Berichte aus der Gemeinde

 

     
   

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13. Februar 2000 - ein besonderes Gedenken in unserer Gemeinde

Irene Hinsch, mit zwei dunkelblonden Z–pfen fast siebeneinhalb Jahre alt, Veilchenweg 28, wer ist das? Wer war das?

Ein kleines M”dchen, damals ziemlich brav, es ging zur Schule bei Frau B–hme. Das Kind hatte keinerlei Sorgen, lebte mit seinen Eltern und den beiden Br¸dern in der sch–nen Wohnung oberhalb der Loschwitzer Kirche und sah oft von dort in die Elbauen hinaus weit ins Land. Es spielte Klavier bei Leopoldine Bartels, hatte Kinderfreundschaften und nichts deutete darauf hin, dass in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 diese ruhige Kind-heit zu Ende gehen w¸rde.

Wer dies liest, fragt sich vielleicht, wie konnte eine Kindheit w”hrend des Krieges ruhig sein? Hier bei uns in Loschwitz f¸r unsere Familie war das so.

So sah es jedenfalls das Kind. Es merkte nicht, dass die Mutter M¸he hatte, den Alltag zu bew”ltigen, es bemerkte nicht die Einschr”nkungen, die tagt”glich mehr wurden, es wusste nichts von Krieg und Nazis und all den f¸rchterlichen Dingen, die in der Welt stattfanden. Der Vater erschien zwar von Zeit zu Zeit in dieser seltsamen Uniform, doch blieb er der Vater, das war schliesslich das wichtigere.

Der Tod des kleineren zweiten Bruders Anfang November 1944 war ein erster ernster Klang in diese Harmonie hinein und daraufhin wohl - so denkt die erwachsene Frau heute - entschlossen sich die Eltern dieses Kind taufen zu lassen.

So kam ich am 26. November 1944 in die Loschwitzer Kirche und kann mich sehr wohl an dieses Ereignis erinnern. Am Sonntag, den 13. Februar unseres Jahres war ich nun wieder in dieser Kirche, in der Nacht als die Glocken l”uteten.

Pfarrer Selunka hatte es m–glich gemacht und ich bin ihm dankbar daf¸r. Ich war auch nicht alleine dort. Ein befreundetes Ehepaar aus Loschwitz begleitete mich und vor allem war mein Mann bei mir. Ein englischer Mann.

Dies wusste das Kind nat¸rlich nicht, dass dieses eines Tages so sein w¸rde, als es in jener Nacht 1945 nach den Bomben vom Veilchenweg aus dem Fenster blickte und die Kirche brennen sah. Es sah den Turm und den Funkenflug daraus und verstand gar nichts. Das Kind hatte Angst.

Die Mutter nahm in dieser Nacht den Handwagen voller Sachen, zog das Kind und seinen Bruder warm an und dann liefen wir gemeinsam ins sichere Pillnitz, wo eine Freundin der Mutter einem Kinderheim vorstand und uns unterbrachte. Das Kind kam nicht mehr nach Loschwitz zur¸ck.

Es gelangte in den Westen, wuchs dort auf mit dem Gef¸hl, dass ihm etwas fehlt. Doch wusste es nicht was. Die erwachsene Frau nun kam zur¸ck mit dem englischen Mann. Sie weiss, dass es seine Nation war, welche die Bomben in jener Nacht abwarf und deshalb hatte sie das Verlangen, in dieser Nacht mit dem Mann eine kleine Weile in der Kirche zu verbringen, die so sehr zu ihrer Kindheit geh–rt.

Irene Hinsch

 



 

 

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