Pfarrer Selunka

 

     
   


Liebe Gemeinde,

Nun feiern wir das 300jährige Jubiläum unserer Kirchgemeinde.

Freilich sind einige Kirchgemeinden in Dresden und viele Kirchgemeinden in Sachsen wesentlich älter, so wie es etwa auch der Besiedlungsgeschichte unseres Territoriums entspricht. Zu den ältesten Gemeinden gehört hier St. Afra in Meißen mit einer 1000jährigen Geschichte, die mit der Gründung des Bistums Meißen im Jahre 968 eng verbunden ist. Wenn wir den Blick deutschlandweit ausrichten, so finden wir die ältesten Kirchgemeinden bzw. Bistümer am Rhein und an der Mosel. Sie reichen in eine Zeit, da von Deutschland noch keine Rede sein konnte. Trier gilt mit seinem Dom, der in der Regierungszeit Kaiser Konstantins in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts gebaut wurde, als älteste Kirche nördlich der Alpen. Für die Entstehung der dortigen Gemeinde vermutet man schon die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts. Die regen Handelsbeziehungen und auch militärischen Verbindungen innerhalb des Römischen Reiches waren hierfür die Voraussetzung. Wir befinden uns damit schon in unmittelbarer Nähe zu den ersten Gemeinden der Christenheit, vor allem der in Rom, die für das geistlich-liturgische Leben der späteren Gemeinden Westeuropas so prägend wirkte. Von Rom führen über die großen Apostel Petrus und Paulus die Spuren in das Land Jesu, in das Heilige Land, das Land der Väter.  

Wir gehören zu dem großen Baum

In diesem großen gewachsenen Baum christlicher Gemeinden dürfen wir uns voller Dankbarkeit als ein kleines, aber lebendiges „Zweiglein“ verstehen.

Die Rückbesinnung auf diese geschichtliche Tradition darf uns bei der Feier eines schönen Jubiläums Anlass sein, auch etwas über unsere eigenen Befangenheiten hinauszublicken.

Den geweiteten Blick erleben wir schon beim Bau der Loschwitzer Kirche im Jahre 1705, da man den gesamten Bau mit dem Tempel Salomos in Verbindung bringt, mit der Stiftshütte und der Bundeslade und allen dazugehörigen Riten. Auch wird die bisherige altkirchliche Tradition, die der damalige Pfarrer, Magister Arnold, „papistisch“ nennt, zur Anregung genommen, der Kircheneinweihung und den Gottesdiensten feierliche „gottgefällige Zeremonien“ anzuempfehlen, auch wenn man dabei selbstverständlich treu lutherisch bleibe.

Wann immer man historische Dokumente liest, die zahlreich in unserem Archiv vorhanden sind, findet man erstaunliche Parallelitäten mit unseren heutigen Erlebnissen und Befindlichkeiten in der Wahrnehmung von Krisen und Destruktionen wie auch in der Freude über wunderbares Wachstum und Entfaltung des Glaubens.

So lässt das „Kirchliche Gemeindeblatt für Loschwitz und Wachwitz“, das im Oktober 1925 zum ersten Mal erscheint, erkennen, welches reichliche Vereinswesen in der Gemeinde herrscht und wie die Gottesdienste allesamt gut besucht sind. Die Gemeindegliederzahl betrug 1925: 8. 490 Ev.-Luth. Christen von damals insgesamt 9.366 Einwohnern in Loschwitz/Wachwitz. Zum Vergleich heute: Unsere Gemeinde zählt gegenwärtig 1.394 Mitglieder mit Hauptwohnsitz in Loschwitz/Wachwitz  bei einer Gesamteinwohnerzahl von 4.901(Stand 2003). Auch wenn wir einen wesentlich geringeren Prozentsatz im Anteil an der Gesamtbevölkerung ausmachen, ist doch das Leben in der Gemeinde und in der Kirche von sehr vielen Menschen getragen und gut besucht.

Wir stehen in einer langen Tradition und einer in den Herzen der Menschen befestigten Kontinuität des Glaubens.

Blick nach vorn

Unser Jubiläum ist ein hervorragender Anlass, mit Vertrauen und Hoffnung auf Gottes wirkenden Geist in die Zukunft zu blicken.

Die Veränderungen in der Gesellschaft, die uns auch in der Kirche genau so betreffen, gehören zu den Herausforderungen, in denen sich unser Glaube und unsere daraus erwachsende gestalterische Kraft bewähren muss.

