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beim Kirchentag in Köln, der Anfang Juni stattfand, aber schon weit zurück zu liegen scheint, weil so viele andere Ereignisse uns permanent in Atem halten, bei diesem Kirchentag hat mich inmitten der großen Fülle an Themen eine Sache besonders angesprochen: Ein ökumenischer Pilgerweg durch die Innenstadt Kölns mit einzelnen Stationen des Gedenkens, was uns als Christen verbindet. Etwa 300 Menschen folgten diesem Zug, an dessen Spitze ein ökumenisches Kreuz getragen wurde, bei dem man sang und an bestimmten Orten der Innenstadt für eine Andacht und Besinnung innehielt. Beeindruckt hat mich die Station am ehemaligen Dominikanerkloster in der Nähe des Domes. Eine von einer kleinen Schola gesungene gregorianische Sequenz rahmte die Erinnerung eines jungen Dominikanerbruders an drei große Persönlichkeiten dieses Ordens: Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Meister Eckart. Diese drei Theologen verkörpern drei wichtige Dimensionen des Glaubens: Albertus Magnus als großer Gelehrter in der Hinwendung zu den Naturwissenschaften, Thomas als Gipfel der mittelalterlichen Theologie in der Versöhnung von Vernunft und Glauben, und Meister Eckart als Mystiker, wo die Gotteserfahrung zur Erfahrung in allen Dingen wird und sich die Einheit der Welt beglückend darstellt. Die Erinnerung an diese drei Denker und Zeugen des Glaubens machte allen die Weite der Theologie deutlich in ihrer Offenheit und Relevanz für das geistige Leben nicht nur ihrer Zeit. Sie waren zugleich auch europäische Theologen in ihrem Austausch zwischen den bedeutendsten Lehrstätten innerhalb des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“. Unter dem Gedanken der Ökumene wurde auch deutlich, dass diese Persönlichkeiten zum geistigen Erbe der ganzen Christenheit geworden sind und nicht nur für eine Konfession reklamiert werden können. Gleichfalls beeindruckend war die nächste Station des Zuges direkt vor dem Kölner Hauptbahnhof zu Füßen des Domes. Hier wurde der Taufe gedacht, die alle Christen verbindet. Ein baptistischer Pfarrer konnte hier aus der Perspektive seiner Kirche (Baptisten = Täufer) auf dieses Ursakrament aller Kirchen hinweisen. Verbunden mit dieser Station war der Hinweis und die Besichtigung eines Baptisteriums (großes Taufbecken für Ganztaufe) aus dem 5. Jahrhundert unterhalb des Domes. Dieses Baptisterium, durch neue Straßenbauten am Dom total überbaut und fast gänzlich verschwunden und nur durch ein Gitter einsehbar, war ein beeindruckendes Zeugnis des christlichen Lebens in der Frühzeit der Kirche im fränkischen Raum. Wir zogen dann weiter über eine der Rheinbrücken zu einer kleinen Kirche, die jetzt von der griechisch-orthodoxen Kirche genutzt wird. Unmittelbar hinter dem ökumenischen Kreuz trug der orthodoxe Priester eine Ikone als Sinnbild der lebendigen Gegenwart der Heiligen. Es erklang ein orthodoxer Hymnus vom Licht Christus, das allen Menschen leuchtet. Spätestens hier wurde der Blick auf das ökumenische Großereignis dieses Jahres gelenkt, die 3. Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu/Rumänien vom 04. bis 09. September 2007. Diese Versammlung, an der alle Kirchen Europas teilnehmen, auch die Römisch-Katholische, ist ein wichtiges Zeichen für den Willen der Christen, bei der politischen Einigung Europas auch die Traditionen und verbindenden Kräfte des Glaubens und der Kirchen mit einzubringen. Und es geht nicht nur um das Miteinander von Evangelischer und Katholischer Kirche, sondern um die Ökumene der verschiedensten in Europa lebendigen Kirchen. Wer sich mit den einzelnen Verlautbarungen der Kirchen beschäftigt, weiß allerdings auch, wie schwierig dieser Weg ist und wie wir noch ganz am Anfang dieses Prozesses stehen. Schließlich führte der ökumenische Pilgerweg wieder zurück auf die andere Rheinseite. Durch viele Menschen hindurch und vorbei an anderen Kirchentagsveranstaltungen im Freien zogen wir singend bis an die Südseite des Kölner Domes. Wer vor dieser größten Kirche Deutschlands steht mit ihrem zum Himmel strebenden gotischen Maßwerk, wer sich vorstellen kann, wie dieser Dom die normale Höhe der spätmittelalterlichen Häuser nahezu gigantisch überragte, sie quasi irdisch zurückließ, wer sich bewusst macht, dass dieser monumentale Kirchenbau vor allem auf die Überführung der Reliquien der Heiligen Drei Könige aus Italien nach Köln und einen damit verbundenen riesigen Ansturm von Pilgern zurückgeht, - der bekommt eine Ahnung davon, welches Zentrum von Anbetung, Bewunderung und auch Macht und Ansehen der Kirche sich hier manifestiert. Aus evangelischer Sicht nimmt man aber gerade auch die große Ambivalenz wahr, wenn die Jahrhunderte lange Verehrung der Reliquien und Heiligen immer wieder drohte, sich vor die Verehrung und Anbetung von Christus zu schieben und daraus oft ein sehr weltliches Treiben wurde, das den Reformatoren begründeter Anlass war, das Pilger- und Ablasswesen scharf zu geißeln. Unser ökumenischer Pilgerzug wurde durch das Südportal des Querschiffes eingelassen, und wir kamen eine dreiviertel Stunde vor Beginn des Ökumenischen Gottesdienstes - in eine vollkommen überfüllte Kirche. Der Anblick dieser Menschen, die jede Möglichkeit eines Sitz- oder Stehplatzes, sei es auf Stufen oder auf den großen Platten des Fußbodens, genutzt hatten, war in diesem Augenblick zu einem großen Symbol geworden: ununterscheidbar sitzen Evangelische zusammen mit Katholiken und Christen anderer Kirchen in diesem großen katholischen Dom, als wäre er nun das gemeinsame Haus geworden. Am Ende des Gottesdienstes begannen die Menschen spontan zu klatschen, um ihr Gefühl und wohl auch ihre Sehnsucht nach wachsender Einheit zu dokumentieren. An dieser gewachsenen Nähe der Christen verschiedener Konfessionen kann auch die jüngste Verlautbarung des Papstes nichts ändern, die die Einzigartigkeit der Römisch-Katholischen Kirche hervorhebt. Damit wird nur eine Position wiederholt, die schon immer von Rom beansprucht wird und die in der Logik dogmatischer Fixierungen sich auf offizieller Ebene wohl auch nur über längere Zeiträume hin verändern lässt. Es zeigt sich damit auch der selbstlähmende Aspekt dieses Traditionsdenkens. Das Leben der Christen in der Gegenwart unserer Welt und in der Realität konkreter Gemeinden wird am Ende stärker sein als dogmatische Festlegungen und Definitionen. So sind wir gelassen und freuen uns an jedem ökumenischen Schritt in der einen und vielgestaltigen Kirche unseres Herrn Jesus Christus. Der Pilgerweg in Köln, so denke ich, war in vielfacher Hinsicht eine symbolischer Weg dafür, dass die Hoffnungen stärker sind als die Fesseln unserer Geschichte. Weil Gott voran geht!
Ich grüße Sie alle und wünsche Ihnen erholsame und gesegnete Sommertage.
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© 2007 |
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