Pfarrer Selunka

 

     
   

Liebe Gemeinde,

Was ist die Kirche? Was ist eine Gemeinde?
So fragen wir uns normalerweise nicht. Aber in Zeiten großer Veränderungen werden die selbstverständlichsten Dinge zum Diskussionsgegenstand, sei es, um Vergewisserung zu erlangen oder auch um Korrekturen vorzunehmen. Unser Gemeindeseminar am 13. März, bei dem 18 Frauen und Männer unserer Gemeinde, unter ihnen auch Gäste, teilnahmen, hat sich solchen Fragen gestellt.
Vor allem wurden die Vorstellungen und Bilder des Neuen Testaments erörtert: Das Bild vom Volke Gottes, das durch die Zeiten geführt wird und seine Vollendung in Gottes großer Ewigkeit erwarten darf. Und das Bild vom Leib Christi, den wir abbilden und zugleich sein dürfen als Gemeinde, so wie Paulus es vielfach darstellt und wie es Bonhoeffer in schwierigster Zeit formulierte: ?Christus als Gemeinde existierend?.
Wenn wir diese Bilder als Deutung unserer Existenz, als Deutung christlichen Lebens in den verschiedensten Zeiten verstehen, dann entdecken wir auch zugleich etwas von dem großen Geheimnis der Kraft Gottes, die über all diese Zeiten hin am Werke war. Wir entdecken mit Jubel und Respekt, was es bedeutet, zu dem Volk Gottes zu gehören: aus allen Nationalitäten und Rassen berufen, ist dieses Volk trotz skandalösester Konflikte und Irrtümer ein Ferment der von Gott ausgehenden Humanität geblieben. Und dieses sichtbare wie unsichtbare Volk Gottes wird auch für die kommende Weltgesellschaft Salz und Licht sein. Das müssen wir als unseren Auftrag und unsere Berufung erkennen, auch und gerade innerhalb einer „kleinen“ Gemeinde inmitten der großen Kirche, dem Volke Gottes.
Wenn wir uns als Leib Christi verstehen – und das ist in der Tat ein hohes Prädikat - und uns Sonntag für Sonntag darin vergewissern, wird uns auch bewusst, wie segensreich unser Miteinander sein kann: An einem Leib sind alle verbunden und man achtet und unterstützt sich. Viele solcher Erfahrungen kennen wir ja selbst aus unserem eigenen Gemeindeleben, wenn Menschen sich besuchen und man glückliche Stunden und auch Dunkelheiten teilen kann, Einsamkeiten gemildert werden und Projekte und Feste auch der Freude gemeinsamen Lebens Ausdruck verleihen. Sich im Glauben durch Christus verbunden zu fühlen, diese geistliche Wahrnehmung menschlicher Beziehungen, widersteht aller Atomisierung, sie widersteht allem resignativen Rückzug ins Private. Sie lässt uns auch verstehen und ertragen, dass wir als verschiedene Glieder an dem einen Leib eine Unterschiedlichkeit und Differenz in den Gaben und Biografien besitzen. Nicht zuletzt ist es auch ein Zeichen der tiefen, in Christus konstituierten Gemeinschaft, daß Steuern, Kollekten und Spenden für das Leben der Gemeinden und ihrer Mitarbeiter aufgebracht werden in dem Maße, wie es zur Sicherung ihrer Existent notwendig ist und wie darüber hinaus auch Menschen in Not geholfen werden kann.
In unserem Seminar haben wir natürlich auch von der Realität unserer Gemeinde gesprochen. Dabei wurde auch das Bild gebraucht, dass die Gemeinde einem Kraftfeld gleiche, in dem man sich am Sonntag für die Woche Stärkung und Hilfe holt. Man kann hier an die Psalmen denken, die die schönen Gottesdienste im Hause des Herrn erinnern und dafür danken.
Insgesamt gab es eine vielfältige Diskussion, die am Ende auf die Zukunft ausgerichtet war: Wie wird es mit unserer Gemeinde weitergehen angesichts der drastischen Veränderungen in unserer Landeskirche?
Hier sind wir alle am Nachdenken, und darüber soll auch in unserem nächsten Gemeindeblatt berichtet werden.
Wir stehen jetzt wieder vor dem Osterfest. Die Auferstehung Christi hat allen Todesfarben und Todesgerüchen den Rest gegeben. Sie hat ein Licht hervorgebracht, das die dunkelsten Orte unserer Welt zum Leben erweckt, und sie hat einen Geist hervorgebracht, der mit heiliger Kraft uns alle in die Zukunft führt.

