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„Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr´s denn nicht?“ so lautet die Jahreslosung aus dem Propheten Jesaja (Jes 43,19), die uns durch die vor uns liegende Zeit begleiten soll. Offenbar ist diese Losung von unserer evangelischen Kirche mit Bedacht ausgewählt worden, um dem allgemeinen Veränderungsprozess im gesellschaftlichen wie kirchlichen Leben eine ermutigende Vision entgegen zu stellen. Gott selbst ist am Werk, wenn es um das Neue geht. Wir sollen uns keine Angst machen. Wir sollen in den Zeichen der Zeit das Wachsen neuer Möglichkeiten und Chancen sehen... Diese Gedanken sind fraglos allgemein gültig und gehören essentiell in das Vertrauen einer gelebten christlichen Existenz. Sie sind auch von großer Bedeutung gegenüber dem bequemen wie pauschalen Urteil, dass alles, was jetzt entsteht und heranwächst, was neu ist und ungewöhnlich, keinen großen Bestand haben wird. Gerade weil wir in der Kirche dazu neigen, als religiöse Menschen uns an etwas Vorhandenes, Vorausgehendes zu binden (so eine der ursprünglichen Bedeutungen des lateinischen Begriffs religio) stehen wir dem Neuen, das freilich oft auch nur einen modischen und flüchtigen Charakter hat, skeptisch gegenüber. Was ist nun das Neue, das zu erkennen uns aufgetragen ist? Bei Jesaja (Deuterojesaja) steht das Neue für ein neues Zeitalter: Die Juden werden zurückkehren aus dem babylonischen Exil und in ihrer Heimat ein ganz neues Heil erleben. Es werden fast paradiesische Verhältnisse entstehen, wenn alle wieder zu Hause sind und alle Völker erkennen müssen, dass Gott Jahwe einzigartig ist. Es ist die totale, glanzvolle Wiederherstellung Israels, die niemand mehr zurücknehmen kann. Ist dies auch eine Vision für unseren Glauben und für unsere Kirche? Träume hätten wir schon, aber aller Triumphalismus ist geschichtlich gescheitert und damit widerlegt worden. Gerade die reale Geschichte Israels mit ihrem nationalen Versiegen nach 150 n. Chr. ist eine bedrückende Lehre. In diesem Sinne mahnt die biblisch-historische Besinnung auf das Alte Testament zur Vorsicht. Nun kann uns aber gerade der Blick auf das Erscheinen von Jesus über den Charakter des Neuen belehren. Fast niemand, außer den Jüngern und den Frauen an seiner Seite, hat die epochale Wende erkannt. Das zunächst unmerkliche Aufleuchten wird zu einem unwiderstehlichen Licht, je länger sie mit ihm gehen. Das Neue wird unverfügbar geschenkt. Erst das unvorstellbar Neue, die Auferstehung, macht den Menschen bewusst, dass wirklich eine neue Epoche angebrochen ist. Wir erkennen also meist erst im Rückblick, was das wirklich Neue, die wahrhafte Innovation ist, weil uns Gott immer weit voraus ist. Wohin also die „Reise“ unserer Kirche geht, ist noch ganz offen, zumindest für uns Menschen. Dies gilt für die Prognostiker, die meinen, man müsste jetzt die Kirche an die nach menschlicher Voraussicht zu erwartenden Entwicklungen anpassen die kleiner werdende Zahl, das schwindende Geld. Und das gilt auch für uns alle, die wir das Bewährte pflegen und hüten wollen als sei es ein unverzichtbarer Schatz. Dabei müssen wir uns auch vor der falschen Alternative hüten, es gäbe nur einen richtigen Weg. Entscheidend wird immer sein, wie tief wir auf Gott vertrauen und aus dieser Quelle heraus leben. Viele Menschen in der Geschichte haben gerade dort zur Erneuerung der Kirche beigetragen, wo sie sich neu auf den Ursprung besannen, etwa bei den Klosterreformen und natürlich bei der Reformation. Vertrauen wir darauf, dass Gott uns die Augen öffnen wird für das, was jetzt und morgen notwendig sein wird. In diesem Sinne grüße ich Sie alle ganz herzlich. Mit herzlichen Grüßen Situation unserer Gemeinde Das Jahr 2006 ist für unsere Gemeinde erneut ein Jahr glücklicher Bestärkung und Ermutigung gewesen. Menschen aus den verschiedensten Generationen haben sich in den Gottesdiensten zusammengefunden zum Lobe Gottes und zu Vergewisserung und Trost. Aus dieser Mitte des gemeindlichen Lebens wächst der Zusammenhalt und wächst die Kraft, in der jeweiligen beruflichen und privaten Situation als Christ zu leben. Diese dauerhafte Beförderung christlichen Lebens für die Kinder wie für uns Erwachsene könnten wir in Anpassung an den derzeitigen Sprachgebrauch unser „Projekt“ nennen. Dabei ist es von großer Bedeutung, das wir als Gemeinde den Menschen nahe bleiben und niemand große Schwellen und Hürden überschreiten muss, wenn er die Kirche betritt, um ein gutes Wort für sein Leben zu hören. Pfarrer Dietmar Selunka |
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© 2007 |
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