An einem Infostand präsentierten wir als Hauptverantwortlicher und Koordinator der Ev.- Luth. Kirchgemeinde Dresden- Loschwitz das Projekt der Wohnungslosen- Nachtcafés in Dresdner Kirchgemeinden


   


Die Schirmherrschaft des Kongresses hatte der Präsident des Europäischen Parlaments in Straßburg, Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering. Über 300 Teilnehmer aus 13 Ländern redeten auf dem Kongress in Heidelberg über Armut und Ausgrenzung und darüber, wie vor allem die Kirchen und ihre Hilfsorganisationen die Selbsthilfe organisieren, wie Betroffene aus ihrer Isolation zurückgeholt werden können.

Armut sichtbar machen, mit Armen und Ausgegrenzten leben, sie stärken und verbinden, das war das Anliegen dieses Kongresses.  

Für die Glaubwürdigkeit der Kirchen im 21. Jahrhundert wird es darauf ankommen, wie die Kirchgemeinden zusammen mit den institutionalisierten Hilfswerken Diakonie/Caritas ihr sozialdiakonisches/-karitatives Profil stärker fördern und weiter entwickeln können. Welche kirchlichen Projekte in unterschiedlichen europäischen Ländern bereits existieren und welche innovativen Ideen es für die Schwerpunktbildung diakonisch-karitativer Arbeitfelder von Kirchgemeinden gibt, sollte bei diesem Kongress ausgelotet werden. Es sollte auch die ökumenische Perspektive gestärkt und zugleich ein Netzwerk europäischer Kirchgemeinden in unterschiedlichen diakonischen Arbeitsfeldern initiiert werden.

Pfarrer Florian Barth, Ev. Kapellengemeinde Heidelberg, sprach über die Entstehung des Kongresses. Der Seelsorger erzählte von seiner Reise durch Europa, aus der er ganz praktische Impulse für seine Arbeit in der Gemeinde gewinnen konnte, gerade auch für die vielen Ausgegrenzten. So kam er in Kontakt mit Johannes Eurich, Professor für Ethik am Diakoniewissenschaftlichen Institut, Heidelberg,

der gerade an einem Seminar über Diakonischen Gemeindeaufbau arbeitete. Das war die Geburtsstunde des Kongresses. Organisiert wurde dieser Kongress vom Diakoniewissenschaftlichen Institut der Universität Heidelberg und dem Arbeitsbereich Caritaswissenschaften der Universität Freiburg und fand in Kooperation mit den Diakonischen Werken in Baden und in Württemberg sowie dem Diözesan-Caritasverband Freiburg statt.

In zahlreichen Vorträgen, Workshops sowie Podiumsdiskussionen wurden auch Modelle und Projekte aus verschiedenen Ländern vorgestellt. Es ging in erster Linie darum, aus den Ideen der anderen zu lernen, sich „anstecken zu lassen“, wie es der Präsident des Regionalrates im Elsass, Adrien Zeller, formulierte.

Themen des Kongresses waren unter anderem: Initiativen gegen Menschenhandel und Prostitution, Arbeit mit Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis, Arbeit mit sozial gefährdeten Jugendlichen und mit psychisch kranken Menschen, Arbeit mit Menschen ohne Wohnsitz, Spiritualität der Nächstenliebe, Kooperation von Kirchen bzw. Gemeinden mit diakonisch/ karitativen Einrichtungen, politisches Engagement, der Beitrag der Kirchen für ein soziales Europa. 

Wir, als Verantwortliche des „Nachtcafés“, präsentierten an einem Infostand das Projekt der ökumenischen Wohnungslosen- Nachtcafés als vernetztes Angebot Dresdner Kirchgemeinden.

Mit einer DVD (mit mdr Hörfunk- und zahlreichen Fernsehaufnahmen durch ARD, mdr, ZDF und WDR zwischen 2000 – 2007 in verschiedenen Nachtcafés) und Informationsmaterial stellten wir den Ablauf und die Durchführung der Nachtcafés vor. 

Abschließend möchten wir das Projekt kurz vorstellen, mit dem wir offensichtlich auf einem guten Weg sind.

Mit der Wintersaison 2007/2008 (Oktober bis April) fanden nunmehr das 12. Jahr in Folge die Wohnungslosen- Nachtcafés statt  Für jeweils eine Nacht in der Woche stellen vier evangelische, zwei katholische Gemeinden und eine Nacht die Heilsarmee ihre Gemeinderäume zur Verfügung. Die Kirchgemeinden betreiben die Nachtcafés auf ehrenamtlicher Basis. Sie werden von zwei ABM-Kräften maßgeblich unterstützt. Bis auf einen Personalkosten-Zuschuss von der Agentur für Arbeit für die zwei ABM-Kräfte finanzieren sich die Nachtcafés ausschließlich aus Sach- und Geldspenden. Das Verhalten in allen Nachtcafés regelt eine verbindliche Hausordnung. Mit der Unterstützung und dem Einsatz von jährlich  über 170 engagierten Helfern wird ein Zeichen für Menschlichkeit, Nächstenliebe und Solidarität gesetzt. Zwischen vier bis sechs freiwillige Helfer teilen sich dabei pro Nacht die Küchen-, Reinigungs- und Betreuungsarbeiten. Es wird eingeladen zu Gesprächen und zum Spielen, es gibt warme Getränke und Kuchen sowie ein warmes Abendessen und morgens ein gemeinsames Frühstück. Es besteht die Möglichkeit, Wäsche zu waschen und zu  trocknen und sich zu duschen. Zur Übernachtung stehen ca. 20 einfache Nachtlager bereit, bestehend aus Isomatte, Bettwäsche, Decken und Kissen. Alles in allem wird von jedem Besucher 1 EUR unabhängig von dem Bedarf an Getränken, Essen und anderen Leistungen erhoben. Das miteinander Reden hat einen ganz besonderen Stellenwert für diese Menschen. Es werden durchschnittlich 18 Besucher und davon 15 obdachlose Menschen pro Nacht betreut. Damit werden jährlich über 2500 Betreuungen durchgeführt. Es stellen sich zusätzlich 3 – 4 Ärzte (1x wöchentlich) für die medizinische Betreuung der Wohnungslosen in den Nachtcafés freiwillig zur Verfügung, da sich diese sonst nicht in ärztliche Betreuung begeben würden. Einmal im Monat kommen eine ehrenamtliche Fußtherapeutin sowie eine Friseuse in die Nachtcafés. 

Das Projekt vereint Menschen verschiedener Konfessionen und auch nicht konfessionell gebundene in ihrem sozialen Engagement.

Während des Kongresses konnten wir in regen Diskussionen Erfahrungen austauschen und haben viele tolle Projekte aus verschiedenen Ländern kennen gelernt. Das wesentliche Anliegen, dass nicht die Wohltätigkeit der eigentliche Zweck ist, sondern dass man von der Fürsorge zum Miteinander kommen muss, wurde uns erneut bewusst.

Hilfe zur Selbsthilfe, das soll nun verstärkt beginnen, denn Barmherzigkeit allein genügt nicht mehr.

Volker Wendlandt /  Wolf-Dietrich Schönfeld



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