Letzte Aktualisierung: Sonntag, 26. März 2017 

Eingabe an die Landessynode

Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz
Kirchenvorstand

Pillnitzer Landstr. 8
01326 Dresden

Eingabe an die Landessynode

Positionspapier zu „Kirche mit Hoffnung in Sachsen“

Zum Verfahren

„Kirche mit Hoffnung in Sachsen“ stellt den gravierendsten Eingriff in die Struktur der Landeskirche seit Jahrzehnten dar und wird die Entwicklung für Jahrzehnte prägen. Eine derart grundlegende Entscheidung in einem kleinen Kreis vorzubereiten und durch die Kirchenleitung und nicht durch die Landessynode zu beschließen, ist der fundamentalen Bedeutung der Entscheidung nicht angemessen. Der Entstehungs- und Entscheidungsprozess unter nur rudimentärer Beteiligung der hauptbetroffenen Gemeinden entspricht nicht den Grundsätzen innerkirchlicher Demokratie, von Beteiligung, Teilhabe und Transparenz und untergräbt Akzeptanz und Bereitschaft zum Mitwirken. Die derzeit gewählte unbarmherzige Verweigerung der Nachbesetzung freier Stellen, verknüpft mit der Forderung der Umsetzung des Strukturpapiers, erzeugt das Gefühl, erpresst zu werden, bewirkt Frustration und Rückzug und damit das Gegenteil dessen, was dieser Kirche nottut. Das gewählte autoritäre Vorgehen signalisiert damit mehr Angst vor eigener Reformunfähigkeit, ja Panik, und fehlendes Vertrauen in Gremien, Gemeinden und Mitglieder, als dass es seinem zynisch anmutenden Titel gerecht wird.

Zum Inhalt

Es werden gravierende Einsparmaßnahmen als Folge rückläufiger Mitgliederzahlen und folgend erwarteter rückläufiger Einnahmen zu einem Zeitpunkt rekordhoher Kirchensteuereinnahmen vorgeschlagen. Eine Erklärung hierfür ist vorstellbar, das Strukturpapier bleibt diese aber schuldig. Trotzdem wird von der Notwendigkeit einer Stellenreduktion auszugehen sein.

Das Strukturpapier formuliert notwendige Anpassungen praktisch allein in Bezug auf das Fundament einer  Volkskirche - die Gemeinden. Detaillierte Aussagen  zur Überprüfung aller übrigen Einrichtungen der Landeskirche fehlen. Die Gemeinden stellen das Bindeglied von Gläubigen und Kirche dar. Großgemeinden gefährden diese Nähe, die örtliche menschliche Beziehung und untergraben die Freude am ehrenamtlichen Engagement. Praktische Gemeindearbeit lebt aber vor allem von den Aktiven, nicht von der Entwicklung der  eingeschriebenen Mitglieder. Dies gilt gerade, wenn Stellen reduziert werden müssen. Die Erfahrung in anderen gesellschaftlichen Bereichen lehrt: Mitentscheidungs- und Mitgestaltungsmöglichkeit wird ganz überwiegend räumlich nah erfahren. Zugleich ist es ein bewährter Organisationsgrundsatz, dass Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung zusammen gehören.

Die Verwaltung der Gemeinden (u.a. Haushalt, Personal, Immobilien) birgt im Vergleich zu öffentlichen und privaten Institutionen erhebliche Potentiale zur Steigerung der Effizienz. Das Strukturpapier wurde nicht erkennbar unter Beteiligung von Fachleuten für Organisationsfragen erstellt. Es trifft keine Aussagen, wie unter Einsatz zeitgemäßer Technik und Organisationsmethoden dieses Potential unter Hinzuziehung von Fachleuten ausgeschöpft und eine möglichst dezentrale Organisation erhalten bleiben kann. Bloße Zentralisierung ohne eine Überprüfung der Prozesse ist ideenlos und führt nach vielfacher Erfahrung nur zu einer Verschiebung und Substitution von Aufwänden, nicht aber zu deren Reduktion.

Die Landeskirche ist in mehrfacher Weise heterogen. Dies wird durch differenzierte Personalschlüssel berücksichtigt. Jedoch fehlt im Strukturpapier außer dem allgemeinen Hinweis auf auskömmliche Stellenumfänge und dem Miteinander der Mitarbeiter eine nachvollziehbare Ableitung, warum zwingend und einheitlich Strukturgrößen von 4.000 / 6.000 Mitgliedern pro Struktureinheit erforderlich sind. Das im Wesentlichen zweistufige Einheits-Gemeindegrößenmodell wird den ganz unterschiedlichen Verhältnissen innerhalb der Landeskirche nicht gerecht. Wir fordern, dass den Gemeinden im Ergebnis eines transparenten Prozesses auf Kirchenbezirksebene ein Personalschlüssel zugeteilt wird und es dann der Gemeinde in Stärkung ihrer Selbstverantwortung obliegt, über die Möglichkeit der Umsetzung, ob allein oder im Verbund mit anderen Gemeinden, zu entscheiden.

Weiteres Vorgehen:

Wir bitten die Landessynode zu beschließen, dass die Umsetzung von aus „Kirche mit Hoffnung“ abgeleiteten Maßnahmen ausgesetzt wird. Bestehende Stellenpläne behalten solange ihre Gültigkeit und werden umgesetzt. Es wird eine Diskussion zur zukünftigen Struktur der Landeskirche unter Einbeziehung der relevanten Gruppen, insbesondere der Kirchgemeinden, durchgeführt. Die Synode fasst auf der Frühjahrstagung 2018 einen Beschluss zur zukünftigen Struktur.

13.3.2017

Kirchgemeinde Loschwitz, Kirchenvorstand

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