| |
|
Liebe Gemeinde,
als vor fast 2000 Jahren die Apostel das Evangelium von Jesus Christus unter die Menschen des Römischen Reiches brachten, allen voran der Apostel Paulus, gab es noch keine Berechnungen zur Entwicklung der Bevölkerungszahlen. Es gab Volkszählungen, wie wir wissen, aber keine daraus abgeleiteten Prognosen, keine demographischen Untersuchungen, wie wir sie heute kennen. Die Apostel und Missionare waren einzig und allein berührt und motiviert, eine wunderbare Botschaft weiter zu tragen. Es störte sie nicht, ja, es war ihnen eine Herausforderung, inmitten ganz anderen Denkens und politischen Handelns Gemeinden zu begründen, als Christen zu leben und durch ein großartiges Zeugnis auch sogenannte Heiden zu gewinnen. Als ein solches Zeugnis beeindruckenden Mutes zählt die Rede des Apostels Paulus auf dem Areopag in Athen, wo Paulus unter anderem davon spricht, dass Gott die Menschen zu Suchenden geschaffen hat: „ob sie wohl ihn fühlen und finden möchten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns. Denn in ihm leben und weben und sind wir; wie auch etliche Dichter bei euch gesagt haben“ (Apostelgeschichte 17,27.28). Mit solcher Anknüpfung an die natürliche Religiosität des Menschen und einer gleichzeitigen tiefen Überzeugung, dass Jesu Christus alle diese Erwartungen erfüllt, ist Paulus - und mit ihm viele andere - in den geschichtlichen Raum des Römischen Reiches hinein gegangen. Die Gemeinden wuchsen zu der allgemeinen Kirche (griech.: katoliké ekklesia) zusammen. Was sich dann ereignete, kennen wir in der historischen Erfahrung als „Geschichte des Abendlandes“, mit schweren gesellschaftlichen wie auch kirchlichen Verwerfungen, Umstürzen und Erneuerungen. Wie viele Male war der Untergang der Zeiten vorhergesagt und fest erwartet worden, wie viele Male stand die Kirche vor einem inneren Zerbrechen. In allen Erfahrungen sehen wir, dass sich der Geist Gottes innerhalb und auch außerhalb der Kirche Raum verschaffte, dass der Geist Jesu Christi die Herzen immer wieder aufbrach und Zukunft eröffnete, wo der Kleinglaube und die Schuld der Menschen das Ende prognostizierten. Wir stehen in einer Zeit, die auch große Ängste und Befürchtungen geweckt hat. Manche vergleichen die Situation unserer Kirche mit einer Schiffsfahrt in schwerer See. Mehrer Male hat Christus dieses Bild selbst mit seinem eigenen Verhalten auf dem See Genezareth zum Gleichnis werden lassen. Dass wir der „schweren See“ mit unserer Vernunft und allen uns zu Gebote stehenden rationalen Mitteln begegnen müssen, steht außer Frage. Wir sind aber zugleich gehalten, dass große Vertrauen, zu dem uns Christus aufruft und das geschichtliche Erfahrung geworden ist, auch jetzt als transzendierende Kraft zu bewahren. Ohne dieses werden wir nur noch zu Verwaltern unserer Prognosen und ersticken in der Begrenztheit unserer Vernunft. In diesem Sinne lasst uns im Vertrauen auf Gott, der die Menschen zu Suchenden gemacht hat, in unserer Zeit weiterhin die große wunderbare Botschaft von dem Heil, das über alles ist, verkündigen. Ich grüße sie alle ganz herzlich!
Im Namen der Mitarbeiter und Kirchvorsteher
Ihr Pfarrer Dietmar Selunka
Veränderungen in der Kirche
Von den großen Sparprozessen innerhalb unserer Gesellschaft, die oft leidenschaftliche wie bittere Diskussionen auslösen, sind auch die Kirchen in Deutschland nicht ausgenommen. So werden in allen Landeskirchen wie auch in den Bistümern Stellen gekürzt. In manchen Gebieten drastisch und verheerend, in anderen scheinbar noch moderat. Es sind vor allem die demografischen Entwicklungen in unserer Gesellschaft, die für die Kirche nachhaltige Konsequenzen haben: Immer weniger Kinder werden geboren. Das hat zur Folge, dass die Mitgliederzahlen absinken und damit auch wie man es recht genau durch statistische Prognosen errechnen kann die Einnahmen der Kirche über die Kirchensteuern.
Situation der Landeskirche
In unserer Sächsischen Landeskirche liegen darüber konkrete und realistische Zahlen über die Entwicklung der nächsten 10 bis 20 Jahre vor, die man nicht wegdiskutieren kann. Dies führt zu einer Strukturreform, die eigentlich nur eine Anpassung an diese Entwicklung und leider keine Verbesserung darstellt. Für die Sächsische Landeskirche müssen auf Grund dieser Entwicklung bis zum Jahre 2006 die zur Zeit bestehenden 656 Pfarrstellen auf 565 Stellen reduziert werden. In gleicher Weise betrifft dies auch die Stellen der GemeindepädagogenInnen und KantorenInnen, die zu einer vollen Pfarrstelle im Verhältnis von 45%, das sind 254 Stellen für Gemeindepädagogen, bzw. 30%, das sind 170 Stellen für Kirchenmusik, stehen.
