unsere Trinkwasservorräte aufzufüllen. Die Anstrengung des heißen Tages wurde mit dem sehr gepflegten Zeltplatz in Podlesice belohnt. Er bekam in unserer Wertung einstimmig fünf Sterne. Hier wurden auch gleich von unseren Spitzenköchen wieder leckere Dinge gezaubert. Danach saßen wir bei Kerzenschein noch lange beisammen und erfreuten uns am Wohlklang unserer mehrstimmigen Taizé-Gesänge.
Am nächsten Tag folgten wir weiterhin der "Adlerhorstroute" durch eine wunderschöne Landschaft. In Pilica gönnten wir uns eine Rast mitten auf dem Marktplatz. Dort gab es herrliches Backwerk. Zu empfehlen sind puddinggefüllte Küchelchen oder Charlotka, ein köstlicher Apfelkuchen.
Nachdem wir einer sehr schönen Burganlage (Pieskowa Skala) einen Besuch abgestattet hatten, kampierten wir am Abend auf einem kleinen Zeltplatz inmitten des Ojcowski-Nationalparkes.
Der folgende Tag war der erste, an dem mal nicht die Sonne schien. Es hatte nachts geregnet und auch am Tage kam immer einmal wieder die Nässe von oben. Es war der 15. August und Mariä Himmelfahrt – also ein Feiertag in Polen. Wir kamen an einer Dorfkirche vorbei, vor der sich alle Dorfbewohner, teils in ihrer farbenprächtigen Tracht, geschmückt mit Ähren, versammelt hatten und auf den Einzug in die Kirche bei traditionellem Gesang warteten. Nach einem stärkenden Mittagessen – der Regen hatte aufgehört – fuhren wir zu einer Fähre, die uns über die Weichsel inmitten ihrer immer wieder reizvollen Flusslandschaft trug. Überall wo wir nach dem Weg fragten, bekamen wir bereitwillig Auskunft, so auch hier von einer Familie aus dem nicht weit entfernten Kraków (Krakau). Aber Kraków war an diesem Tag noch nicht unser Ziel. Wir wollten zuvor noch einen Abstecher ins Teschener Land unternehmen. Es liegt im Gebiet nahe der Grenze zu Tschechien, besser gesagt Mähren. Auf dem Weg dorthin erreichten wir zunächst Oswiecim (Auschwitz). Wir übernachteten im dortigen internationalen Jugendbegegnungszentrum. Zu diesem sehr angenehm gestalteten, großzügigen Komplex aus hotelähnlicher Herberge und Kulturzentrum gehören auch Räume zur Begegnung und Bewirtung. Er wurde in den Jahren 1986 und 1998 mit Hilfe der Stadt Oswiecim und zahlreicher anderer Städte sowie staatlicher, privater und kirchlicher Organisationen aus der Bundesrepublik Deutschland errichtet. Für den kommenden Tag war der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz geplant. Wenngleich jeder schon viel von der Geschichte Auschwitz’ gehört hatte, hinterließ die unmittelbare persönliche Konfrontation der Anlage in ihrer authentischen Größe einen nicht zu beschreibenden Eindruck der Hilflosigkeit und Abscheu vor dem, was zu dieser Zeit und besonders an diesem Ort an Menschenverachtung und Grausamkeit herrschte. Es ist unbegreiflich, wozu Menschen in der Lage sind. Mir drängte sich immer wieder die Frage auf, welche, vor allem geistige Entwicklung "Menschen" durchlebt haben müssen, um derartiges zu begehen. Die Steigerung dieser Verbrechen ist an den stummen Überresten des Vernichtungslagers Auschwitz II-Birkenau zu erahnen. Auf einer Gedenktafel stand dort "Wer glaubt, die Erinnerung an die Geschichte nicht zu brauchen, muss die Geschichte neu durchleben."
Noch tief bewegt, setzten wir unsere Fahrt Richtung Südwesten fort. Wir durchquerten zuerst ein, zwei größere Orte mit Bergbauindustrie, erreichten dann aber eine liebliche Vorgebirgslandschaft. Das Panorama von dort auf die steilen Hänge der Beskiden ließ das Profil des kommenden Abschnittes unserer Tour erahnen. Aber noch säumten Felder und Teichlandschaften unseren Weg.
Unser Ziel war an diesem Tag eine evangelische Gemeinde bei Skoczów. Bielsko-Biala ließen wir östlich liegen und fuhren weitestgehend wieder auf schönen Nebenstraßen. Franziska Schmiedel hatte Geburtstag, so dass wir uns nachmittags ein Geburtstags-Eisessen gönnten. Von der Besitzerin des kleinen Lebensmittelgeschäftes bekamen wir angeboten, in ihrem Garten zu rasten und außerdem schenkte sie uns noch eine Kiste Äpfel und zwei Brote. Erlebt man so etwas als Autotourist "
