Pfarrer Selunka

     
   


Liebe Gemeinde,

die Veränderungen in unserer Landeskirche bewegen uns alle sehr. Strukturreform, Strukturanpassung oder gar Zerstörung der Struktur sind Begriffe, die die Ambivalenz des ganzen Vorganges beschreiben. So sehr man sich bemüht, die geplante drastische Reduktion der Mitarbeiter im Verkündigungsdienst und -perspektivisch- auch die der Verwaltungsmitarbeiter als neue Herausforderung oder auch Chance für ein neues Gemeindebewusstsein zu deuten, sind doch die Befürchtungen und Ängste weit überwiegend. Diskussionen über die Bedeutung des Pfarramtes wie auch der anderen Mitarbeiter im Verkündigungsdienst innerhalb des Gemeindelebens brechen erneut auf , genau so wie sich die Diskussion über die Möglichkeiten der ehrenamtlichen Mitarbeiter, der Laien (vom griechischen Wort laos=Volk abgeleitet) innerhalb des Gemeindelebens neu entfacht. Die Erfahrung unserer Gemeinden am Elbhang wie auch die der meisten Gemeinden in Dresden ist, dass aus einem guten und sehr engagierten Zusammenwirken von Mitarbeitern und Laien sich ein vielfältiges, reiches und anziehendes Leben entwickelt hat.

Allerdings mit einem hohen Einsatz aller Beteiligten. Wenn wir unsere eigene Gemeinde betrachten, so ist das Engagement von ehrenamtlichen Helfern auf einem Niveau, das man kaum höher beanspruchen kann, will man nicht Menschen mit ihrer Hilfsbereitschaft überfordern oder gar missbrauchen.

Es ist von daher absehbar, dass bei der geplanten Stellenreduktion die bestehende Balance nachhaltig gestört wird und nicht durch einen noch höheren Einsatz von Gemeindemitgliedern kompensiert werden kann.

Auf diesem Hintergrund haben die Kirchenvorstände von Hosterwitz/Pillnitz und Loschwitz sehr dringlich eine Überprüfung der uns zugewiesenen Stellenanteile gefordert. Statt 1,25 Pfarrstellen für den ganzen Elbhang sind eigentlich zwei voll Pfarrstellen notwendig, zumindest die Erhaltung von gegenwärtig 1,75 Stellen. Für die Kirchenmusik kann nicht die eine B-Stelle mit 70% Anstellung die Ansprüche und Dienstherausforderungen von 3 sehr frequentierten Kirchen erfüllen. Hier muß unbedingt eine Aufstockung erfolgen. Auch für die Kinder-und Jugendarbeit sind je 50%Anstellungen unerlässlich, bedenkt man, dass gerade für unsere Wohngebiete günstige demografische Prognosen vorliegen. In diesem Ringen um den Verbleib von Mitarbeitern und damit um den Erhalt von lebendigen Gemeinden, ist uns auch erneut bewusst geworden, welcher finanzielle „Ertrag“ der Landeskirche in Form von Kirchensteuern aus einer lebendigen Gemeinde zufließt, ein Ertrag, an dem ja alle anderen, auch schwachen Gemeinden Anteil bekommen. Umgekehrt bedeutet dies auch, dass eine Schwächung der „Starken“ sich auch schwächend auf die Gesamtkirche auswirkt. Damit sind sehr gravierende Fragen der Solidarität angesprochen, die in der ganzen Kirche und vor allem in den Synoden diskutiert werden müssen. Am Grundsatz der Solidarität muss dabei unbedingt festgehalten werden, so wie es der Apostel Paulus im 2. Kor 8 und 9 ausführt.
Aber: wird das Prinzip der Solidarität überdehnt, bzw. rein formalistisch, ohne Berücksichtigung von individuellen Leistungen oder Defiziten angewandt, verlieren sich Motivation und Begeisterung in einer uniformierenden Gleichgültigkeit. Dies ist eine äußerst schwierige Frage z.B. bei der Betrachtung und Bewertung von städtischen Gemeinden und ländlichen Gemeinden.

Weil wir mit Dankbarkeit die Stärke unserer Gemeinde an so vielen Stellen wahrgenommen haben, hat der Kirchvorstand neben der o.g. Forderung an den Strukturausschuss auch die Eigenverantwortung für die Zukunft ins Auge gefasst. Die Vorbereitungen zur Gründung einer Stiftung sind abgeschlossen, und die Satzung ist zur Genehmigung auf den Weg gebracht. Dieser Weg, den wir am Sonntag, dem 29. August, nach einem kurzen Gottesdienst in einer Gemeindeversammlung ausführlich darstellen wollen, kann, so hoffen wir in tiefem Vertrauen zu Gott, eine tragende Säule künftigen gemeindlichen Lebens an unserer Kirche werden.

Möge uns Gott in all diesem Ringen mit dem Heiligen Geist ausstatten. In ihm erkennen wir, dass wir nur Arbeiter und Helfer sind in dem Haus, das Gott gemacht hat. Wir sind Diener Christi, die das menschlich Notwendige tun müssen, die aber alles Gott anvertrauen, zum Gelingen oder auch Misslingen.
In diesem Sinne wollen wir uns den Herausforderungen stellen.

Ich grüße Sie ganz herzlich!
Im Namen der Mitarbeiter und Kirchvorsteher
Ihr Pfarrer Dietmar Selunka


 

 

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© Juli 2004