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Liebe Gemeinde! In diesen Oktobertagen denken wir zur¸ck an die Ereignisse vor einem Jahrzehnt. Im Herbst 1989 ver”nderte die friedlich Revolution die Geschichte unseres Landes. Mit dem 3. Oktober 1990 wurden die beiden deutschen Staaten wieder zu einem Ganzen gef¸gt. Mit der Wiederherstellung der deutschen Einheit ging eine Vision in Erf¸llung, von der, vor allem im Westen, aber auch in den Gedanken der ”lteren Generationen, die den Krieg miterlebt hatten, immer wieder die Rede gewesen war - von der aber niemand ernsthaft geglaubt hatte, sie w¸rde jetzt, 1989/90, Realit”t werden. Die Ğberlagerung unseres jeweiligen ostdeutschen oder westdeutschen Erlebnishorizonts durch die neue Wirklichkeit des vereinten Deutschlands f¸hrte zu teilweise paradoxen Gef¸hlen, so daş Freude und Begeisterung und Entt”uschungen und Angst oft dicht beeinander waren und Erneuerungen oft mit Zusammenbr¸chen einhergingen. Es ist klar, daş diese einmalige historische Situation auch eine Ğberfoderung f¸r alle darstellte. Wie soll man etwas Neues, auf das eigentlich niemand richtig vorbereitet war, optimal gestalten? Die Ğbernahme des westdeutschen Rechtssystems durch den Osten war nicht optimal. Viele h”tten sich eine Verfassungsdiskussion gew¸nscht, die dem neuen Staatsgebilde im Herzen Europas zukunftsweisend h”tte Rechnung tragen k–nnen. Aber in der Realit”t war der Spielraum nicht groş: Es gilt heute mit groşer Dankbarkeit und Respekt all derer zu gedenken, die trotz groşer Entt”uschungen die Lebensaufgabe - Gestaltung der deutschen Einheit - mit Beharrlichkeit und Realit”tssinn vorangebracht haben. Es sind Politiker auf der einen Seite, aber es sind besonders auch die vielen einzelnen Menschen in Ost und West, die in gemeinsamer Arbeit und gegenseitigem Kennenlernen den Prozeş der Einheit f¸r die Zukunft erm–glichen. Eine wichtige Erfahrung darin ist, daş Deutsche in Ost und West sich gegenseitig in ihren Biografien respektieren, ohne den Anspruch und die Ğberheblichkeit, den besseren Teil der Geschichte f¸r sich zu reklamieren. Das, was jeden in seiner Identit”t durch Lebensgeschichte und Schicksal pr”gte, darf man einander nicht rauben. Auch im Angesicht der Tatsache, daş Korruption und Machtbesessenheit zu schweren Entt”uschungen innerhalb der Gesellschaft gef¸hrt haben, darf nicht ¸bersehen werden, wie gewaltig die Kraft all derer ist, die den aufrechten Gang eines Demokraten praktizieren. Darin liegt unsere Zukunft. Wer meint, daş Wertvortstellungen und Gesinnung im wirtschaftlichen wie im pers–nlichen Bereich keine Bedeutung mehr h”tten, der schaue sich die Gesllschaften an, die in weiten Teilen der Erde ohne solche Maşst”be leben: Chaos, unvergleichliche Armut, B¸rgerkrieg und Elend, wie wir es uns kaum vorstellen k–nnen. Die groşe Herausforderung, die Arbeitslosigkeit zu ver”ndern, die gesellschaftliche Arbeit ¸berhaupt neu zu definieren, liegt als eine zentrale Aufgabe vor uns allen und kann nur gel–st werden in einem breiten, demokratischen Diskurs. Die Ğberzeugung von einer demokratischen Gesllschaft, die trotz vielfacher Fehler und relativer Ungerechtigkeit dennoch eine hohe Chancengleichheit besitzt, kann man am Ende nur aus einem tiefen Vertrauen in die von Gott dem Menschen gegebenen Maşst”be f¸r das Leben haben. Paulus sagt einmal: Zur Freiheit hat uns Christus befreit, so steht nun fest und laşt euch nicht wieder unter das Joch der Knechtschaft zwingen (Gal 5,1). Es ist die Freiheit f¸r das Gute, f¸r den Menschen neben mir und f¸r die gemeinsame Zukunft. Erbitten wir daf¸r doch immer wieder Gottes guten Geist ! Im Namen der Kirchvorsteher und Mitarbeiter Ihr Pfarrer Dietmar Selunka
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© 2000 |
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