Die Gemeinde Bladnice liegt am entgegengesetzten Ende von Skoczów. Dort wurden wir schon erwartet und die Pfarrersfamilie und einige Gemeindeglieder begrüßten uns sehr herzlich. Sogleich wurden wir zu einer reich gedeckten Abendbrottafel gebeten. Es gab vorzüglich zubereiteten Bigos. Wir aßen im Gemeinderaum der erst 1999 fertiggestellten hellen modernen Kirche. Der Pfarrer Adrian Kortschagow hatte alles bestens vorbereitet. Wir wurden auf verschiedene Familien der Gemeinde aufgeteilt. Zum Gottesdienst am nächsten Morgen führten wir drei einstudierte Taizé-Gesänge auf. Unser Pfarrer sprach ein Grußwort an die Gemeinde, die zahlreich erschienen war. Nach dem Gottesdienst wartete ein Bus auf uns und wir bekamen fast das ganze Teschener Land gezeigt. Bis nach Ustron und nach Cieszyn fuhren wir. Hier im Teschener Land gibt es ebenso viele Protestanten wie Katholiken – eine Besonderheit für Polen. Eine kleiner Ausflug mit den Fahrrädern in Begleitung der Gemeindejugend zeigte uns, wie schön dieses Stückchen Erde ist – sicherlich geeignet, hier mal Urlaub zu machen. Noch viel wäre über diese Gegend zu erzählen. Zuletzt luden wir die Bladnicer zu einem Gegenbesuch bei uns in Dresden ein.
Da die Landschaft am folgenden Tag nun immer bergiger wurde, bekamen wir unser Gepäck bis zum nächsten größeren Ort – Zywiec – per Lieferwagen transportiert, veranlaßt von Pfarrer Kortschagow . Von dort fuhren wir in Richtung Osten unserem Tagesziel entgegen. Es war das Kloster Kalwaria Zebrzydowska. Da wir die belebten Fernverkehrsstraßen meiden wollten, wählten wir eine sehr romantische Strecke. Von dort boten sich uns häufig wunderschöne Aussichten auf die Beskiden. Doch die Straße war teilweise sehr steil, so dass viele von uns ihr Fahrrad lieber schoben. Unser Ziel, das riesige Kloster ist ganz auf Touristen bzw. Pilger eingerichtet. Die Atmosphäre, besonders am Abend, ist hier sehr angenehm. In dem modernen Speisesaal bekamen wir reichlich zu essen und zu trinken. Es ist alles vorbildlich restauriert und in der großen Klosterkirche predigte schon mehrmals Papst Joh.Paul II. dessen Geburtsort Wadowice sich ganz in der Nähe des Klosters befindet. In der näheren Umgebung des Klosters, vor allem auf dem sich anschließenden Klosterberg, der der Landschaft von Jerusalem ähnlich sein soll, stehen 44 Kapellen, die von den Pilgern besucht werden können. Einmal im Jahr zur Passionsfeier der Karwoche findet hier eine große Prozession statt, bei der Szenen des Leidensweges Christi gespielt und abgehalten werden.
Am Abend des nächsten Tages wollten wir in Kraków sein. Der Tag brachte wieder schönes Wetter und da wir das Gebirge verließen, hatten wir mehr Abfahrten als Anstiege. Schon bald erreichten wir die Weichsel, gönnten uns eine Mittagsrast an einem idyllischen Uferflecken unterhalb der Benediktiner-Abtei Tyniec und rollten dann, obendrein mit Rückenwind, entlang dem schönen Weichselufer in Kraków ein. Der Wawel war schon von weitem zu sehen. Auf dem Markt begegnete uns ein amerikanisches Ehepaar, das schon seit sechs Jahren mit dem Fahrrad in Europa unterwegs ist. Im Augustinerkloster im Stadtteil Kazimierz empfing uns der freundliche Pater Dawidowski.
Kraków bei Nacht, wie wir es erleben durften, hat etwas wunderbares an sich und auch am nächsten Tag waren wir alle sehr angetan von der schönen Stadt. Familie Pawlas war extra unserethalben hierher nach Kraków gekommen. Frau Pawlas ließ es sich nicht nehmen, uns durch die Stadt ihrer Studienzeit zu führen. Der Wawel, das Judenviertel Kazimierz, die alte Jagellonen-Universität, die Marienkirche mit dem Veit-Stoß-Altar und die Innenstadt mit Tuchmacherhallen und Rathausturm waren die Eckpunkte unseres leider nur eintägigen Aufenthaltes. Der Abschied fiel uns nicht leicht, war es doch ein dreifacher: Erstens von der Familie Pawlas – wir hoffen, dass die Tomaszower unserer Gegeneinladung bald folgen, zweitens von Kraków, einer Stadt, die man unbedingt noch einmal besuchen muss, und drittens von Polen – weil Kraków unsere letzte Etappe war. In einer gemütlichen polnischen Bauernstube ließen wir beim Abendbrot noch einmal die Reise Revue passieren und stellten alle fest, dass wir eine gelungene und glückliche Zeit zusammen verbringen durften. Zur Rückfahrt am nächsten Tag waren wir nur noch Zehn. Janek und Radek fuhren wieder nach Tomaszów Mazowiecki und Dorothea und Reinhardt wollten noch nach Gdansk (Danzig) weiterfahren. Unsere Heimreise führte uns über Cottbus nach Dresden zurück Vom Neustädter Bahnhof aus ging es dann die letzten Meter per Rad nach Hause.

