Rüstzeit für Menschen in der zweiten Lebenshälfte, im Tagungs- und Erholungsheim der Brüdergemeine in Herrnhut, vom 9. bis 14. September 2003


   


Wie alljährlich, so auch in diesem Jahr, wurde in Herrnhut eine Rüstzeit mit einigen Mitgliedern der Loschwitzer Kirchgemeinde nebst Gästen durchgeführt. Die Teilnehmer fuhren teils mit einem Kleinbus der Diakonie (gesteuert von Herrn Pfr. Selunka), teils mit der Bahn bis Löbau und dann mit der Taxe nach Herrnhut. Die Unterkunft im restaurierten Heim gefiel allen sehr gut.
Der Tagesablauf verlief folgendermaßen:
Andacht – Frühstück – Bibelarbeit – Mittagessen – Ausflüge in die schöne Umgebung – abendliche Weiterbildung durch Gespräche und Videos – Abendandacht.
Das Thema der Bibelarbeit war ein Kennenlernen der Psalmen, die nur zum Teil schon bekannt waren. Aber die Andachten und die Bibelarbeiten machten uns viel vertrauter mit ihnen. Im Wechselgebet lernten wir das richtige Atemholen innerhalb der Psalmverse, und wir kamen uns dadurch einander näher.
Am 1. Abend pilgerten wir über den Friedhof der Brüdergemeine zum Altan auf dem Hutberg, wo sich ein wunderschöner Rundblick bot.
Am 10.09. galt es, ein Geburtstagskind mit einem frohen Lied zu feiern. Am Nachmittag wurden wir zu Sternenfängern. Wir konnten in einem Ausstellungsraum der Fabrik zuschauen, wie die Herrnhuter Sterne „gebaut“ werden. Eine Vielzahl von Exemplaren war zur Ansicht aufgehängt, darunter die Farben des ersten Herrnhuter Sterns in Rot und Weiß, daneben viele Variationen in Gelb, Rot, Weiß, Gelbrot und Rotgelb, und es waren ganz kleine und auch riesige Exemplare zu sehen. So mancher Stern ging mit uns davon.
Nach dem Geburtstagskaffee im Heim machten wir uns auf den Weg nach Berthelsdorf. Dort hatte die Großmutter von Nikolaus Ludwig Graf von Zinsendorf in einem stattlichen Gut gewohnt. Später verkaufte sie das Anwesen an ihren Enkel, der dann die Siedlung Herrnhut auf seinem Besitz ermöglichte.
In der Berthelsdorfer Kirche lauschten wir dem dortigen Pfarrer, der uns die Geschichte des Grafen nahe brachte.
Sehr interessant war der Besuch im Damastmuseum in Großschönau. Dort konnten wir noch drei alte Webstühle bewundern, sie waren noch funktionsfähig und webten Leinen, Damast und Frottee. Im großen Werksaal gab es viele moderne Maschinen, die uns kundig erklärt wurden.
Im Obergeschoß waren ganz wunderschöne Räume eingerichtet mit herrlichen Möbeln. Besonderen Eindruck machte eine Gruppe Biedermeierstühle nebst Sofa, die mit neu gestalteten Damast in Blau und Schwarz bezogen waren.
Eine Fahrt zur „Rübezahlbaude“ erfreute unsere Augen und Gaumen gleichermaßen. Es regnete auch nicht.
Die Ganztagsfahrt führte uns über die Grenze nach Tschechien in die Gegend von Liberec (vormals Reichenberg). Das gewaltige Schloß Frydlant des Herzogs von Frydlant, Albrecht von Wallenstein, umrundeten wir mit Staunen. In Heinice suchten wir die Basilika und betrachteten deren reiche Illusionsmalereien. Besser gefiel uns eine Josephsfigur, die liebevoll ein Knäblein im Arm hielt. Mittagspause sollte im Wittichhaus, einer Baude im Isergebirge, sein. Sie war jedoch bis zum letzten Platz gefüllt. Wir begnügten uns mit einem Blick auf die Tafelfichte und fanden am Stausee Sous gute Bewirtung in einer hübschen Baude. Schließlich war unser Ziel ein weithin sichtbarer Aussichtsturm, die Schwarzbrunnwarte. Es mussten 87 Stufen erklommen werden. Aber die Anstrengung wurde belohnt durch einen großartigen Rundblick. Man konnte u.a. das Riesengebirge mit der Schneekoppe erblicken. Dankbar und froh traten wir die Rückfahrt an.
Anderentags war das Kloster Marienthal unser Ziel. In Ostritz wurde Kaffeepause eingelegt, dann wurden wir im Kleinbus in zwei „Fuhren“ zum Kloster transportiert. Nach der Kirchenbesichtigung zog es uns in den Garten der biblischen Pflanzen. Da gab es einen Amberbaum, einen styrax liquidambar, Raute, Feige und sogar ein paar Veilchen. Ein Teil der Gruppe lief bis Ostritz zurück, um dort von Herrn Pfarrer zum Heim zurückgebracht zu werden.
Am Sonntag nahmen wir am Gottesdienst teil und waren danach im nahen Museum zu einer Ausstellung über die Brüderunität Herrnhut. Wir gewannen einen ausführlichen Überblick über die Geschichte und Gegenwart der Kirche. Der Lebenslauf des Grafen von Zinsendorf und einige Lieder von ihm wurden vermittelt. Und besonders interessant war, zu erfahren, wie die Losungen entstehen. Eine Bibelausstellung wurde in einem extra Raum gezeigt.
Einen Spaziergang durch den kleinen Park konnten wir im Sonnenschein genießen, an den Vortagen war lang ersehnter Regen beschert worden, aber es gab zwischendurch auch Aufheiterungen.
An den Abenden wurden wir mit sehr interessanten Videos unterhalten. So wurde uns ein Film gezeigt über Amalie Sieveking, geb. am 25.7.1794, gest. am 1.4.1859. Sie war eine Vorkämpferin der christlichen Frauenbewegung und gründete 1832 in Hamburg den weiblichen Verein für Armen- und Krankenpflege. Auch das Leben von Gertrud von Le Fort, die als Schriftstellerin hervortrat, wurde uns durch ein eindrucksvolles Video nahegebracht.
Sehr tief beeindruckte uns auch ein Film über Adrian Ludwig Richters Aufenthalt in Italien. Es gab prächtige Bilder!
Nicht vergessen soll der Dank an die Bastelgruppe der Loschwitzer Gemeinde werden. Man hatte für jede Teilnehmerin ein kleines Puzzle angefertigt, das zu einer Strophe von Paul Gerhardts „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ zusammen zu setzen war. Natürlich wurden die Strophen während der Rüstzeit häufig gesungen.
Am Sonntagmittag vereinte uns die letzte Mahlzeit noch einmal, dann hieß es Abschied nehmen und die Heimfahrt antreten. Wir alle waren voller Dankbarkeit und hoffen auf ein Wiedersehen 2004.

Annerose Heydrich



 

 

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