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| C. Moser, K. Gottschalk, E. Wenzel |
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Am nächsten Morgen nach Morgenandacht und Frühstück setzten wir uns zur Bibelarbeit zusammen. Die Bibelarbeit setzten wir dort fort, wo sie im letzten Jahr beendet wurde: Erzvätergschichten 1. Mos 27, Jakob gewinnt den Erstgeburtssegen. Es ergaben sich rege Gespräche, wobei wir auch Beziehung auf die Gegenwart nahmen. Nach Mittagessen und Pause fuhren wir nach Rumburk (Rumburg) in Tschechien, um das Pfarrerehepaar Symonovsky zu besuchen, das uns vom Elbhangfest („Wenn die Böhmen mit den Sachsen...“) bekannt ist. Wir hatten mit Kollektensammlungen an manchen Festtagen in Loschwitz den Aufbau ihrer ausgebrannten Kirche unterstützt. Wir freuten uns über die Fortschritte der Bauarbeiten des letzten Jahres. Es steht noch sehr viel Arbeit an. Dennoch konnten sie kürzlich den ersten Gottesdienst in der Kirche feiern und waren dankbar für die unerwartet rege Teilnahme. Die Evangelische Kirche hat es dort sehr schwer, sind doch die meisten Christen inmitten einer der Kirche entfremdeten Welt katholisch. Es hat uns berührt, mit wie viel Einsatz und Gottvertrauen sich das junge Pfarrerehepaar bemüht, ein Gemeindeleben aufzubauen. Auf den herzlichen Abschied folgte ein furchtbarer Schreck: ein junger Motorradfahrer kollidierte mit unserem Bus und musste verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Pfr. Selunka musste zu Klärungsgesprächen am Ort bleiben. Wir wurden von Herrn Matjeka, dem Leiter des Herrnhuter Heimes, nach Herrnhut zurückgeholt. Der Bus war bis auf einen leichten Blechschaden unversehrt geblieben und, Gott sei Dank, auch alle Insassen. Aber ein großer Schatten lag über dem Abend. Noch am nächsten Morgen waren wir alle bestürzt. Zur Morgenandacht schlossen wir auch den jungen Verletzten in unser Gebet ein. Die Bibelarbeit nach dem Frühstück Jakobsgeschichte brachte etwas Ruhe und Abstand. Am zeitigen Nachmittag fuhren wir nach Cunewalde, um die größte Dorfkirche Deutschlands zu besuchen. Frisch verputzt ragt sie hell auf einem kleinen Hügel über das Dorf. Das Gotteshaus entstand 1793 nach 13jähriger Bauzeit. Das große Kirchenschiff mit drei Emporen bietet fast 3000 Plätze. Seinerzeit wurde die Größe für Cunewalde und umliegende Dörfer gebraucht. Kanzel und Taufstein stammen aus der Kirche, die vorher am Platz stand. Drei 1817 in Gablonz entstandene Kristallleuchter erhellen an Festtagen den Raum. Der Altar entstand 1890 und wirkt wie ein klassizistischer Tempel. Das Altarbild zeigt Christi Himmelfahrt. Tradition sind Lichterpyramiden zu Weihnachten. Konfirmanden und größere Kinder ziehen am Heiligen Abend singend mit den Lichterpyramiden zum Altar und bringen Licht und Wärme in die Kirche. Die Dorfbewohner bewahren die Pyramiden wie ein Kleinod. Die heutige Situation im Dorf so erzählte der Pfarrer ist durch Arbeitslosigkeit, Abwanderungen und erstorbene Industrie trüb. Nach Heimfahrt und Abendessen ging der Tag mit einem Video über Paul Gerhardt und unserer Andacht zu Ende. Auf Morgenandacht und Frühstück am nächsten Tag folgte unsere Bibelarbeit Joseph und seine Brüder mit anschließenden Gesprächen. Nach der Mittagspause gingen einige Interessierte in das Herrnhuter Völkerkundemuseum. Es ist ein Museum mit interessanten und reichhaltigen Berichten und vielfältig gesammelten Gegenständen, die über die Mission der Herrnhuter Brüdergemeine in allen Erdteilen aussagen. Anschließend fuhren wir nach Spitzkunnersdorf. Die Kirche dort konnten wir leider nicht besuchen, der Pfarrer war nicht da. Pfr. Selunka zeigte uns vom Kirchengelände aus „sein“ Dorf und das Haus, in dem er glückliche Kindertage erlebte. Wir spürten seine tiefe Verbundenheit mit der Heimat. Anschließend besuchten wir das Grab von Vater Selunka. Diesen Weg hatten wir uns alle gewünscht. Wir verhielten eine Weile und dachten ganz besonders an Herrn Selunka, der uns in den letzten Jahren ein so lieb gewordener Begleiter in Herrnhut geworden war. Abends sahen wir ein Video über Hedwig von Schlesien (12./13. Jhdt.) Sie lebte als Nonne im Kloster Trebnitz bei Breslau, das sie selbst gestiftet hatte, und gilt als Schutzheilige Schlesiens. 