Matthias Schneider, August 2003

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Besuch bei unserer Partnergemeinde in Tomaszów-Maz. / Polen

Anlässlich der Jubelkonfirmation meines Freundes Waldemar Schultz besuchte ich mit diesem zusammen die evangelisch-augsburgische Kirchgemeinde in Tomaszów-Maz. in Polen. Den Gottesdienst hielt der Diakon (und ausgebildete Theologe) Arnold Parot. Von den über 30 Konfirmanden 1953 waren nur 2 anwesend – die anderen sind über ganz Europa verteilt und haben den Termin wohl gar nicht erfahren.
Am nächsten Tage fand mittags unter der Leitung von Pastor Roman Pawlas ein Ökumenischer Gottesdienst mit dem Orthodoxen Patriarchen von ganz Polen und dem Bischof J. E. Anastasios von Tirana/Albanien sowie den katholischen Pfarrern von Tomaszów in der evangelischen Kirche statt. Es war ein bewegender Gottesdienst, auch wenn ich wegen meiner schlechten Kenntnisse der polnischen Sprache wenig verstand. Das Kirchenschiff war übrigens zu 3/4 gefüllt. Der Bischof von Tirana erhielt am Sonntag den Orden "ECCE HOMO", der seit 1998 von einem polnischen Komitee, das auf dem Königsschloss Wawel in Krakau tagt, verliehen wird an Menschen, die trotz aller Schwierigkeiten anderen geholfen und dadurch ein Zeichen selbstloser Nächstenliebe gesetzt haben. Jährlich wurden bis jetzt 4-6 Personen mit dieser ehrenvollen Auszeichnung gewürdigt, so z.B. der evangelische Pfarrer Edgar Schön (Saarbrücken) für karitative Hilfe und der evang. Pfarrer Jürgen Köhler (Gedenkstätte KZ HH-Neuengamme). Bischof Anastasion (ein Grieche) bemüht sich um den Aufbau kirchlichen Lebens in Albanien, weil dort in der Vergangenheit das kirchliche Leben völlig ausgelöscht war!
Die Tomaschower evangelische Gemeinde hat erneut Schwierigkeiten mit ihrem Kirchengebäude: im Dachstuhl ist ein tragender Ecksparren völlig abgefault und muss ersetzt werden. Das ist nur von innen möglich, da das Stellen eines Gerüstes von außen nicht bezahlbar ist. Der Sparrens wird in eigener Leistung ersetzt, das lange gelagerte Eichenholz dafür liegt schon bereit. Weiter sollen die Innenmal-arbeiten in der Kirche bei laufender Nutzung durchgeführt werden - der Kirchenrat hat dazu im Januar einen Spendenaufruf gestartet, der auch bei uns in der Kanzlei ausliegt, in dem es heißt:
"Wir möchten ... den ganzen Innenraum der Kirche aufs neue anstreichen und wollen dazu schon nachgeprüftes deutsches Anstrichmaterial für feuchte Mauern anwenden. Die Kosten von geplanten Arbeiten sind aber groß. Der Kirchenrat der evangelischen Gemeinde bittet um Geldspenden für diesen Zweck."
Wir wissen selbst, wie viel der Innenanstrich für unsere Kirche kosten wird und welchen Aufwand wir dafür betreiben müssen. Ich bitte daher hier für die Tomaszower Gemeinde um Mithilfe, auch wenn aus technischen Gründen die Malerarbeiten - so wie auch bei uns - wahrscheinlich erst im nächsten Jahr ausführen werden können.
Daneben ist es mir in Tomaszów gelungen, auf dem Friedhof die noch vorhandenen Gräber der ehemaligen evangelischen Bewohner aufzunehmen. Die zeichnerische Aufnahme steht für einen nächsten Besuch steht noch bevor, denn in der Gemeinde-Verwaltung sind dazu keinerlei Unterlagen vorhanden. Sie sind wahrscheinlich nach dem Kriege vernichtet worden und neue nicht angefertigt. Da auch die Kirchen-bücher als Kriegsverlust angesehen werden müssen, sind der Angaben auf den Gräbern für die Familienforschung außerordentlich wichtig und eine Quelle für die Erforschung der Kirchgemeindechronik, die in den nächsten Jahren geschrieben werden soll.
Wir konnten viele gute Gespräche mit Gemeindegliedern führen, die zu einer Aufarbeitung vergangener schwerer Zeiten für Deutsche und Polen beitragen. Wir wollen in diesem Zusammenhange hoffen, dass es uns gelingt, gemeinsam die angeführte Chronik zu schreiben.

Stefan Balzer, Juli 2003


Reise nach München – Besuch unserer Partnergemeinden Trudering und Obermenzing vom 30.10. bis 2.11.2003

Am Donnerstag, dem 30.10.03, versammelten sich 25 Gemeindemitglieder an der Loschwitzer Schule zu einer Besuchsreise der beiden Partnergemeinden in München. Nachdem unser Gepäck und auch noch ein Fass Schwarzbier aus der Oberlausitz verladen war, fuhr der Reisebus gegen 9.30 Uhr ab. Auf dem Weg zur TU Dresden, wo Klaus Beyer zustieg (in München kam noch Walter Siegemund zur Gruppe), gab der Busfahrer eine ausführliche Sicherheitsbelehrung. Wir rasteten dreimal, zuerst im Vogtland bei Pirk, dann besuchten wir die Autobahnkirche Himmelskron in Franken und schließlich hielten wir noch mal im Köschinger Forst bei Ingolstadt. Dort signalisierten wir den Gastgebern in Trudering unsere bevorstehende Ankunft in München. Gegen 16.30 Uhr trafen wir an der Friedenskirche in Trudering ein und wurden dort von den Truderinger Gastgebern herzlich empfangen. Ein Drittel der Reisegruppe wohnte in Trudering. Die anderen fuhren vom Münchner Osten in den Westen nach Obermenzing weiter. Den Abend verbrachten alle bei ihren Gastgebern.