Sichtbar ist überall geworden, dass die Versorgungsleistungen des Staates wie auch der Landeskirche an ihre Grenzen gekommen sind. Wir wissen, was wir erwarten können, und wir entdecken, was wir selbst tun können und müssen. Dieser Prozess zu mehr Eigenverantwortung und persönlicher Mitgestaltung bietet uns auch in der Gemeinde große Chancen. Arbeiten schon viele mit, wenn es um die verschiedensten kleinen oder großen Dienst geht, so gibt es noch viele Menschen in unserer Gemeinde, die sich gern einbringen möchten und deren Begabungen und Kräfte eine große Hilfe sein können.

Darüber müssen wir in der kommenden Zeit noch mehr sprechen und konkrete Beteiligung ermöglichen und fördern.

Stiftung für die Zukunft

Der Kirchenvorstand hat den Antrag zur Genehmigung einer selbständigen kirchlichen Stiftung mit dem Namen „Stiftung Kirchgemeinde Loschwitz“ auf den Weg gebracht. Die Stiftung will die Finanzierung der jetzt auf 75% reduzierten Pfarrstelle unterstützen, damit eine volle pfarramtliche Tätigkeit weiterhin für die Zukunft gewährleistet ist und damit die Stelle erhalten bleibt.

Denn ohne Pfarrstelle ist die Selbständigkeit einer Gemeinde nicht zu erhalten. Wenn dieses Ziel erreicht ist, sind auch die anderen Stellen im Verkündigungsdienst (Kantor/in, Katechet/in) nicht in Gefahr und können dann

ebenso von der Stiftung unterstützt werden.

Eine Stiftung bedeutet, einen Kapitalstock zu sammeln, der nicht angetastet werden darf, vergleichbar einem für alle Zeiten gesperrtem Sparbuch. Nur die Zinsen als Erträge dienen der Erfüllung des Zweckes der Stiftung. Dies wird staatlich und kirchlich überwacht. In unserem Falle benötigen wir für die Erfüllung des genannten Stiftungszweckes – volle Pfarramtliche Versorgung und Unterstützung der Mitarbeiter im Verkündigungsdienst - eine Summe von 600.000 €.

Jeder kann sich beteiligen

Mit dieser Stiftung legen wir für die künftige Arbeit der Gemeinde ein Fundament, das von den landeskirchlichen und allgemeinen steuerlichen Verhältnissen eine gewisse Unabhängigkeit schafft und auch weiter gestaltbar ist für die Zukunft.

Wir nehmen die Festwoche unseres Jubiläums zum Anlass, für die Stiftung nunmehr öffentlich zu werben und  einen Jeden und eine Jede unserer Gemeinde und unseres Ortsgebietes zu ermutigen und zu bitten, sich durch Zustiftung an der Stiftung zu beteiligen. Jeder Betrag, ob einmalig oder in Raten trägt dazu bei, das gesteckte Ziel von insgesamt 600.000 € zu erreichen. In unserer Gemeindeversammlung gab es eine Stimme, die sagte: „Wenn 600 Familien oder Einzelpersonen einmalig 1.000 € stiften würden, wäre die Summe zusammen. Damit lägen wir immer noch weit unter dem biblischen Votum für den Zehnten als Gabe für die Gemeinde“. Das klingt einfach wie zugleich vermessen kühn, denn die finanziellen Möglichkeiten eines jeden sind sehr unterschiedlich. 25.000 € sind aber schon gestiftet worden als Bedingung für den Antrag einer Stiftung.
Begeistern mag uns der Gedanke, dass alles gestiftete Geld (auch anderes Vermögen ist zustiftbar) nicht verloren geht, sondern für unsere Kinder und Kindeskinder, für - nach menschlichem Ermessen – alle Zeiten das Gemeindeleben erhalten hilft.
In diesem Sinne müssen wir die Stiftung als logische Konsequenz unserer wieder aufgebauten Kirche sehen: Das Gotteshaus ist wieder erstanden, nun soll auch in diesem Haus für die Zukunft eine lebendige Gemeinde bleiben, „in der das Evangelium rein gepredigt und die Heiligen Sakramente dem Evangelium gemäß gereicht werden“ (Confessio Augustana, Art. 7) - zum Lobe Gottes und zur Erbauung und Freude der Menschen.

Mögen wir das alle in einem tiefen Vertrauen zu Gott gestalten und erfahren im Sinne des Monatsspruches für September: „Wo der Herr nicht das Haus baut, arbeiten umsonst, die daran bauen“ Ps 127,1

Mit herzlichen Grüßen
Im Namen der Mitarbeiter und Kirchvorsteher
Ihr Pfarrer Dietmar Selunka

PS: Die Kontonummer für die Stiftung wird während der Festwoche durch Flyer bekanntgegeben.


 

 

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