Aus dieser Quelle leben wir!
Ich grüße Sie herzlich,

Im Namen der Mitarbeiter und Kirchvorsteher Ihr Pfarrer Dietmar Selunka

Finanzsituation unserer Kirchgemeinde
1. Kirchgeld

Mit einer Gesamteinnahme von 31.719,52 EUR haben wir im vergangenen Jahr ein sehr gutes, ja, das beste Ergebnis seit 1990 erreicht. Damit haben wir auch unser (vorsichtig gesetztes) Ziel in Höhe von 26.500 EUR bei weitem überschritten.
Dafür gebührt allen Kirchgeldzahlern unser herzlichster Dank. Es ist ein Vertrauensbeweis in die Arbeit unserer Kirchgemeinde, in den Dienst aller Mitarbeiter und Ehrenamtlichen, und es ist ein Zeichen der gestiegenen Mitverantwortung, das uns alle ermutigt.
Es wiegt um so mehr, als dieses Ergebnis von all den Kirchgeldzahlern erbracht wurde, die uns seit Jahren mit ihrem Kirchgeldbeitrag unterstützen. Am stärksten sind hier alle Gemeindeglieder zu nennen, die neben einer schon erheblichen Kirchensteuer auch das Kirchgeld entrichten, oft auch noch in einer aufgerundeten Höhe. Ihr Bewusstsein ist ein Bewusstsein für die Zukunft und verdient höchsten Respekt, denn die großen Herausforderungen für die kommende Zeit werden wir nur so meistern können. Ihr Anteil beträgt aber nur 30 bis 40 % aller Gemeindeglieder.
Deshalb ist auch allen Rentnern zu danken, die mit dem Kirchgeld ihren Beitrag geleistet haben. Da Rentner in der Regel keine Kirchensteuer bezahlen, ist das Kirchgeld der einzige und darin auch mitentscheidende Beitrag für ein funktionierendes Gemeindeleben und auch eine – für ältere Menschen besonders wichtig – funktionierende Verwaltung. Deshalb auch hier ein besonderer Dank!
Dem steht leider noch eine nicht unbeträchtliche Zahl von Gemeindegliedern entgegen, die trotz Erinnerung einer Kirchgeldzahlung nicht nachgekommen sind. Es gibt dabei viele Argumente für eine Verweigerung, die uns per Telefon oder schriftlich erreichen, es gibt Verärgerungen und auch schroffen Protest, weil man meint, schon genügend geleistet zu haben. Manche sprechen auch von „unerträglicher Bettelei“.
Dies alles geht aber an der Realität vorbei.
Dass wir bitten, ist ein vornehmes „Recht“ seit den Zeiten des Neuen Testaments und deren großen Aposteln. Denn die Kirche lebte bisher nur von Spenden, die aus Einsicht und Freude für das Evangelium hingegeben wurden und die damit den Mitarbeitern eine Existenz sicherten. Um den maßlosen Reichtum der Kirche in vergangenen Zeiten und eine damit verbundene Perversion des Evangeliums wissen wir wohl. Heute aber sind wir weit von einer solchen Situation entfernt, ja, wir bewegen uns eher in der Nähe der ersten Gemeinden, die als Minorität sich behaupten mussten.
Auf diesem Hintergrund sollte jede Frau und jeder Mann, ein jeder, der in unserer Gemeinde lebt, seinen Beitrag bedenken.

2. Kollekten und Spenden

Auch hier haben wir Grund zur Freude, denn unserem Plan für die gemeinde-eigenen Kollekten in Höhe von 8.700 EUR steht ein Ist gegenüber in Höhe von 9.934,73 EUR. Bedenkt man, dass eine ebenfalls hohe Summe von knapp 8.000 EUR als Kollekten für andere Projekte und allgemein für die Landeskirche gesammelt wurde, so kann man auch hier nur in größter Anerkennung all den treuen Gottesdienstbesuchern danken, die im Laufe des Jahres die gottesdienstliche Gemeinde bilden. Wir können dankbar sein, dass deren Zahl nicht abnimmt, sondern eher wächst.
Auch bei den Spenden für unsere Kirchgemeinde ist unser Ziel in Höhe von 3.500 EUR mit einem Rechnungsergebnis in Höhe von 3.540,90 EUR gut erfüllt worden. Denen, die uns auch in diesem Jahr mit Ihren Spenden geholfen haben, möchten wir unseren herzlichsten Dank sagen.

3. Haushaltssituation 2003

Die guten Einnahmepositionen Kirchgeld, Kollekten und Spenden haben dazu geführt, dass wir den Haushalt ohne Defizit abschließen können (Ein genaues Rechnungsergebnis wird erst am 15. Februar vorliegen). Mit diesen Einnahmen konnten wir vor allem den Gemeindenanteil der Personalkosten in Höhe von rund 35.000 EUR für unsere Mitarbeiter in der Kanzlei, unseren Hausmeister und unseren Zivi absichern. Außerdem war es dadurch möglich, die Kosten verschiedener Gemeindekreise wie auch einen Unterstützungsbeitrag für die Sozialstation zu finanzieren und Anteile der Kosten für Verbrauchsmittel im gemeindlichen Leben und in der Kirche mit zu tragen.

4. Haushaltssituation 2004

Das neue Haushaltsjahr bereitet uns erneut Sorgen, da durch die gesunkenen Kirchensteuereinnahmen der Landeskirche die Lohnkosten für die Mitarbeiter im Verkündigungsdienst – das sind in unserer Gemeinde die katechetische Mitarbeiterin, Frau Wiemer (40% Anstellung), die Kantorin, Frau Kunze (70% Anstellung) und der Pfarrer (100% Anstellung) – nicht mehr voll übernommen werden. Die Gemeinden müssen jeweils 5 % der Bruttolohnkosten selbst aufbringen. Das ist in unserer Gemeinde eine Summe von etwa 4.500 EUR.
Wenn wir das gute Ergebnis des vergangenen Jahres fortschreiben können, - und darauf hoffen und vertrauen wir -, so lässt sich vielleicht ein ausgeglichener Haushalt erreichen.
In diesem Sinne benötigen wir die durch den Glauben gestiftete Gemeinschaft einer Kirchgemeinde auch als eine Gemeinschaft finanzieller Solidarität.

KV


 

 

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