Am Reformationstag boten die Truderinger und die Obermenzinger ein getrenntes Tagesprogramm an, mit der Möglichkeit, dass jeder frei auswählen konnte. Wegen der großen Entfernung blieb aber jeder bei seiner Ortsgruppe.
9.30 Uhr starteten die Truderinger mit Privatautos zu einer Fahrt ins Tölzer Land. Zuerst besichtigten wir die Kirche in Wyarn (an der Autobahn nach Salzburg), eine ehemalige Klosterkirche mit vielen Gemälden aus dem Leben des Heiligen Augustinus. Wir lauschten alle der ergötzlichen Rede des Ortspfarrers. Er verglich die Wirkung langer und kurzer Predigten mit einem belebenden Landregen und einem schnell abfließenden Platzregen. Wir hätten ihm noch länger zuhören können.
Dann ging es weiter nach Irschenberg. Wir hatten durch die Föhnwetterlage einen phantastischen Blick auf die Alpen, von der Zugspitze bis zum Salzburger Land; direkt vor uns, zum Greifen nah, lag der Wendelstein. Wir wanderten 2 Stunden und besichtigten dabei auch die Wallfahrtskirche St. Marinus und die Eremitenkapelle des Heiligen Asam. Beide hatten in Bayern missioniert. Der irische Bischof Marinus wurde an diesem Ort von Slawen ermordet und der Mönch Asam starb zur gleichen Stunde, 15 Minuten entfernt vom Ort des Verbrechens. Bei unserer Rückkehr zu den Autos erwartete uns eine üppige Brotzeit, die unsere Gastgeber vorbereitet hatten. Aus dem Auto wurden Semmeln mit Leberkäs und richtigem Käse, Kuchen, Kaffee, Tee und Bier gereicht. Wie in alten Zeiten sangen wir nach dem köstlichen Mahl gemeinsam vielstimmige Kanons und hatten großen Spaß miteinander. Doch die Zeit drängte. Wir wollten noch nach München in die Pinakothek der Moderne. Unsere Gastgeber setzten uns an der U-Bahn ab, die uns in die Stadt brachte.
Wir besichtigten individuell, 2 Stunden lang, das Museum, wobei der Museumsbau den größten Eindruck auf uns machte. Viele der modernen Bilder und Plastiken des 20. Jahrhunderts waren für uns erklärungsbedürftig. Interessant fanden wir auch die Design- Ausstellung.
Danach ging es zurück nach Trudering zum Reformationsgottesdienst, um 19.00 Uhr, in der Friedenskirche. Der Gottesdienst war im katholischen Bayern zu dieser Stunde sehr gut besucht. Es erklang im Gottesdienst festliche Musik mit Trompete und Orgel. Die Predigt hielt Pfarrer Rohrbach. Während des Abendmahls wurde "Ein feste Burg..." gesungen.
Nach dem Gottesdienst erlebten wir alle zusammen mit unseren Truderinger Gastgebern einen fröhlichen Abend in Brachem’s Keller. Der Tisch war reichlich gedeckt. Wir sangen zusammen, und die Stimmung wurde immer ausgelassener. Zum Abschluss, weit nach Mitternacht, wurde noch in der Garage getanzt.

Am Sonnabend, dem 01.11.03, waren wir bei Zeiten wieder fit, und unsere Truderinger Gastgeber setzen uns früh an der S-Bahn ab. Wir fuhren nach Pasing, wo der Bus mit den Obermenzingern schon auf uns wartete. Gemeinsam mit einem Teil der Obermenzinger Gastgeber brachte uns der Bus nach Augsburg, dem Ort der Reformation, reicher Kaufleute, entscheidender Reichstage und ökumenischer Erklärungen.
Zuerst besichtigten wir die Evangelische St-Anna-Kirche, welche während der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges im Brennpunkt der Ereignisse stand. Sind doch mit diesem ehemaligen Kloster folgende Ereignisse verbunden: 1518 verteidigte Luther in Augsburg vor dem päpstlichen Legaten Cajetan seine Thesen; 1524 wurde St. Anna eine Hochburg des Luthertums; 1530 verlas Melanchthon auf dem Reichstag in Augsburg vor dem Kaiser das grundlegende evangelische Bekenntnis, die sogenannte "Augsburger Konfession"; 1548 nach dem Schmalkaldischen Krieg erließ der Kaiser auf dem Geharnischten Reichstag zu Augsburg eine Interimsordnung, als deren Folge die evangelischen Pfarrer aus der Stadt verwiesen wurden; der Augsburger Religionsfrieden 1555 führte zur reichsrechtlichen Gleichstellung des katholischen und des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses; während des Dreißigjährigen Krieges erließ der Kaiser 1629 für die Reichsstadt Augsburg das Restitutionsedikt, welches die zwangsweise Rückgabe von Kirchengut an die Katholische Kirche verfügte; durch den Einzug des Schwedenkönigs Gustav Adolfs in Augsburg 1632 erfolgte ein kurzzeitiger Umschwung; 1635 wurde Augsburg zum Leonberger Akkord gezwungen, der die Evangelischen aller Kirchen beraubte; mit dem Friedensschluss von Münster 1648 wurde für Augsburg die völlige Parität zwischen den Konfessionen in allen Dingen wieder hergestellt; Im Gedenken daran wird seit 1650 jährlich in der St.-Anna-Kirche das Augsburger "Hohe Friedensfest" begangen.
Von St.Anna bummelten wir zum Renaissance-Rathaus, wo uns der nach der Zerstörung im II. Weltkrieg wieder hergestellte Goldene Saal mit seinen prachtvollen Kassettendecken und Wandmalereien sehr beeindruckte.
Danach gingen wir zur Fuggerei, der ältesten Sozialsiedlung der Welt, die Jakob Fugger 1516 für fleißige, schuldlos verarmte Bürger gründete. Die meisten von uns besuchten noch den 1.000 jährigen, romanisch-gotischen Marien-Dom.
Dann fuhren wir mit dem Bus weiter zum Starnberger See. Dort besuchten wir in Bernried das Buchheim-Museum. Lothar-Günther Buchheim (geb. 1918) ist Maler, Verleger, Kunstbuch- und Romanautor ("Das Boot"), Fotograf, Sammler und Museumsgründer. In dem von G. Behnisch gebauten Museum wurden neben eigenen künstlerischen Arbeiten und bayrischer und afrikanischer Volkskunst die umfangreichste Sammlung der Künstlergruppe "Die Brücke" (1905 – 1913) ausgestellt. Dort waren mehr expressionistische Meisterwerke zu sehen, als in der Pinakothek der Moderne in München, und dazu von Buchheim großartig erklärt. Ein Höhepunkt war auch die Abendstimmung auf der Seebrücke des Museums. Letzte Sonnenstrahlen beleuchteten das gegenüberliegende Seeufer und die Alpenspitzen.
Nach München zurückgekehrt, folgte der eigentliche Höhepunkt des Tages, das gemeinsame Abendessen mit den Obermenzingern im Gemeindesaal Trudering. Alles war bestens von unseren Truderinger Gastgebern vorbereitet. Mit größten Schwierigkeiten wurde auch das mitgebrachte Fass Schwarzbier angezapft. Wenn Alfons Brachem nicht gewesen wäre, hätten wir das Fass voll wieder mit zurück genommen.
Es wurde in Erinnerungen geschwelgt. Die Truderinger zeigten Lichtbilder von den Anfängen unserer Beziehungen 1988 und 1989. Mein Gott, wie jung wir alle waren! Gemeinsam sangen wir anschließend ein Erinnerungslied mit 12 Strophen von Gudrun Wenzel. Alfons Brachem begrüßte noch einmal alle Gäste und trug die bayrische Version von Sodom und Gomorra vor. Peter Fücker und Hans-Georg Irmscher erwiderten mit klassischen Balladen auf Sächsisch von Lene Voigt. Walter Zieglmeier zitierte Karl Valentin. Die Männer unserer Reisegruppe sangen vierstimmig einen Dankeshymnus an die Münchner von Peter Fücker. 1989 hatte Peter Fücker einen Kanon gedichtet:

Was müssen das für Träume sein, dass die Kirche
in Loschwitz wieder aufersteht. Hoffnung, Leute, betet!
Und jetzt sangen wir zu den Münchnern:
Staunt, wie die Zeit vergeht! Lang schon die Kirche steht,
Kleinod im Land!
Wenn wir vorüber gehen und zu ihr aufwärts sehn,
kommt die Erinnerung, danken wir Euch.

Weil unser Busfahrer seine vorgeschriebene Nachtruhe brauchte, mussten wir uns viel zu früh von den Obermenzingern verabschieden. Wir Truderinger saßen danach noch beisammen und sangen weiter unsere Lieder, bis zum gemeinsamen Aufräumen.
Am Sonntag, dem 02.11.03, brachte uns ein Teil der Truderinger Gastgeber zum gemeinsamen Gottesdienst in die Carolinenkirche Obermenzing. Die Predigt hielt der Prädikant und Volksmissionar Müller. Im Gottesdienst wirkten Pfarrer Wagner und Pfarrer Selunka mit. Es wurde noch einmal "Ein feste Burg ..." gesungen. Allerdings mochte die ältere Choralfassung nicht jeder singen.
Ein gemeinsames Mittagessen mit Goldbroiler und Kartoffelsalat im Gemeinderaum der Kirche bildete den Abschluss unseres München-Besuches. Die Obermenzinger, Truderinger und Loschwitzer sangen noch einmal zusammen ein Quodlibet von und mit Peter Fücker. Pfarrer Selunka dankte den Obermenzingern und Truderingern und lud alle zur 300 Jahr-Feier der Loschwitzer Gemeinde in einem Jahr nach Dresden ein. Es folgte eine herzliche Verabschiedung mit Gruppenfoto vor der Carolinenkirche.
Um 13.00 Uhr fuhr der Bus ab. Obwohl das sonnige Wetter zu einer Fahrt in die Alpen einlud, fuhren wir auf direktem Wege nach Dresden, angefüllt mit vielen Eindrücken und dem schönen Gefühl, wieder einander näher gekommen zu sein. Um 19.00 Uhr kamen wir in Dresden an. Wir alle sind der Meinung, dass wir öfter als Gemeinde verreisen sollten.

Paul-Gerhard Weber

Teil II

Durch den Wiederaufbau unserer Loschwitzer Kirche sind wir mit den Gemeinden München Trudering und München Obermenzig sehr verbunden. Zahlreiche Besuchreisen gingen her und –seit 1989 – auch hin. Vor einem Jahr, zur Altarweihe, konnten wir auch Gäste aus München begrüßen.
Nun war es an der Zeit, dass sich Loschwitzer zu einem Gegenbesuch aufmachten. Für den 30. Oktober 2003 hatte Pfarrer Selunka einen Bus mit Fahrer gechartert und startete mit 26 Gemeindegliedern nach München. Fast ohne Stau, aber mit den vorgeschriebenen Pausen und dem Besuch der Autobahnkirche Himmelkron erreichten wir München-Trudering. Einige von uns waren Gäste in dieser Gemeinde und wurden von den Gastgebern mit fröhlicher Herzlichkeit empfangen. Quer durch München fahrend zur "rush hour" kamen wir Übrigen beim 6-Uhr-Läuten vor der Carolinenkirche in Obermenzing an. Auch hier warteten die Gastgeber mit Pfarrer Wagner auf uns. Wir wurden herzlich begrüßt und durften erst einmal den Reise-Durst stillen und erhielten gelbe Carolinen-Gemeinde-Informationsbeutel, um uns in München gut orientieren zu können. Den Abend verbrachten wir bei den jeweiligen Quartiereltern, mit denen manche von uns schon lange verbunden waren. Einige lernten ihre Gastgeber erst an diesem Abend kennen. Es gab überall gute Gespräche und herzliche Aufnahme.
Der Reformationstag ist in Bayern kein Feiertag, aber in allen evangelischen Kirchen werden Gottesdienste gehalten. Wir jedoch fuhren mit dem Bus in die Innenstadt. Dort erwartete uns eine Museumsführerin, dir uns durch die Räume der Residenz (erbaut zwischen 1569 und 1842) geleitete. Die Pracht der Räume, ihre Ausstattung, ihre Schätze und der gelungene Wiederaufbau nach verheerender Kriegszerstörung haben uns sehr beeindruckt. Am Nachmittag übernahm Pfr. Wagner die Führung, stellte uns den neuesten Teil der Residenz vor, ging mit uns in die Theatinerkirche und in die Gruft der Wittelsbacher.
Danach war der Besuch der Pinakothek der Moderne ( 2002 eröffnet) vorgesehen. In diesem modernen Bau erwarteten uns hervorragend gestaltete Ausstellungsräume mit den Werken des 20. Jahrhunderts. Die Menge der expressionistischen Gemälde überraschte und erfreute uns.
Schon war es dunkel geworden. Wir durchquerten das Stadtzentrum, lugten in diese oder jene elegante Auslage, waren mitten in Münchens geschäftigem, quirligen Einkaufszentrum. Ein Abendessen hatten wir nötig. Wir entdeckten im Ratskeller für uns einen gemütlichen runden Tisch.
Danach gingen wir in die Matthäuskirche zum Abendgottesdienst. Wir fanden uns in einem sehr großen, modernen Kirchenraum mit vielen Christen zusammen unter dem Thema: Evangelisch 2003 – worauf es immer noch ankommt". Im Gottesdienst hörten wir Mendelssohn-Bartholdys sehr schöne Reformationssymphonie. Damit beschlossen wir dankbaren Herzen diesen Tag.

