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Hier der Bericht über die Weihnachtsbescherung in der Justizvollzugsanstalt (JVA) auf dem Hammerweg in Dresden.
Einen weiteren über die Konfirmandenrüstzeit der Klasse 8 in Berlin finden Sie unter "Junge Gemeinde". Nun zur

Weihnachtsbescherung in der Justizvollzugsanstalt (JVA) auf dem Hammerweg in Dresden 23.12.2001

Einen Tag vor dem Heiligen Abend trafen sich vor der JVA Ehrenamtliche, um an ca. 800 dort einsitzende Gefangene Weihnachtspäckchen zu verteilen. Nach Abgabe des Personalausweises an der Pforte und dem Durchqueren mehrerer Tore und Schleusen, befanden wir uns jenseits der hohen Mauern, die wohl bei uns allen ein beklemmendes Gefühl hervorgerufen haben.

Der evangelische Gefängnisseelsorger, Herr Pfarrer Forker, der diese Aktion leitete, hatte alles bestens vorbereitet, so z.B., daß unser Besuch auf den Stationen sich nicht mit dem Hofgang der Gefangenen überschnitt.

Fahrbare Palettenwagen waren gekennzeichnet mit den Namen von 2 Stationen und bestückt mit der entsprechenden Anzahl Weihnachtstüten für die Gefangenen und einem kleinen Präsent für die Bediensteten, denn die 4 betreuenden Theologen der JVA fühlen sich als Gefängnisseelsorger (nicht Gefangenenseelsorger) auch verantwortlich für die oft schwierigen Belange der Bediensteten.

Nach einer kurzen Einweisung der "Weihnachtsmänner bzw. -frauen" ( viele waren schon bei der Bescherung im Vorjahr dabeigewesen, andere das 1. Mal) begaben wir uns auf die Stationen. Jedes "Bescherungsteam" bekam einen der Wagen für 2 Stationen und für jede Station ca. 1 Stunde Zeit.

Mein Mann und ich waren eingeteilt für 2 Stationen mit vorwiegend jungen Männern, z. T. schon Strafgefangene, einige aber noch in Untersuchungshaft. Die Türen der Zellen standen offen und wir betraten sie getrennt, um evtl. in's Gespräch zu kommen.

Zunächst wünschte ich im Auftrag der Gefängnisseelsorge ein gesegnetes Fest und überreichte das Päckchen, welches mit Süßigkeiten, Schokolade, Pfefferkuchen, Tabak, 1 Teelicht und einer Weihnachtskarte mit einer Krippendarstellung gefüllt war.

Außerdem hatten ein Ehepaar 800 Fröbelsterne und eine Jugendgruppe ebenso viele Glockenmotive aus Transparentpapier zum Befestigen am Fenster gebastelt, die dem Päckchen einen weihnachtlichen Glanz verleihen sollten.

Nachdem die Gefangenen fast ausnahmslos das Gebrachte mit Freude und einem "Dankeschön" entgegengenommen hatten, fragte ich nach dem Zurechtkommen mit der Situation oder woher (aus welchem Ort) der Gefangene stamme o.ä., natürlich nur dann, wenn ich den Eindruck hatte, der Gefangene wünschte eine Unterhaltung, was mir in den meisten Fällen auch signalisiert wurde.

So erzählte mir der eine, daß er zwei halbwüchsige Söhne hätte, die sich in diesem Alter wohl am Vater orientieren möchten und war traurig darüber, daß er das gewünschte Vorbild nicht abgeben könne.

Ein anderer hatte mehrere Ultraschallaufnahmen seines ungeborenen Kindes dahängen und berichtete stolz, daß das Kind mittlerweile geboren sei und es seine Sorge wäre, daß das Kind den Vater vermissen würde.

Fast alle meinten, sie hätten "Mist" gebaut (die meisten drückten sich etwas schärfer aus), wollten es aber nach der Haftentlassung besser machen. Die Motivation dafür war vielfach die wartende Familie oder die Freundin.

Ein Rumäne - er war bei der illegalen Einreise geklappt worden - war glücklich über den Anruf seiner Mutter in den Vorweihnachtstagen, denn für einen Besuch fehlte ihr das Geld.

Ich war erstaunt, aber auch erfreut darüber, wieviel Einblicke die Gefangenen mir in ihr persönliches Leben gewährten. Sicher hatte ich als Frau den Bonus des Mütterlichen bzw. Großmütterlichen ( der jüngste von den mir begegneten Gefangenen war 16 Jahre jung).

Die Gespräche mit meinem Mann gestalteten sich übrigens anders. Im zeigte man die Verurteilungs- oder andere Unterlagen, erzählte mehr von strafrechtlichen Belangen.

Interessant war auch das Gespräch mit einer jungen Bediensteten, welche erzählte, wie nah ihr oft die Lebensläufe ihrer "Schützlinge" gehen würden. Manche hätten aufgrund ihrer Milieuschädigung oft gar keine Chance für einen normalen Lebensablauf.

Das soll aber nicht heißen, daß die Gefangenen unschuldig im Gefängnis sind. Zum großen Teil sind sie sich auch durchaus ihrer Schuld bewußt. Dennoch, auch sie sind Gottes geliebte Kinder. Im Matthäus Evangelium Kapitel 25 heißt es: ".....Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan".

Damit Weihnachten 2002 wieder eine Bescherung am 23.12. auf dem Hammerweg stattfinden kann, wird um eine Kollekte im Gemeindeforum am 10. März gebeten. Herr Pfarrer Forker wird an diesem Sonntag nach der Andacht uns Einblicke in seine Arbeit als Seelsorger im Gefängnis geben.

Er wird uns von den Problemen und Nöten der Gefangenen berichten, aber auch von seiner und seiner Mitstreiter Arbeit und ihren Erfahrungen.

Es wäre sehr schön, wenn viele an diesem Gemeindeforum teilnehmen würden, um den Ausführungen von Herrn Pfarrer Forker zuzuhören.

Ute Wendlandt

 



 

 

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