Situation in Dresden
Als Schlüssel für die Verteilung der Stellen werden in den Großstädten wie Dresden oder Leipzig 2000 Gemeindeglieder für eine volle Pfarrstelle zugrunde gelegt. In den ländlichen Gebieten sind 1200 Gemeindeglieder die Richtzahl. Das bedeutet für unsere Gemeinde mit ca. 1500 Gemeindegliedern eine Pfarrstelle zu 75%. Um in den Städten wie auf dem Lande möglichst volle Anstellungsverhältnisse zu erreichen, ist man bemüht, neue Gemeindestrukturen zu bilden, d.h. Gemeinden sollen zusammenarbeiten als Kirchspiel oder, noch mehr favorisiert, sich vereinigen. d.h. fusionieren, um eine neue Gemeinde zu bilden. So sind in unserer Stadt überall Gespräche zwischen Gemeinden im Gange, die sich als eine s.g. „natürliche Region“ verstehen können, wo man schon zusammenarbeitet oder sich solche Vereinigungen vorstellen kann. Diesen Regionen sind inzwischen gemäß ihrer Kirchenmitgliederzahl die entsprechenden Stellenzahlen (Stellenumfang als Vollzeitäquivalent VzÄ) zugeordnet worden. So sind z.B. in unserer Umgebung Regionen gebildet worden wie Blasewitz/Striesen/Tolkewitz (Region 3) mit zusammen 6363 Gemeindegliedern, oder Laubegast/Leuben/Zschachwitz (Region 4) mit zusammen 6295 Gemeindegliedern.
Unsere Gemeinde
Unsere Gemeinde ist zusammen mit Hosterwitz/Pillnitz als Region 8 definiert und kann mit einer Gesamtzahl von 2333 Gemeindegliedern (2550 Gemeindeglieder mit Umgemeindungen) einen Stellenumfang von (aufgerundet) 1,25 VzÄ beanspruchen. Dementsprechend sind uns auch nach prozentualem Anteil 75% VzÄ für Gemeindepädagogik zugeordnet. Für die Kirchenmusik sind in den Städten Sonderregelungen vorgenommen worden, indem das Landeskirchenamt bestimmt hat, in welchen Gemeinden sogenannten B-Stellen (entsprechend der Qualifikation und immer 75%) erhalten bleiben. Hier ist unserer Gemeinde die B-Stelle mit 75%iger Anstellung bestätigt worden. Wir können aus diesen Zahlen recht klar erkennen, was auf uns zukommt, wenn wir diesen Vorgaben nichts entgegen setzen können: Für den ganzen Elbhang von Loschwitz über Pillnitz bis Söbrigen steht uns nur noch eine volle Pfarrstelle zu oder zwei Anstellungen zu je 75% und 50%! (Letztere Anstellungsverhältnisse werden aber von der Kirche nicht favorisiert, da sie unökonomisch sind). Da wir aus nachvollziehbaren Gründen von der Landeskirche keine Ausnahmeregelungen erwarten können, bleibt uns nur die Besinnung auf unsere eigene Kraft und eigene Ideen. Seit Monaten beschäftigen sich deshalb der Kirchenvorstand und die Mitarbeiter mit dieser Situation und dem damit verbundenen Krisenszenario. Wenngleich zwischen den beiden Gemeinden am Elbhang manche Dinge gemeinsam gestaltet werden können wie etwa eine Kooperation in der Kinderarbeit, gehen doch beide Gemeinden von der Erhaltung der Selbständigkeit aus. Gottesdienste in den drei Kirchen, auch die besondere Bevorzugung der Kirchen für Trauungen und Taufen, verbunden mit vielfachem touristischen Interesse sowie seelsorgerliche Zuwendung inmitten eines weit ausgedehntes Territorium lassen sich nur von zwei Pfarrstellen aus sinnvoll gestalten. Die gerade auch von den wiederaufgebauten Kirchen ausgegangene Identitätsstiftung für die jeweiligen Gemeinden, Orte, die ein wichtiges Zuhause der Gemeinde beschreiben, kann man nicht einfach unberücksichtigt lassen. Leben doch die Kirchgemeinden auch von einer überschaubaren, gewachsenen Gemeinschaft. In diesem Sinne denken wir in unserer Gemeinde sehr konkret über die Gründung einer Stiftung nach. Diese Stiftung könnte durch ihre Erträge für alle Zeit eine Säule der Finanzierung der Pfarrstelle werden. Wie diese aussieht und was dies für unsere Gemeinde bedeuten würde, soll mit allem Für und Wider in einer Gemeindeversammlung am Sonntag, dem 29. August, im Anschluß an einen kurzen Gottesdienst erörtert und diskutiert werden. Dazu bitten wir jetzt schon um Vormerkung dieses Termins. In all diesen Fragen geht es ja um die Zukunft unserer Gemeinde und das alles auch auf dem Hintergrund einer 300jährigen segensreichen Geschichte.
|