Am Morgen des 1. November fuhren die Frühaufsteher mit Pfr. Wagner zur katholischen Herz-Jesu-Kirche in München-Neuhausen. Unter seiner sachkundigen theologischen Führung erschloss sich uns der moderne Bau auf wunderbare Weise. Türen, Raumeinteilung, Altarwand, Fußboden sind voll von Symbolik und biblischen Bezügen. Jeder Besucher erspürt ein wohldurchdachtes theologisches Konzept.
Später trafen wir mit denen zusammen, die in Trudering übernachteten. Sie hatten am Vortag ein eigenes Programm, wanderten in den Voralpen und genossen herrliche Ausblicke auf die Alpenkette.
Gemeinsam, auch mit unseren Gastgebern aus Obermenzing, fuhren wir mit unserem Bus nach Augsburg. Durch die altehrwürdige Stadt führte uns Pfr. Wagner. Wir besuchten die St.Anna-Kirche (früheres Karmeliterkloster von 1321). Dieser Ort mit einer Lutherstube und einer Lutherstiege erinnert daran, dass Martin Luther hier 1518 seine Thesen verteidigte. 1530 verlas Melanchthon auf dem Reichstag zu Augsburg das grundlegende evangelische Bekenntnis, die "Confessio Augustana" (Augsburger Konfession). 1555 führte der Augsburger Religionsfrieden zur reichsrechtlichen Gleichstellung der katholischen und evangelischen Bekenntnisse. Augsburg ist mit einem bedeutenden Rathaus geschmückt (1615 erbaut, 1944 zerstört). Beeindruckt hat uns darin der ungeheuer große "Goldene Saal", der wunderbar wieder hergestellt wurde.
Weiter gings zur Fuggerei, ein kleiner Teil der Stadt, in dem Jakob Fugger 1516 die älteste Sozialsiedlung der Welt gegründet hatte für "Fleißige, schuldlos verarmte Bürger der Stadt" mit einer Jahresmiete von einem Rheinischen Gulden.
Diese gut erhaltenen und gepflegte Anlage ist heute noch für Familien mit geringem Einkommen vorgesehen.
Wer nicht all zu hungrig war, besuchte noch den Dom, der romanischen Ursprungs ist (Krypta, Glasfenster aus dem 12. Jahrhundert).
Bald verließen wir Augsburg in Richtung Starnberger See. Hier übernahm Frau Frey die Führung. Unterwegs sahen wir bei aufklarendem Wetter die Alpen mit schneebedeckten Gipfeln – große Freude bei uns!
Wir erreichten Bernried und gingen in das neue Buchheim-Museum am See. Es ist in einem modernen, zweckmäßigem Bau vom Architekten Behnisch (St.Benno-Gymnasium in Dresden) eingerichtet und beinhaltet die umfangreiche Kunstsammlung von Lothar-Günther Buchheim (geb. 1918). Wieder sahen wir eine große Zahl von expressionistischen Bildern, Grafik, weitere Kunstwerke des 20. Jahrhunderts u. a. Exponate.
Am schönsten war aber der Sonnenuntergang am See, vom Museum aus genossen.
Es ging zurück nach München. Wir alle waren Gäste der Truderinger Gemeinde in ihrem schönen Gemeindesaal. Mit Gesang wurden wir empfangen und herzlich begrüßt. Viele fleißige Helfer hatten die Tische herbstlich geschmückt und ein üppiges Büffet aufgebaut mit köstlichen Speisen. Bei munteren Gesprächen und gemeinsamen Erinnerungen haben wir Abendbrot gegessen. Frau Höh bot mit Lichtbildern einen Rückblick auf die 15jährige Verbindung zwischen unseren Gemeinden. Wir sangen den neuesten "Loschwitz-Song" und viele andere Lieder, hörten bayrische und sächsische Mundartdichter – und waren so dankbar für all diese Gemeinsamkeit.
Am Sonntag, 3.11., trafen wir uns alle wieder zum Gottesdienst in der Carolinenkirche Obermenzing. Vor unserer Abreise wurden wir von den Obermenzingern in ihrem Gemeindesaal mit einem Mittagessen und Kaffee gestärkt. Wir plauderten noch eine Weile zusammen und nahmen dann – etwas traurig – Abschied. Aber wir konnten das auch mit einem erfüllten, dankbaren Herzen tun, dankbar für das Wiedersehen, die liebvolle Betreuung, für einen guten Gedankenaustausch.
Fröhlich verlief die Heimreise. 19.00 Uhr kamen wir vor unserer Loschwitzer Kirche an, geschickt von unserem Busfahrer über Straßen und Autobahnen gesteuert.
Für die Möglichkeit der Begegnung, für gnädige Behütung danken wir Gott.
Und im nächsten Herbst treffen wir uns – so Gott will – alle wieder in Loschwitz.

Astrid Schönfeld, Ute Wendlandt, Paul-Gerhard Weber


Bericht über unsere Fahrradtour von Loschwitz nach Oschatz (Landesgartenschau) vom 14. – 17. Juli 2006

von Brunhilde und Horst Reim

Am Freitag 8.30 h versammelten sich 21 fröhliche Gemeindeglieder mit ihren Fahrrädern, um vor ihrer 3-Tagestour mit Pfarrer Selunka in der Loschwitzer Kirche eine Andacht zu halten und den Reisesegen zu empfangen.

