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Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 6. Februar 2008 
 

Unsere Gemeindefahrt zum Elisabethjahr 2007 nach Eisenach
Teil 1, Historischer Hintergrund

 


Eigentlich war sie schon im Hochmittelalter so etwas wie eine deutsche Nationalheilige, Elisabeth, Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und seiner Gattin Gertrud von Andechs-Meran, heute allgemein bekannt als die „Heilige Elisabeth“, Landgräfin von Thüringen und ein Meilenstein in der geistigen und charitativ-religiösen Entwicklung des Mittelalters.

Eine wahrhaft große Frau, oder besser ein junges Mädchen, das in einem für uns heute kaum noch vorstellbaren Auf und Ab von Kriegen, prunkvollen Festen, Hofintrigen, übermächtigem Glanz und beispielloser Armut zum Wegweiser wahren Christentums in einer um Menschlichkeit ringenden Welt wurde.

1207 in Ungarn geboren, wurde sie bereits 1211 im Alter von 4 Jahren nach Thüringen auf die Wartburg bei Eisenach gebracht und mit Ludwig, dem Sohn des Landgrafen Hermann I, verlobt. Für die geplante Heirat dürften machtpolitische Erwägungen eine Rolle gespielt haben, da der Thüringer Landgraf zu einem der einflussreichsten deutschen Herrscher aufgestiegen war, dessen Stimme zu einem Faktor gegen die welfische Opposition im Reich geworden war.

1221 kam es zur Hochzeit zwischen Elisabeth und dem nunmehrigen 21-jährigen Landgrafen Ludwig IV. Die von außen arrangierte Ehe soll – eine absolute Ausnahme in dieser Zeit – überaus glücklich gewesen sein, wovon einige der überlieferten Legenden beredtes Zeugnis ablegen. Unter dem Einfluss der Franziskaner, die um diese Zeit in Eisenach Fuß fassten,  begann etwa ab 1223 bei der jungen Frau ein allmählicher geistiger Wandel hin zur Franziskanischen Frömmigkeit , der sie immer mehr für die Armen und Kranken im Land und ihre Nöte sensibilisierte. Armenpflege, die Errichtung von Spitälern, das Almosengeben und die tätige Nächstenliebe wurden in den darauf folgenden Jahren für sie immer bestimmender und zum Gegenstand zahlreicher Legenden (Rosenwunder). Damit geriet sie zunehmend in Opposition zum höfischen Leben. Nur die ungeteilte Unterstützung ihres Gatten, dem sie zwischen 1221 und 1227 drei Kinder gebar, beschirmte sie vor weiterreichenden höfischen Intrigen.

1226 gelobte Elisabeth im Beisein ihres Mannes dem an den Thüringer Hof gekommenen Priester Konrad von Marburg, einem berühmten und berüchtigten Ketzerprediger, ihm unbedingten Gehorsam zu leisten. Dieser machte ihr in der Folgezeit rigorose Vorschriften, die teilweise nur schwer zu erfüllen und mit den Pflichten einer Landgräfin nicht zu vereinbaren waren. Als Ludwig 1227 auf einem Kreuzzug bereits kurz nach der Einschiffung in Italien an einer Seuche verstarb, zersprang der Legende nach der Stein ihres Ringes, ein Zeichen dafür, dass ihr gesichertes Leben nunmehr an einem Wendepunkt angekommen war.

Aufgrund ihrer karitativen Arbeit von der Wartburg vertrieben, geriet die junge Elisabeth jetzt zusehends unter den Einfluss ihres machtgierigen Beichtvaters, der von ihr ein radikales Armutsgelübde verlangte und jegliches Betteln verbot. Da sie in Eisenach keine Bleibe fand, wohnte sie zeitweilig, von der Bevölkerung verachtet, in einem Schweinestall. Am Karfreitag 1228 entsagte sie in der Franziskanerkirche zu Eisenach allem weltlichen Besitz, ihren Kindern und ihrem eigenen Willen. Als die Familie ihrer Eltern von ihrem Schicksal erfuhr, ließ ihre Tante, die Äbtissin Mechthild von Kitzingen, sie nach Oberfranken holen. 1229 gründete sie aus dem ihr schließlich doch noch herausgegebenen Wittum in Marburg ein Hospital und arbeitete dort in ärmlichen Verhältnissen als Pflegerin. Elisabeth starb im Alter von gerade 24 Jahren. Bereits kurz nach ihrem Tod sollen sich an ihrem Grab zahlreiche Wunder ereignet haben, Kranke sollen gesund geworden sein, weshalb schnell ein großer Strom von Pilgern zu ihrer Grabstätte hin einsetzte. Auf Initiative ihres Schwagers, Konrad von Thüringen, hin wurde schon bald (1232) ihre Heiligsprechung betrieben und diese zu Pfingsten 1235 durch Papst Gregor IX. verkündet. Seitdem ist Elisabeth ein Symbol für Humanität und Nächstenliebe, das auch in den folgenden Jahrhunderten keinesfalls verblasst ist. Nicht nur im katholischen Raum wird sie bis heute verehrt, auch zahlreiche evangelische Einrichtungen der Diakonie tragen ihren Namen, so dass Elisabeth bis heute eine der wahrhaft großen ökumenischen Figuren der Geschichte genannt werden kann.

Ein Bericht von Christoph Schmidt
(Fortsetzung folgt)


 
 
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