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die verschiedenen festlichen Höhepunkte in unserer Stadt anlässlich der Ersterwähnung Dresdens vor 800 Jahren neigen sich langsam ihrem Ende zu. Der Stadtkirchentag mit der „Nacht der Kirchen“ und dem Ökumenischen Gottesdienst auf dem Schlossplatz im Juli dieses Jahres war auch ein Beitrag und Versuch, die Rolle der Kirchen und auch der einzelnen Christen im Blick auf die Stadtgeschichte ins Blickfeld zu rücken. Daß dabei die Kirchengebäude unserer Stadt eine offensichtlich interessantere Sprache sprechen als das öffentliche Auftreten der Christen auf Plätzen, wurde bei den Teilnehmerzahlen dieses Juli-Wochenendes deutlich: die Kirchen bei der „Nacht der Kirchen“ erfreuten sich nach wie vor eines großen Besucherstroms, der zentrale Gottesdienst für alle Christen der Stadt (man kann hier von etwa 100.000 Christen verschiedener Konfession ausgehen) war hingegen nur schwach besucht (vielleicht 1500 Menschen). Busse und Touristen zogen wenig beeindruckt an den Singenden und Betenden vorbei. Man kann sich fragen, warum uns in der Öffentlichkeit eine wirklich große Aufmerksamkeit versagt bleibt - ganz im Gegensatz etwa zu den Papstbesuchen in Deutschland -, man kann auch fragen, ob wir diese Öffentlichkeit wirklich brauchen. Zumindest wird man die Behauptungen mancher Theologen, die Kirche müsse auf dem „Markt“ präsent sein, um zu überleben, mit einer gewissen Skepsis betrachten. Es zeigt sich, dass die öffentliche Wahrnehmung nach ganz anderen Regeln und Motiven erfolgt, als man es gerne hätte. Die Frauenkirche z.B. bedarf keiner Werbung, Tausende kommen ohne Einladung. Der Papst - mag man die Institution aus evangelischer Sicht kritisch sehen wird als Person verehrt, weil sich in ihm Transzendenz und universale Kirche repräsentieren, frei von Machtanspruch und Arroganz. Die Beispiele zeigen, dass die Ausstrahlung von Gebäuden und Personen, das ästhetische wie das menschliche Element, eine größere Anziehung bewirken als dies von der Theologie für legitim und wünschenswert gehalten wird. Dies wurde kirchengeschichtlich schon immer beklagt. Am Ende musste man aber solcher „natürlichen Theologie“ der Menschen meist Rechnung tragen. Dies ist auch für unsere heutige Situation von Bedeutung, wenn es darum geht, welche Rolle der Glaube und die Kirche im Leben der Menschen spielen können und sollen. Wir wissen, dass keine Botschaft sich an der Persönlichkeit eines Menschen vorbei vermitteln lässt. Glaubwürdigkeit, Hingabe, Überzeugungskraft sind unerlässlich, um dem Gegenüber das Herz und den Sinn zu öffnen. Das gilt auch gerade im negativen Sinn. Ebenso - und das wissen wir selbst durch unsere schöne Kirche - lässt man sich von der Schönheit und dem Licht eines Gotteshauses einladen und nicht von einem pragmatisch auf Funktionalität reduzierten Versammlungsraum, wie er als „angemessene Form auf die kleiner werdende Kirche“ lange Zeit das Denken bestimmte. Das ästhetische wie das personale Element ist in seiner Bedeutung gleichermaßen auch für die Gottesdienstformen wie für alle anderen Lebensäußerungen der Kirche zu bedenken. Es darf sich dabei nicht verselbständigen, - das ist der reformatorische Einspruch mit seiner Konzentration auf das biblische Wort mit seiner Mitte Jesus Christus, - aber ohne diese „natürlichen“ Dinge und Mittler wird die große Botschaft Gottes schwer den Weg zu den Menschen finden. Auf diesem Hintergrund sind alle Bemühungen um persönliche und räumliche Nähe zu den Menschen in unseren Gemeinden von großer Bedeutung. Großveranstaltungen mit ihrem Hang zur Anonymität sind keine Perspektive für die Zukunft. Gottesdienste für ganze Regionen werden nie den Gemeindegottesdienst einer überschaubaren Ortsgemeinde ersetzen können. Es liegen in unserer Stadt und in unserer Gemeinde große Aufgaben vor uns. Wir wollen sie mit Verstand und in tiefem Vertrauen in das Wirken Gottes durch seinen Heiligen Geist weiter anfassen. Ihr Pfarrer Dietmar Selunka |
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© 2006 |
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