Dann radelten wir als lange Kette auf dem Elberadweg bis Niederwartha, “stiegen” hinauf nach Weißtropp und fuhren zu unserer ersten Station, der Autobahnkirche Wilsdruff. Zu unserer großen Überraschung trafen wir in der Kirche Herrn Prof. Dr. Heinrich Magirius und den Dombaumeister des Domes zu Meißen, Herrn Günther Donath, der schon seit 1978 die Bauarbeiten an der Jacobikirche Wilsdruff begleitet. So erfuhren wir aus erster Hand viele interessante Dinge über die Kirche. Der romanische Bau ist Mitte des 12. Jahrhunderts entstanden, möglicherweise als Niederlassung für Mönche des Benediktinerordens. Die Jakobikirche ist innerhalb Sachsens die größte romanische Saalkirche, was auf die Bedeutung dieses Ortes hinweist. An den Wänden sieht man noch alte Weihekreuze. Nach der Reformation wurde die Kirche nur noch selten genutzt. Sie war Begräbniskirche und enthielt das Erbbegräbnis der Herren von Schönberg, die Stadt und Rittergut jahrhundertelang in ihrem Besitz hatten. 1919 wurde die Kirche in eine Gedenkstätte für die Opfer des 1. Weltkrieges umgestaltet. Der größte Schatz der Kirche ist die sogenannte Bennoglocke aus dem 13. Jahrhundert. Sie gehört zu den ältesten Glocken in Sachsen. Nach heftigen Sturmschäden sollte die Jakobikirche nach 1976 als Ruine verfallen. Aber engagierten Wilsdruffern gelang es, die Kirche zu retten. Doch die geplante Sanierung ging nur schleppend voran, und die Kirche war selten zugänglich. Nun aber zieht neues Leben ein. Unter dem Motto:”Auftanken für die Seele” ist die Jakobikirche trotz intensiver Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten täglich von 8 - 18 h geöffnet. Wir nutzten den Aufenthalt zum Beten und Singen und hielten danach auf der Wiese vor der Kirche unsere erste Rast mit einer fröhlichen Vorstellungsrunde und Picknick aus den Fahrradtaschen.

Dann radelten wir weiter nach dem Kloster Altzella. Zwischendurch luden uns riesige Kirschbäume mit hellen und dunklen Kirschen zum Naschen ein!

Von der großen Klosteranlage Altzella ist eigentlich nur das Winterrefektorium erhalten geblieben, welches früher einmal die bedeutende Klosterbibliothek enthielt, deren Bestände sich heute in der Leipziger Universitätsbibliothek befinden. Dank umfangreicher Bau und Restaurierungsmaßnahmen präsentiert sich das Gebäude in einem sehr guten Zustand . Dort probierten wir im Erdgeschoss Taizé-Gesänge und genossen die gute Akustik. Im Saal in der 1.Etage, der ehemaligen Bibliothek, ließ sich vor allem die alte schöne Holzdecke bestaunen. An den Ruinen im großen Park konnten wir die eigentliche Größe des Klosters nur erahnen. Unsere Vorfahren sind tolle Baumeister gewesen.

Nach einem guten Kaffeetrinken im Klostercafé ging es weiter an der Freiberger Mulde entlang durch Roßwein, Niederstriegis bis nach Mahlitzsch, und auf einem ziemlich bergigen Waldweg strampelten wir bis zur Margarethenmühle, unserem 1. Quartier. 70 km hatten wir tapfer in die Pedalen getreten, da freuten wir uns über den freundlichen Empfang und stillten unseren größten Durst, bevor wir die Zimmer bezogen und genüßlich unter der Dusche standen. Noch vor dem Abendessen wurden mit großem Hallo die 8 jungen Leute begrüßt, die erst nach der Schule losgefahren waren und eine liebe Nachzüglerin, die nicht eher frei bekam. So waren wir eine große Runde, die sich im Freien das Abendessen gut schmecken ließ, viel lachte und noch lange miteinander sang. Peter Fücker saß plötzlich mit einem Akkordeon da. Hatte er das etwa doch in seiner Fahrradtasche versteckt? Später lüftete er das Geheimnis. Die Tochter der Wirtsleute hatte es ihm geborgt. So ging der Abend mit viel Erzählen, Lachen und Singen zu Ende. Mitten im Wald schlief sich’s gut, so daß wir am nächsten Morgen nach einem guten Frühstück und dem Reisesegen wieder weiterradeln konnten.

Über Mochau, Zschaitz, Ostrau, Jahna, Hof, Stauchitz und Seerhausen ging es im Jahnatal nach Riesa. Eigentlich wollten wir unterwegs im Stausee Baderitz ein kühles Bad nehmen. Doch das Wasser war nicht sehr einladend, so daß wir gleich bis zur St.-Gotthart-Kirche nach Jahna fuhren. Vermutlich hat Heinrich der I. im Jahre 929 die Festung Gana eingenommen und somit das Dorf zur Jahna noch 14 Tage vor Meißen erobert. Die heutige Kirche ist nicht die erste an diesem Ort. Aber auch die heutige Kirche wurde über mehrere Jahrhunderte gebaut und der Innenraum sehr oft verändert. Der Turm weist eine Neigung von 4cm/m auf und läßt sich dadurch mit dem schiefen Turm von Pisa vergleichen. 1611 hob man den Fußboden um einen Meter an, da die Hochwasser der Jahna im Frühjahr und Herbst oft eine Benutzung der Kirche unmöglich machten. Seit dieser Aufschüttung sind natürlich auch alle Türen einen Meter niedriger, wodurch der gesamte Innenraum eine andere Wirkung hat. Heute gibt es nur noch eine kleine Gemeinde in Jahna und nicht mehr jeden Sonntag Gottesdienst. Aber es ist wunderbar, daß sich überall Leute finden, die Kirchen zu erhalten, von der Geschichte zu lernen und miteinander Gottesdienst zu feiern.