1267 wurde sie heilig gesprochen. Es stimmte uns ein auf unsere nächste Fahrt: Auf den Spuren des Oberlausitzer Sechsstädtebundes. Mit dem Nachtgebet beschlossen wir den Abend. Am nächsten Tag begann die Fahrt gleich nach dem Frühstück mit dem kleinen Bus „Der Rennersdorfer“, der mit großen Fenstern gute Aussicht bot. Die sechs Städte Bautzen, Kamenz, Zittau, Löbau, Görlitz und Lauban hatten 1346 ein Trutzbündnis geschlossen und waren auf den Landtagen der Oberlausitz als geschlossener Stand dem Adel (mit den Prälaten) gegenübergetreten.Am nächsten Tag begann die Fahrt gleich nach dem Frühstück mit dem kleinen Bus „Der Rennersdorfer“, der mit großen Fenstern gute Aussicht bot. Die sechs Städte Bautzen, Kamenz, Zittau, Löbau, Görlitz und Lauban hatten 1346 ein Trutzbündnis geschlossen und waren auf den Landtagen der Oberlausitz als geschlossener Stand dem Adel (mit den Prälaten) gegenübergetreten. Unmittelbar nach der Grenze bei Hagenwerder-Berzdorf in Polen besuchten wir im Ort Radomierzyce (Radmeritz) das Barockschloß Joachimstein, ein Wasserschloß. Am Eingang des leider verwilderten Parks steht eine zur Anlage gehörende Mühle, die ein junger Pole vor dem Verfall zu bewahren sucht. Dieser freundliche junge Mann erklärte uns den Weg zum Schloß. Sein drolliger kleiner Mischlingshund war unser Führer durch Dickicht und verwilderte Wege. Das Schloß hat der Hofkämmerer August des Starken, der ledige Joachim Sigismund von Ziegler und Klipphausen nach Plänen von Karcher und Pöppelmann erbauen lassen (glanzvolle Einweihung 1728). Es liegt auf einer von fast 300jährigen Linden umgebenen Insel. Ein hohes Stahlblechtor am reichverzierten wappengeschmückten Eingang versperrte den Blick auf den Innenhof des Schlosses, dessen Restaurierung wegen Geldmangels storniert, nachdem in den zurückliegenden Jahren die Sanierung der Dächer und Fenster begonnen worden war. Die zweite Station war Luban (Lauban). Bei Regen machten wir einen Stadtbummel. Interessant sind gut erhaltene Teile der Stadtmauer, das Stadttor, das Renaissancerathaus, eine alte Postmeilensäule, die die Verbindungen nach Sachsen deutlich machte, und schöne, zum Teil restaurierte Bürgerhäuser. Zu Mittag aßen wir in einem Hotel, gut und sehr reichlich! Weiter ging es nach Boleslawiec (Bunzlau). Dort besuchten wir eine Keramikverkaufsausstellung und bewunderten die unendliche Auswahl. Beim kurzen Stadtrundgang sahen wir das Rathaus, die katholische Kirche, deren Innenraum wir als sehr überladen empfanden. Die Rückfahrt führte uns über Zgorzelec zum deutschen Teil von Görlitz. Dort besuchten wir das Heilige Grab mit Kreuz- und Grabkapelle und Salbhäuschen. Die vorgerückte Zeit gebot zur Rückfahrt. Nach dem Abendessen sahen wir ein Video über Uri Avnery. Dieser deutschstämmige jüdische Journalist kämpft für den Frieden zwischen Israel und Palästina. Er erhielt dafür viele internationale Auszeichnungen und Preise. Mit dem Nachtgebet ging unser letzter gemeinsamer Abend zu Ende. Am Sonntag fuhren wir nach dem Frühstück zum Erntedankgottesdienst nach Ruppersdorf. Pfarrerin Laudeley, die wir als Vikarin Günther in Loschwitz kennengelernt hatten, gestaltete gemeinsam mit einem Pfarrer aus der Partnergemeinde Celle einen lebendigen Gottesdienst. Die kleine Dorfkirche mit ihrer Gemeinde, mit vielen Kindern, mit Kerzen, Blumen, bunten Erntegaben, mit Liedern und Posaunen das war bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein ein schöner Abschluß. Auch schon traditionsgemäß hielten wir an der Gaststätte „Blockhaus“ in Friedersdorf zum Rouladen-Essen an. Am frühen Nachmittag kamen wir heil und dankbar in Dresden an. Bis auf das traurige Erlebnis hatten wir wieder schöne Tage der Gemeinsamkeit, wofür wir Pfr. Selunka von Herzen danken. |
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© 2005 |
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