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Liebe Gemeinde,
das neue Jahr 2004 wird auch kein ruhiges sein, wie schon die Jahre davor. Man wünscht sich manchmal eine Zeit, in der durch geordnete Verhältnisse und eine allgemeine gesellschaftliche Stabilität das Leben zu einer Ruhe käme, in der alle Menschen zufrieden und gelassen ihrer Arbeit und ihren Plänen nachgehen könnten. Dem ist aber nicht so und dem war vermutlich auch nie so. Wir haben vielmehr das Gefühl, dass die rasanten Veränderungen im technologischen Bereich der Gesellschaft, verbunden mit den Erwartungen eines hohen Lebensstandards, zu so rasanten Veränderungen auch des gesellschaftlichen und mitmenschlichen Lebens führen, das deren Konsequenzen uns zunehmend beunruhigen. Reformen, Strukturanpassungsmaßnahmen, Modifizierungen dringen als Begriffe täglich an unser Ohr. Ermutigender scheint es zu sein, wenn man von diesen Vorgängen als von Innovation Erneuerung - spricht. Aber es hat sich eine Skepsis herausgebildet, dass Erneuerung Verbesserung sei. Viele sehen in den Veränderungen nur die Krise und entwickeln daraus eine Mentalität der Unzufriedenheit und Kritik. Oft übersehen sie aber dabei, dass wir alle an den Veränderungen in unserer Gesellschaft mitverantwortlich sind, insofern wir ein stetiges Wachstum unseres Lebensstandards wünschen, und dadurch die technologische Innovation befördern. Wir sind persönlich immer auch ein Teil des Problems. Wie immer man zu diesen Dingen stehen mag, einfache Lösungen gibt es nicht, da alle Vorgänge unseres Lebens in einem hohen Maße innerlich vernetzt sind.
Dass alles in Bewegung ist, ist banal und tiefsinnig zugleich. Panta rhei alles fließt, so hatte es einstmals der griechische Philosoph Heraklit (um 500 v. Chr.) gesagt. Und von ihm stammt auch der Satz: Du kannst nicht zwei Mal in denselben Fluß steigen. Diese zur philosophischen Sentenz geronnene Erfahrung mag uns ein Trost sein vor allem dort, wo wir meinen, es würde nichts anders werden oder eine Lebenssituation fesselte uns für alle Ewigkeit. Unerträglich aber ist auch, wenn ständige Veränderungen, eine auf Dauer gestellte Bewegung und Unruhe zur Grundstruktur unseres Lebens geworden sind. Viele Menschen leiden darunter.
Es ist der Verlust der Balance. Denn diese besteht in der gleichzeitigen Wahrnehmung und Erfahrung des Dauernden und Ewigen. Als Christen wissen wir davon mehr als Menschen ohne Glauben und Religion, obwohl eine solche Sehnsucht in allen Menschen vorhanden ist. Die Bibel spricht hier oft in Kontrasten, in denen das Ewige das Göttliche ist und das Vergehende das Weltliche. Jesus Christus spricht: Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen (Mk 13,31). Als Jahreslosung für 2004 finden wir in diesem Satz den tiefen Halt inmitten ungewisser Entwicklungen. Auch wenn wir nicht gerade auf den Untergang unserer geliebten Erde und des sie umgebenden Himmels warten, - die Vergänglichkeit und Eitelkeit so vieler menschlichen Pläne und Gedanken haben wir täglich vor Augen. Was ist das für ein Wort, von dem das Johannesevangelium sagt, es sei von Anfang an gewesen; was für Worte sind das, die die Menschheitsgeschichte geprägt haben als Entwicklung hin zu einem wahren Menschsein. Auf diesen unzerstörbaren Halt wollen wir in allen Stunden dieses Jahres vertrauen. Darunter müsste auch alle Angst vor einer ungewissen Zukunft vergehen. In diesem Sinne grüße ich Sie alle herzlich
Ihr Pfarrer Dietmar Selunka
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