Die Klosterkirche in Riesa war leider geschlossen. Wir bestaunten nur das Äußere und radelten über die große Brücke auf den rechtselbischen Radweg. In Lorenzkirch hatten wir leider auch kein Glück mit einer Kirchenbesichtigung, so daß wir mit der Fähre übersetzten und in Strehla unsere Quartiere aufsuchten (ein Teil in einer Pension, ein Teil in einem kleinen Hotel, die jungen Leute in der Jugendherberge). Zum Abendessen  fanden sich dann alle im Gasthaus am Stadtpark ein. Dort wurde anscheinend wegen vieler Gäste unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt. Aber irgendwann hatte dann jeder sein Essen, das auch gut schmeckte. Einige ließen den Abend dann noch auf der Terrasse bei gutem Wein und viel lustiger Unterhaltung ausklingen.

Am Sonntagmorgen war das Frühstück schon um 7.30 h angesagt. Unseren Reisesegen erhielten wir unter einem großen Ahornbaum und sangen dort auch unser Morgenlied.

Über die Dörfer radelten wir nach Oschatz und nahmen in der schönen St. Ägidienkirche um 10 h am Gottesdienst teil, der wunderbar umrahmt wurde vom Chor und Posaunenchor aus Riesa-Großenhain. Anschließend stiegen wir ca. 200 Stufen auf den einen der beiden Kirchtürme hinauf zur Türmerwohnung. Bis in die 60er Jahre ist diese Wohnung noch von der letzten Türmerin bewohnt worden, die mit ihrer ganzen Familie (15 Kinder) dort gelebt hat.

Ein Verein hat sich sehr bemüht, diese Wohnung mit der herrlichen Aussicht wieder nutzbar zu machen. Neben einer Führung gibt’s sogar Kaffee und Kuchen, wenn man möchte.

Als sich alle wieder unten versammelt hatten, ging es zur letzten Station unserer Fahrradtour. Wir besuchten die Landesgartenausstellung in Oschatz. Dort trafen wir uns auf einer schattigen Waldwiese zu einer Art Schlußrunde mit Resümee, Gebet und Gesang. Dann konnte jeder sich das anschauen, was und wie er es wollte. Die Oschatzer haben sich viel Mühe gegeben. Viel Lehrreiches für Kinder ist anzuschauen oder auszuprobieren, es gibt einen Gondelteich, einen Badesee, Ausstellungen und schöne Blumenarrangements. Durch die große Hitze in diesem Jahr ist es aber auch schwierig, die Pflanzen zu erhalten. Wir sind sogar ein Stück mit dem Wilden Robert gefahren, einer Kleinbahn, die auch direkt durch das Gelände fährt. Für die Heimfahrt mit dem Zug hatten wir uns auf verschiedene Abfahrtszeiten eingerichtet, damit alle Fahrräder mitkamen. Wir z.B. hatten uns für die Abfahrt 18.30h entschieden und waren so gegen 18 Uhr am Bahnhof. Dort erfuhren wir, daß wegen verschiedener Brände am Bahndamm zwischen Dahlen und Riesa z.Zt. kein Zug fahren darf.

Die erste Gruppe war noch ein Stück mit dem Zug gefahren, mußte dann aussteigen und wieder losradeln. Die zweite Gruppe war so gegen 18 Uhr per Rad aufgebrochen, um bis Meißen zur S-Bahn zu radeln. Unsere Jüngsten hatten sich für das Ausharren und auf einen Zug warten entschieden. Lt. Rücksprache mit der Bundesbahn in Leipzig war völlig unbestimmt, ob und wann wieder ein Zug fahren würde. Unsere Gruppe schwang sich deshalb kurz vor 19 Uhr auf die Räder Richtung Meißen zur S-Bahn. Wir radelten auf der B 6 bis Zehren und bogen dann auf den Elberadweg ein. Plötzlich entdeckten wir auf der anderen Elbseite auch verschiedene Radler, die uns irgendwie bekannt vorkamen. Es wurde Juhu gerufen und gewinkt, und die Verwunderung und Freude war groß, daß sich in Meißen nach der Brücke die beiden Gruppen trotz unterschiedlicher Abfahrtszeiten und Wegeläufe wieder vereinen konnten. Am Bahnhof erfuhren wir per Handy, daß die erste Gruppe grade eben die S-Bahn genommen hatte. Wir nahmen dann die zweite und freuten uns mit einer schnell gekauften Flasche Wein über die gut geradelten zusätzlichen 30 km von Oschatz bis Meißen.

Das Verrückteste aber erfuhren wir auch per Handy: In Oschatz war der Zugverkehr nach Dresden ca. 15 Minuten nach unserer Abfahrt wieder aufgenommen worden, so daß unsere jungen Leute schließlich als erste zu Hause waren.  

Am Bahnhof Neustadt wurden wir weniger. Jeder nahm die günstigste Möglichkeit für den Heimweg. Der Rest radelte wieder auf den Elberadweg. An der Fährklause konnten wir aber irgendwie nicht vorbeifahren. Schließlich wollten wir die wunderschöne Tour noch einmal Revue passieren lassen. Bei Wasser, Bier und Wein ließ sich gut erzählen, lachen und auch dankbar sein. Im Dunkeln radelten wir dann noch weiter bis zum Körnerplatz, wo wir fröhlich voneinander Abschied nahmen.

Uns hat neben all dem schönen Erlebten am besten das harmonische, hilfsbereite und fröhliche Miteinander gefallen. Es war Balsam auf die Seele und ist bei einer Gruppe unterschiedlichster Menschen zwischen 15 und 71 Jahren durchaus nicht selbstverständlich.

Herrn Pfarrer Selunka sei im Namen aller Radler ganz herzlich für die gute Vorbereitung und Organisation gedankt. Er darf es mal wieder machen!



 

 

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