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Familienrüstzeit in Raten vom 9.-11.3.2007 |
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Das sollte sich auf der Familienrüstzeit in Raten vom 9.-11. März ändern. Erwartungsfroh kamen am Freitagabend klein und groß in der „Friedensburg“ an, wo unser Pfarrer uns schon mit guter Laune und offenen Armen empfing. Nachdem alle Zimmer verteilt und das erste Abendessen unter fröhlicher Wiedersehensplauderei oder auch vorsichtigem Kennenlernen genossen war, begann der Abend mit heiteren Spielen. Die Kinder konnten sich austoben und die Erwachsenen je nach Mentalität miteinander „warm“ werden. Nach der Zubettgehzeit für die Kleinen fand noch eine Vorstellrunde für die Großen statt. Dabei stellte sich heraus, wie schön gemischt unsere Teilnehmergruppe war. Vom Kleinkind bis zum Senioren, vom Handwerker bis zum Arzt, vom Single bis zur sechsköpfigen Familie waren alle dabei. Die Kinder wurden von Herrn und Frau Pfeiffer liebevoll betreut und eroberten in kürzester Zeit „ihre“ Burg. Der Samstagmorgen begann mit einem lustvollen Lied und einem ausgiebigen Frühstück. Unsere Gruppe wurde - wie auch in den vorangegangenen Jahren - durch die Haus-Eltern Herrn und Frau Brandt auf das beste und fürsorglichste betreut. Der Vormittag setzte sich mit Liedern fort. In einer Einführung schilderte Herr Selunka dann kurz und prägnant das wechselhafte Leben Paul Gerhardts. Der Liederdichter wurde vor 400 Jahren im sächsischen Gräfenhainichen (südlich von Wittenberg) geboren. Er entstammte einer wohlhabenden Bürgermeisterfamilie. Früh seiner Eltern beraubt, verbrachte er seine Jugend auf der Fürstenschule Grimma und erhielt dort eine für die damalige Zeit exzellente Ausbildung. Später ging er als Student und Hauslehrer nach Wittenberg. Auch heute noch spricht aus seinen Liedern ein Glaube, der tief in den theologischen Grundeinsichten Luthers und Melanchthons wurzelt. Der Alltag des 17. Jhd. ist geprägt durch eine Ordnung, in der tägliche Gottesdienste und Andachten den Wochenrhythmus bestimmen. Reime und Verse sind Stützen einer Bildungskultur, die, da Lesen und Schreiben noch nicht Allgemeingut ist, sich vor allem aufs Auswendiglernen stützt. Am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges bedrohen Pest, Klimasprünge und Missernten das Volk. Paul Gerhardt ist nicht nur als Theologe, sondern auch als Rhetoriker und Poet ausgebildet, als er 1643 nach Berlin wechselt. Hier erscheint sein erstes Liederbuch und er muss sich mit Vorgesetzten und Obrigkeiten auseinandersetzen, die wie der Landesfürst calvinistischer Konfession sind. Im Jahr 1651 wechselt er ins brandenburgische Mittenwalde, um dort mit 44 Jahren eine Propststelle anzutreten und zu heiraten. Von 5 Kindern sterben in den folgenden Jahren vier und auch seine Frau muss der Dichter 1668 beerdigen. Zwei Jahre zuvor war er des Amtes enthoben worden, da er sich den Toleranzbestrebungen des Kurfürsten wiedersetzt hatte. Mit fast 70 Jahren stirbt er als Pfarrer in Lübben und hinterlässt eine Fülle von Liedern, die das ganze Spektrum menschlicher Freude und Leiden abdeckt. Sich dieser Fülle in weniger als zwei Tagen zu nähern war ein herausforderndes, aber auch lustvolles Unterfangen. Während die Kinder dies durch Musikinstrumentenbau, Spiele im Freien und dem Singen Gerhardtscher Lieder taten, fanden die Erwachsenen in Gruppenarbeit zu den tief berührenden und erstaunlich aktuellen Inhalten seiner Dichtung. „Geh aus mein Herz und suche Freud...“ , wer hat nicht Lust, dieses Lied an einem Frühsommertag über die Felder zu schmettern? Wie große Ernsthaftigkeit aber in diesem Lied neben jubelnder Freude steht, wie sehr es uns ermahnt, neben der Verantwortung und Dankbarkeit für Gottes Schöpfung auch die Früchte des eigenen Handelns zu betrachten, solche und ähnliche Fragen legte die intensive Betrachtung nahe. Der Austausch in der anschließenden Runde und der gemeinsame Gesang berührte alle Teilnehmer. Nachmittags gab es im schönsten Sonnenschein eine Wanderung über und um den Lilienstein herum. Am Abend nach einem guten Essen folgten ausgelassene Spiele mit unerwarteten sportlichen Höhepunkten beim Pfänderraten. Als alle Kinder erschöpft in den Betten lagen, setzte sich die Erwachsenenfraktion noch einmal zum Gespräch zusammen, um wichtige Gemeindefragen zu besprechen. Der Sonntag wurde gekrönt durch einen Wiesengottesdienst auf der Höh mit Blick zur Bastei. Morgendliche Spaziergänger lauschten erstaunt und erfreut den frohen Gerhardt-Liedern, die für uns alle eine neue Dimension erhalten hatten. Ein Abschlusskreis und Segen beendeten am frühen Nachmittag diese inspirierende und verbindende Zeit. Pläne fürs Wiedertreffen wurden geschmiedet, ein neuer Hauskreis gegründet, und dann war auch schon Zeit fürs Abschiednehmen. Mit neuen Impulsen und gestärkt gehen alle in den Alltag zurück und freuen sich schon auf ein Wiedersehen in Gemeinde, Gottesdienst und zur nächsten Rüste. Ich selber kann und mag nicht ruhn, Katrin v. Egidy PS: Literaturempfehlung: Petra Bahr , Paul Gerhardt- Leben und Wirkung, Herder Spektrum 2007, Gesangbuch der ev. Kirche |
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